ich mich nie gewöhnen werde: Die schrillen, metallischen Schreie der Amselweibchen in der Innenstadt. Als würde eine Sense gedengelt. Viel lauter als am Stadtrand, böser, aggressiver.
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Letzte Nacht
bin ich von Nizza nach Saint Tropez geschwommen. Irgendwelche Leute trachteten mir nach dem Leben, darum sprang ich von Terrasse eines Luxushotels ins Wasser. Im Geschäfts-Kostüm, die Pumps hatte ich in die Jackentaschen gesteckt. Das Wasser war voller Quallen und Kraken und ich versuchte vor allem den roten unter ihnen auszuweichen.
Die Küste war korrekt rechts von mir (ich hab heute auf der Karte nachgesehen) und ich war dank starker Strömung ziemlich schnell da.
Dann stand ich wiederum in irgendeinem Hotelfoyer und versuchte zu verbergen, daß mir das Wasser vom Rocksaum tropfte. Und mein Vater war da und hielt mir eine Moralpredigt.
Was bitte hat das zu bedeuten?
Blogger Blind Date
Und nach einem reichlichen Jahr der Spurensuche, Wortwechsel und Linkmarkierungen habe ich zum ersten Mal einige Exemplare zu Gesicht bekommen.
Da hieß es plötzlich:
pst! he du da
wer, ich?
pst! ja,du
was denn?_
_pst! willst du heute mit dabei sein?
ja, gern!
pst! du kriegst ne sms!
ganz so geheimnisvoll war es nicht und hätte es nicht sein müssen, wenn ich meine Schwellenangst zu anderen Gelegenheiten überwunden hätte und zu einer der diversen Bloggerlesungen gegangen wäre.
So durfte ich mich freuen, den aufgehenden Vollmond des beginnenden 1. Juni mit Frau Wortschnittchen, Mr. Lucky, Mme Modeste und dem (offline gegangenen) Ereignishorizont zu verbringen. Geschart um Glam, der mit uns in einer Kaskade süffigem Schloß Schießmichtot in seinen Geburtstag rutschte. (Sekt in Kreuzberger Szenebars, ein Kapitel für sich!)
Und ich war scheiße aufgeregt, als ich in Richtung Schlesische Straße radelte. Hielt vorm vereinbarten Lokal, peinlich verspätet, weil ich es selbst noch nach einem Jahr Kreuzberg schaffe, mich zu verfahren und dachte angesichts einer Runde Studenten an einem Tisch: Oh Gott, wenn die das sind, dann bist du die Oma. Die sind ja alle Anfang 20, die Jungs haben ja noch Flaum im Gesicht! Aber das Rufus Wainwright-Shirt entdeckte ich zwei Tische weiter.
Klasse, plötzlich die Menschen zu den Worten. Ein Charakterbild, Andeutungen von Biografie, plötzlich werden Zusammenhänge klar. Für mich kontaktscheuen Menschen eine happyhappy-Situation. (Hab schließlich auch anderthalb Jahre Filmgruppentreffen gebraucht, um einigermaßen mit den Leuten warm zu werden.)
He, ja, prima, war schön und hat mich sehr gefreut!
Ein Auto ist ein Auto ist ein Auto?
Im Spätsommer muß ich mein rotes Hurenauto zurückgeben.
Was ich nicht ungern tue. Mittlerweile läßt sich das Verdeck einfach schließen. Was nicht immer so war. Es klemmte auf der rechten Seite, vor allem, wenn es warm war.
Voriges Jahr um die Zeit habe ich dadurch fast einmal ein Vollbad im Cabrio genommen. Es war der berühmte Sommerwolkenbruch, der am Savignyplatz das Wasser knietiefstehen ließ. Ich fuhr einen Miet-LKW in Schöneberg abholen, es war schwülwarm, ich fuhr offen und die schwarze Wand rückte immer näher. Fast angekommen, trickste ich die ersten schweren Tropfen mit Schnellfahren aus. Parkte noch. Ließ das Dach zugehen, versuchte zuzuhaken. Pustekuchen! Es paßte nicht mehr. Ich machte noch einmal auf, mittlerweile goß es in Strömen. Binnen Sekunden war ich naß bis auf die Haut. Die Ledersitze auch. Das Dach klemmte trotzdem. Nach zwei weiteren Fehlversuchen, der Wasserstand auf dem Boden betrug inzwischen mehrere Zentimeter, stand ich in der Beifahrertür, schmiß mich mit meinem ganzen Köpergewicht auf die klemmende Ecke und schrie: Scheiß italienischer Schrott!!! Ich verfluchte ganz nebenbei meinen Entschluß, wegen der Hitze Hot Pants, ein lockeres Minishirt und keinen BH zu tragen. Aus sicherer und trockener Entfernung sahen einige ältere türkische Herren fasziniert zu. Wahrscheinlich war das die erste Wet-T-Shirt-Performance, die sie zu Gesicht bekamen.
Als ich es dann endlich geschafft hatte und tropfend und prustend im Büro des Autovermieters stand blickte mich das Personal – ausschließlich Schwule von Selbstfindungs-Männergruppentypus – pikiert an. Was hätte ich gegeben um einen bärigen Truckertyp, der sagt Baby, hier haste erstmal n Handtuch und mich trocken rubbelt. Aber wat nich is das is nich.
Mittlerweile paßt das Dach bei jeder Temperatur. Dafür regnets rein. Und überhaupt quietscht und knarzt der Wagen mittlerweile jämmerlich.
Auch wenn mich im Tagesrhythmus die Händler dieser Marke anrufen und mit tatsächlich Kampfpreise für das neue Modell anbieten, ich will nicht mehr.
Und so bin ich am Samstag losgestiefelt. Da ich wußte, daß Autohändler Frauen gern unernst (oder ungern ernst) nehmen, mit HeMan als Verstärkung. (Den zunächst erst einmal unangenehmen Was wünscht ihre Gattin denn-Effekt nahm ich in Kauf.)
Der eine deutsche Autohersteller bietet gerade Sonderkonditionen für ein Modell, das ich nicht einmal schlecht finde. Auch wenn man einen Schuhanzieher braucht, um einzusteigen und auch nur eine ganz kleine Damenhandtasche im Innenraum abstellen kann.
Während der Verhandlung schickte mich HeMan noch mal in den Hof: Sieh dir mal den Wagen vorn links an, sag mal, wie dir der gefällt. Ich kam mit Schulterzucken zurück: Isn Auto. Er verstand nicht. Es war doch das Super-Duper-Coupé mit tausend Schikanen.
Dann sind wir noch zu einem anderen deutschen Autohersteller gegangen. Der mich, als ich vorab anrief, zunächst in eine Ost-Berliner Zweckbau-Filiale am Stadtrand verwies, weil es Gebietsschutz gäbe. Aha. Frauen aus der besten Kreuzberger Wohngegend, die einen Luxuswagen leasen wollen, fallen also in die Kategorie: Fahr mal -in den Osten- nach Mahrzahn, Mädel.
HeMan unterließ es nicht, mich darüber zu unterrichten, daß er zum ersten Mal eine Filale dieser Marke betritt. Für ihn haben diese Autos nichts mit der entspannten Fun&Erfolg-Generation zu tun, zu der er sich zählt, sondern mit Mutter, Vater und Schwiegermutter, die sich endlich etwas richtiges leisten konnten.
Was mache ich? Gehe hinein, ignoriere die angefetten Socken-in-Gesundheitssandalen-Träger mit schütterem Haar, die mit den feingemachten Eltern in beigefarbener Kluft mal Autos kucken gehen. Sehe mich kurz um und treffe IHN. Matter Lack in dunklem Silber, carbonfarbene Armaturen, fette Felgen. Mein Geschmack ist oft sehr simpel. Ostblock eben, wenn etwas aussieht wie ein eleganter Panzer, dann mag ich es.
HeMan sagte hinterher, leicht degoutiert, aber verständnisvoll, beim Einsteigen in diesen Wagen hätte ich zum ersten Mal gelächelt bei unserer Erkundungstour. Ich fühlte mich zu Hause. Der Geruch, die Haptik, die Optik. Wie das erste große Schiff, das ich vor fast 10 Jahren fuhr.
Leidenschaft ist kontraproduktiv in der Hinsicht, denn die Konditionen sind schlichtweg eine Unverschämtheit.
Tja. Dann kauf ich mir wohl zunächst mal einen Schuhanzieher, um dann die Vernunftlösung zu wählen. Schnüff
Edit: Die europäisch regionale Bezeichung der Autohersteller ist nicht als politisches Statement gemeint.Überhaupt hab ich lange zur vollsten Zufriedenheit einen Japaner gefahren. Und der lebt heute noch und tut meinen Eltern gute Dienste.