Als distanzierter und zurückhaltender Mensch hat man es mitunter schwer. Vor allem, wenn man sich aus dem Fenster lehnt und zu kommunizieren beginnt.
Die Menschen aus meiner Blogroll sind bis auf wenige (von ihnen aber auch im credo angekündigte) Ausnahmen mit Humor und Ironie gesegnet, auch was den Selbstbezug betrifft.
Und da stolpere ich bei Blogsurfen über eben jenen schon verlinkten Artikel einer jungen Frau, den ich, ohne meinen Senf abzugeben, so nicht stehen lassen wollte.
Und stehe mitten im bierernsten Diskussionssumpf.
Es ist vielleicht wirklich eine Frage des Alters. So weit bin ich nun schon gekommen, daß ich anfange, über jugendliche Hitzköpfe mein müdes, von ersten Silberfäden durchwirktes Haupt zu schütteln. Es gab ja auch durchaus Zeiten, an der Uni, wo ich eine bedenkliche Neigung zu rhetorischen Flachwichsereien hatte, besonders auf Gebieten, die mir nicht ganz einsichtig waren und vor denen ich auch ein bißchen Angst hatte. Also eher laut lostrompeten statt verdruckst in der Ecke zu stehen. Funktioniert in Fächern wie Theaterwissenschaft immer.
Ich überlege gerade, wie ich mich äußere, ohne der jungen Dame zu nahe zu treten…Fuck!
Ich war einfach entsetzt über diesen altklugen Scheiß, den ich da zu lesen bekam. Vor allem über diese Mischung von Feministinnensprech und erzkonservativer, lustfeindlicher Lebenshaltung. Und letztendlich konnte ich dann nur noch eines dort hinterlassen: Mädel leb erst mal, quatsch nicht so viel.
Die Antwort war noch besser: Es wird im allgemeinen sowieso zu viel gehandelt und zu wenig geredet.
AH JA.
Und dann gibt es noch so Rhizome. Ein ellenlanger Exkurs, den ich nur fassen kann indem ich kursiv von quer nach links die Stichworte rausfiltere, sonst erschlägt mich der Wust von Worten.
Und Holgis Frage, warum für Frauen nur unbequeme Schuhe gebaut werden, ist wiederum Anlaß für Konfrontation zwischen Menschen, die auch mit einem Augenzwinkern durch die Welt kommen und der moralinsauren feministischen Kampfguerilla.
Rettet mich jemand? Ich möchte mit bastelnden Bloggern bauchtanzend durch Kreuzberger Lokalitäten ziehen und Spass haben. (So richtig rheinländisch ausgesprochen.)
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Wer hat an der Uhr gedreht?
Und wusch! da sind fünf Tage vorbei. Auf dem Schreibtisch stapelt sich das Liegengebliebene, das Telefon klingelt vorwurfsvoll und ich hoppele nur noch hinterher.
Und ich bekomme die Abende kaum noch zusammen.
* Mittwoch: Robert Altmans letzter Film, danach im Nu Disput über Sinn und Unsinn des Bloggens und wie persönlich so etwas eigentlich ist
* Donnerstag: Klaus Beyer zu sehen war eine Enttäuschung, danach Totentanz im leeren Rheingold (Touris, ein nach Öffentlich-Rechtlichen aussehender alter Sack mit Callgirl, müde Barkeeper), ins Weekend nicht reingekommen (Der Türsteher: Ej, wir erwarten hier wischtige Leute! Ah ja? Dann fickt euch ins Knie!)
* Freitag: worst Absturz ever, zumindest für HeMan und einen alten Bekannten, dabei begann der Abend im Horvath genial (das war was für Mutters verfressene Tochter) und endete mit Cocktails bis Oberkante Unterlippe im Riva, ich hab mich dann damit gerettet, daß einer von dreien einen klaren Kopf behalten und Auto fahren muß
* Samstag: Schneckengrillen auf der Dachterasse, HeMan, meinereinem und noch zwei Ladies, Flugwurstgefahr, weil der Grill so dicht am Rand stand
* Sonntag: nur noch Rumhängen in der Sonne, der verlorenen Bikinifigur hinterhertrauern (absurd, zu Weihnachten war ich schlanker!), Reste kochen, Knutschflecke zählen und neue machen
Das Leben ist schön.
Das Fossil tanzt
Spätestens am Mittwoch trudeln in meinem Postfach – wie es sich für jeden Hauptstädter gehört, der noch so etwas wie ein Nachtleben pflegt – die Partyeinladungen ein.
Einige, sehr schlichte Mails sind offenbaren solche Geheimtipps, daß ich mich nicht hintraue, weil ich fürchte, die einzige Uncoole/Alte/Schlechtangezogene/Falschangezogene/Zufrühkommende (Nichtzutreffendes bitte streichen) zu sein. Und die Anfangszeiten: 0 Uhr steht da, das heißt vor 3 wirds nicht interessant. Damit kann man den Tag danach vergessen bzw. im Bett verbringen. Da steht meine preußische Natur dagegen stramm.
Vieles ist unsäglicher Schrott. Warum bitte muß neuerdings in Berliner Clubs gepokert werden? Und die Angebote von Wodka-und Champagnertischen richten sich an eine sehr andere Klientel. Bestimmte Clubs gehen sowieso sowas von so garnicht mehr, egal, was dort stattfindet. Im Felix dürfen die geilen alten Säcke und die Teenager aus den Einfamilienhausrandbezirken gern unter sich bleiben. Das 90 Grad (gibts das noch?) habe ich das letzte Mal zu einer Michael-Ammer-Party besucht. Das war eine surrealistische Tat. Das Sage, eineinhalb Jahre in meiner Laufnähe gelegen, hatte in dieser Zeit die Atmosphäre eines Friedenauer Nachbarschaftsheims. Für das White Trash bin ich – ich gestehe es – zu unhip, auch wenn ich problemlos am Türsteher vorbeikomme. Ich war entsetzt über ein paar bedröhnte Pete Doherty & Kate Moss-Verschnitte, die sich auf der Erde rumwälzten und hoffte, nie meine Tochter so sehen zu müssen. Da sind sie mir zu gewollt in, das interessiert mich nicht.
Bestimmte Namen wecken in mir die Edelzicke, die es mag, als VIP am Volk vorbei in einen Laden einzuziehen. Thomilla, Timbaland, Mousse T. oder wie gestern Falcon. Da diese Herren nicht mehr für ein paar Freidrinks am Pult stehen, sind die Parties meistens vom Hort des Bösen finanziert. Was mir egal ist, ich fürchte, in diesem Leben lerne ich keine Lungenzüge mehr.
E-Werk wie in alten Zeiten und doch ist alles anders. Zunächst: alle, die anstehen, stehen auf der Gästeliste (hmpf!). Drinnen dann sind nur der DJ und noch zwei, drei Menschen in meinem Alter. Die schicken jungen Menschen stehen mit ihren Drinks da und schreien sich an. Ab und zu wippen sie ein bißchen.
Der Sound ist zu leise, richtig laut geht ja nicht mehr, ist mittlerweile sogar sanktioniert, glaube ich. Ich gehe nach vorn. Tanze. Alles nicht mehr so wie früher. Sie tanzen paarweise, mit dem Rücken zum DJ. Kaum einer schreit, wenn die Bassline einsetzt. Mir egal. Ich zappele, springe, fuchtele und habe Spaß. (Gab es da nicht irgendein Problem mit der Bandscheibe?)
Irgendwann mache ich mich auf die Suche nach einem Drink und treffe meinen jüngsten, und erfolgreichsten Klienten. Die Haare kleben naß am Kopf, der Schweiß läuft mir zwischen die Brüste und der Junge springt mich an, sichtlich erfreut darüber, daß er seinem Kumpel so ne coole Alte vorstellen kann.
Wir tanzen ein Weilchen zusammen, aber so ganz ist das nicht seine Musik und für mich geht Techno nicht mit einem Tanzpartner – vor allem nicht, wenn man noch geschäftlich verbandelt ist. (Außerdem klemme ich sowieso völlig, wenn wir uns privat über den Weg laufen, er ist wirklich süß. Aber Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps. Aber das nur am Rande.)
Gegen fünf Uhr wird es leer, einmal geht (als Rausschmeißer?) sogar das Hauptlicht an. Es ist hell draußen, die Vöglen singen und beim Gespräch mit dem Taxifahrer merke ich, daß ich doch ein paar Shooter zu viel hatte, überspiele dezent Artikulationsprobleme. Interpretiere in der Wodkalaune seine Fragen nach meinem Alter, ob ich allein unterwegs wäre und seinen Satz, er würde nicht noch mal losfahren sondern jetzt Schluß machen mit seiner Tour plus ein paar Komplimente für mich natürlich in die Richtung, daß ich sogar noch bei hübschen türkischen Studenten Chancen habe, die fast 20 Jahre jünger sind als ich.
Der Kater heute war schlimm, noch schlimmer war das Gefühl, für Tage übermüdet und gaga zu sein. Und der Rücken tut auch wieder etwas weh…
Ach so und an der Garderobe habe ich mich endgültig ins jugendzielgruppengesellschaftliche Aus geschossen. Indem ich den jungen Mann im Gedränge neben mir, der seine Zigarette in Hüfthöhe hielt, in 1A-Mutterton abwatschte: Paß auf, sonst brennst du jemand Löcher in die Sachen! Der hat nicht schlecht gekuckt. Und als er dem ersten Chick neben sich die Glut aufs Polyestertop schnippste, schaute er mich schuldbewußt an. Und ich hab strafend zurückgeschaut.
Alles so schön bunt hier
Mein Fernseher, HeMans guter, alter Loewe, scheint mir zu verübeln, daß ich ihn kaum benutze. Nach 10 Minuten Laufzeit hat er eine grüne Ecke rechts unten und eine violette rechts oben.
Der Grand Prix wird damit zu einem Erlebnis der Sonderklasse.
Ich bin happy. Sie geben sich alle so viel Mühe. Und können alle noch viel schlechter englisch als ich. Hihihi. Für einen englischen Muttersprachler muß das doch gruseligst klingen.
Und diese schwedische -Schwuppe- also dieser Glitzerlätzchenträger ist auf der Brust besser rasiert als im Gesicht. Muß das so sein?
P.S. Ich gestehe, ich habe in der zweiten Strophe des serbischen Beitrags die Glotze ausgeschaltet. Den kessen Vater fand ich fürs Macholand Serbien revolutionär. (Sie erinnerte mich an meine frühen Zwanziger, da hatte ich zwecks sexueller Orientierungsfindung auch immer mal nen Anzug an.) Als es dann aber immer emotionaler wurde und sich die Backgroundfriseusen enger um die Lady scharten, hab ichs nicht mehr ausgehalten…
Ich hatte noch nie eine Nase für Gewinner.