08.04. 2020

Der letzte warme Tag vor Ostern. Wunderbar sonnig und fast sommerlich.
Ein Tag zum Bettwäsche trocknen in lauen Wind, darauf hatten die Bezüge des Gästezimmers schon gewartet.
Hier aber auch ein Tag, um die Decke vom Gartensalon weiter aufzumachen. Diesmal kam wieder bergeweise Schüttung herunter. Ich war in voller Montur. Orangener Overall, Atemmaske (ich hatte tatsächlich noch eine gefunden!) und dichte Brille. Der Graf trug einen Bauhelm und Lackierermaske.
Was zum Vorschein kommt, ist …originell. Man kann nur vermuten, was sich die Leute bei dieser wahrscheinlich 150 Jahre zurückliegenden Bauaktion gedacht haben, bei der sie die Balkenköpfe mit einem Wechsel vor der Außenwand entlastet haben.
Abends spülten wir den Dreck runter, aßen Fischstäbchen und Pommes und zogen das Osterfeuer vor. In der Abenddämmerung zündete ich den Riesenhaufen Reisig unten im Park an, den ich im Winter nach den Stürmen zusammengesammelt hatte.
Er zündete und brannte schnell und hoch, so daß ich doch besser den Wasserschlauch anschloß. Die Flammen schlugen hoch bis in die riesige Eiche, bestimmt sieben oder acht Meter.
Und dann war schnell Schluß, es waren vor allem trockene Äste, kaum größeres Holz. Wir legten Abschnitte der kaputten Linde auf und saßen noch etwas. Der Mond ging auf, ein Hubschrauber flog hektisch in Höhe der Autobahn herum, Mimi versuchte, uns auf den Schoß zu springen, weil sie kalte Pfötchen bekam, aber nichts verpassen wollte. (Nix gut für Allergiker.) Shawn war im Hintergrund, Feuer mag er nicht, er schaute nach Mäusen.
Um 11 Uhr war ich rechtschaffen müde.

07.04. 2020

Heute war ich schon sehr früh draußen. (Der Morgen ist hier oft wunderbar, glasklar und taufrisch, ich stehe nur immer zu spät auf.) Es wehte ein strammer Nordwind. Ich wollte Wäsche aufhängen und blieb erst einmal minutenlang stehen und roch in den Wind, wie so ein Tier. Nun bin ich seit einigen Jahren fast geruchsblind, warum auch immer. Aber ich konnte jedes Detail wahrnehmen: Flusswasser, erwachte Erde, frische Kräuter, Veilchen und über allem roch ich die Ostsee. Ich wollte es erst nicht glauben, aber doch, es roch nach Meer.
Am Vormittag nähte ich Schutzmasken. Ich bin langsam, gemessen an der Produktivität anderer Nähnerds.
Dann brachte ich zwei davon zu Nachbarin, zusammen mit einem Kuchenteller von letzter Woche.
Der Freund aus dem Dorf hatte Bärlauch gebracht, während ich oben saß und nähte. Ich grub ihn sofort ein, ich kenne doch meinen dunkelbraunen Daumen.
Der Graf wollte heute an der Decke vom Gartensalon arbeiten. Da das mit viel dreck verbunden ist, zig ich einen Schutzanzug an.
Wir setzten Stützen unter die Decke; spöter transportierte ich Bauschutt nach draußen.
Abends machte ich mir Nudeln warm, für alles andere war ich schon wieder zu müde.
Jetzt scheint ein dicker Vollmond ins Fenster. Aber der wird mich beim Schlafen nicht stören.

WMDEDGT April 2020

Es gibt heute, am Monatsfünften, an dem Frau Brüllen fragt, was wir den ganzen Tag getan haben, nicht viel zu berichten, denn es ist Sonntag.
8:30 Uhr stand ich auf und fütterte die Katzen. Shawn ließ ich raus, Mimi sollte noch etwas warten. Sie hat noch immer Fäden von der Kastration im Bauch, da habe ich sie lieber im Blick.
Dann heizte ich den Ofen an, ging mit einem Kaffee wieder ins Bett und begann, das Internet leerzulesen. Eine Stunde später stand ich auf und frühstückte. Danach schaute ich nach Nähanleitungen für Mundschutze. Die Freundin von ein Dorf weiter braucht einen.
Für uns hatte ich schon vor Wochen urbandoos besorgt.
Der Graf kam irgendwann gegen Mittag aus dem Bett. Er hatte gestern in einem Anfall von Arbeitswut einen Ofen allein abgerissen und den Schutt im Container entsorgt, er war entsprechend platt.
Gegen 13 Uhr war es angenehm warm geworden und ich machte alle Fenster im Haus auf. Mimi wurde auch nach draußen geschickt. Ich klebte einen Riß in meinem zweiten Paar Gummistiefel mit Gaffertape, dann ging ich raus. Es war herrlich. Die Wiese voller Blumen, knallblauer Himmel und irgendwo in den hohen alten Linden balzten die Raben. Obwohl es 14 Grad hatte, war der Wind frisch und ich trug Jacke und Mütze.
Der Graf kam herunter und wir beschäftigten uns im Gartensalon und im Keller damit, wo der Gewölbekeller genau endet (nämlich irgendwo unterm Gartensalon) und wo der Scheitelpunkt des hinteren Gewölbesegmentes ist. Wir müssen Deckenbalken abstützen, um sie zu reparieren und da muß die Last gut auf dem Untergrund verteilt sein.
Als ich wieder rausging, stand eine Kiste in der Tür. Die alten Nachbarn im hinteren Teil des Parks hatten ihren Einkaufszettel hinterlassen. Dazu gab es zwei Stück Kuchen und ein sehr niedliches Ostergesteck mit Wiesenblumen (wir haben alle dieses Jahr keine Blumen zum Einpflanzen, die Gartenmärkte sind zu), in dem zwei selbstgetöpferte Lämmchen standen.

Wir setzten uns Kuchen essend in die Sonne. Shawn hatte auch gerade mit einen Riesensprung eine Maus erlegt. Mimi wollte, ungezogen wie sie ist, unbedingt sehen, was auf dem Kaffeetablett ist. Ich scheuchte sie immer wieder weg, doch in dem Moment, in dem ich nicht hinsah, versuchte sie es wieder. Zuletzt hatte sie es geschafft. Als die Teller leer auf dem Tablett standen, sprang sie dagegen und einer ging zu Bruch. Da merkt man, daß es keine Mutter gab, die sie mit Tatzenhieben erzogen hat.
Es wurde immer windiger, Der Graf ging hinein, ich folgte ihm bald.
Ich ging ins Herrenzimmer und baute von 17 bis 19 Uhr zwei Testmundschutze, einer mit Filterfutter, einer ohne.
Wir fuhren sie schnell in ein Dorf weiter und warfen sie dort zur Anprobe in den Briefkasten und begegneten auf unserem Weg sehr vielen Rehen und einigen Hasen. Wir drehten noch eine neugierige Runde durchs Dorf, es wird ein neues Haus gebaut und ein Bagger arbeitete noch. Als wir wieder ankamen, legte ich die Katzen schlafen. Ein sehr heller Mond schien.
Ich machte mir zum Abendbrot Omelette mit Camembert. Die Nachbarn haben derzeit sehr viele Eier über. Ich hoffe, das wird mit Gemüse bald auch so, es soll wohl Engpässe geben. Angepflanzt ist es schon.
Der Fernseher lief. Der Graf ist nicht so der versierte Fiction-Versteher. Meistens muss ich ihm erklären, wer wer ist und warum etwas tut, wenn ein deutscher Fernsehfilm läuft. Ich bekam nicht einmal mit, daß er zwischen ARD und ZDF umgeschaltet hatte. Beide Sendungen hatten scheinbar problematische Ehen zum Thema. Nur einmal in melodramatisch-unterhaltsam und einmal mit gestrengen Polizisten, die die Welt wieder in Ordnung bringen. Ich erklärte, daß ein Mann seine Frau schlecht behandele. Da kam aber plötzlich eine Figur ins Bild mit einem Satz, der aus der Ermittlungsfilm-Konvention ausbrach und mir war klar, warum es die ganze Zeit darüber hinaus niedliche Tiere und schöne Landschaft zu sehen gab. Das war garnicht mehr der Tatort.
Gegen 22 Uhr rief ein Freund an, der einen Nachbarschaftsstreit hat. Ich solle mal auf den Brief schauen. So ein liebes, nettes und gewundenes Schreiben hätte gar nichts genutzt. Ich habe dann Vorschläge für die Variante „vors Schienbein treten“ gemacht.
Ich ging um 23 Uhr noch in die Badewanne, obwohl es spät war und wusch mir die Haare, das war dran.
Nach Mitternacht begann ich diesen Text, schlief aber dabei immer wieder ein. Der Tag war wohl doch nicht so ereignislos, wie ich dachte. Vor allem stand der Wecker auf 5 Uhr, wir wollten Montag früh in der Metro in Greifswald einkaufen.
(Am Montag Mittag schrieb ich ihn daher fertig.)

Die anderen Texte sind hier zu finden.