23.11. 2020

Ein durchwachsener Montag. Mit Sonne und Regen, immer wieder schwarzen Wolken und kälter werdendem Wind.
So richtig produktiv war ich nicht, im Gegensatz zum Grafen. Wie warteten auf den Schornsteinfeger, weil wir hinterher zum Einkaufen wollten, – der aber nicht kam. Deshalb kam ich außer Laub harken und der einen oder anderen hausfraulichen Tätigkeit zu nichts.
Als es dunkel war, kauften wir ein. Wichtige Grundnahrungsmittel fehlten. Bier, Schokolade und Chips.
Am Abend hatten wir ein Gericht auf die Speisekarte, das verlockend klang. Waffeln aus Kartoffelbreiresten. Leider spielte das alte Alu-Waffeleisen, das wir vor Monaten für fast nix auf dem Flohmarkt erstanden hatten, nicht mit. Die Waffeln wurden knusprig goldbraun und blieben kleben. Es gab Krusten und Krümel mit Knoblauchdip. Den Rest des Teiges warf ich dann in die Pfanne. Das Waffeleisen fliegt morgen mitsamt den darin klebenden Krusten auf den Müll.
Abends saßen wir am Ofen. So langsam wird es Winter.

22.11. 2020

Den Sonntag genutzt, um den Kontakthausstand zu besuchen. Dem Enkelkind vorgelesen.
Als sie fragte, was Ballett und eine Ballerina und wer Tschaikowski sei, habe ich ihr auf YouTube den Tanz der Zuckerfee aus dem Nußknacker gezeigt. Irgendwie überkam mich dabei heftige Rührung. Ich habe als Kind Filme und Fernsehsendungen mit klassischem Ballett sehr geliebt. Das Enkelkind führte eine Yogaübung vor (Handstandversuch durch mit dem Füßen an der Wand hochklettern) und als ich sie fragte, ob sie sich erinnern könne, wie die Ballerina getanzt hätte, trippelte sie auf den Zehenspitzen durchs Wohnzimmer. <3

21.11. 2020

Es war kalt und windig. Nicht viel getan. Lange im Bett liegen geblieben. Das Bad geputzt, Wäsche aufgehängt und mit dem Grafen gekocht. Der Tag war einfach so vorbei.

Einen Gedankenblitz gehabt. Der Kinoschlaf könnte eine vergessene Kulturtechnik werden. Ich habe halbe Festivals im Kinosaal verschlafen. Ab und zu bin ich aufgewacht und sah ein paar Bilder zu der Tonspur, die je nach Schlaftiefe an- und abschwoll. Ich weiß bis heute nicht, welchen der Filme über das Columbine-Massaker ich in München verschlafen habe. Ich hörte Schüsse und Schreie, dann tauchte ich auf und alles war voller Blut und ich tauchte wieder weg.
Ein Regisseurfreund schlief immer sofort ein. Er meinte, wenn er schliefe, hätte er Vertrauen zu dem Film. Wenn er wach blieb, hat es ihm wahrscheinlich nicht gefallen, weil er sich dann so aufregen mußte. Vermute ich.
Komischerweise ist vor dem Fernseher einschlafen für mich das Zeichen, das mein Leben außer Kontrolle geraten ist. Im Kinosessel schlafen, das ist Luxus.