Ähem

Heute morgen zwischen 3 und 4. Vier Cocktails und eine halbe Flasche Wein fordern ihren Tribut. Ich suche knutschend nach dem Schlüsselloch. HeMan assistiert mir, indem er seine -rechte- linke Hand sehr weit südwärts in meine Hose versenkt hat, mit der Rechten kämpft er mit meinem BH. (Schwer getrübte Erinnerung!) Ich brabbele was -über feuchte Höschen- nicht druckreifes.
Da geht die Tür nebenan auf. Ein junger Mann geht durch den treppenflur nach unten ab. Es gibt sicher bessere Arten, seinen neuen Nachbarn kennenzulernen. Aber verdammt noch mal, vernünftige Menschen schlafen um diese Zeit.

SL oder nennen wir es Gruselkabinett

Weiß garnicht, wo ich es heute gelesen habe: Sabine Christiansen bekommt eine Avatarin und darf im Second Life weitermachen.
Eigentlich sollte ich die dicke, tramplige Sweetlady Oh wiederbeleben (sie ist wegen Suchtgefahr des Originals im Hibernator). Dürfen Avatare mit Pumpguns im SL aufräumen oder geht das nicht?
Warum werden wir eigentlich im SL mit genau derselben langweiligen Scheiße gequält wie im Fernsehen?

Veröffentlicht unter Leben

Stöckchenklau

Stöckchenpremiere. Frau Fragmente hat eines konstruiert, das ich ziemlich gut finde.

1. Wo waren Sie vor vier Jahren?

Morgens um 7 Uhr das Kind schulfertig gemacht, sterneküchenverdächtige Brote geschmiert. Hab mich anschweigen lassen (das Kind redet morgens nicht) und Zeitung gelesen. Beim verabschieden darauf geachtet, daß ich ihr nicht „Schlaf gut“ hinterherrufe. Ein dreiviertel Arbeitstag in meinem Büro, (damals noch in einer 5-Zimmer-Wohnung, in einem kleinen Haus, das in Berlin-Grünau direkt am Ufer der Dahme lag). Nach 16 Uhr, wie 7 Jahre lang, habe ich mich mit meiner Filmgruppe in der dffb getroffen. Nach vier Stunden mehr oder weniger intensivem Arbeiten: Experimentalfilm, Schreibkritik, gegenseitiges Liebhaben oder Anzicken. Danach gings in den ägyptischen Italiener in der Stresemannstr., unweit des Potsdamer Platzes, 537 essen (Schnitzel mit Rahmchampignons und Pommes), Bier und Wein trinken und weiterdiskutieren.

2. Was haben Sie gemacht?

Meinen Job, den ich seit nunmehr 12 Jahren mache. Damals (für drei Jahre) in einer GbR. Daneben wollte ich dringend und sehnlichst selbst Autorin werden und Drehbücher und Romane schreiben.
Ich war bemüht, meiner damals 16-jährigenTochter mit möglichst wenig reinquatschen etwas Druck für die Schule zu machen. Daß Schule im Gegensatz zum Leben easy ist, das hat sie erst vor ein paar Monaten begriffen und ärgert sich jetzt über das 2,3-Abi, weil sie sich im Gegensatz zu ihren Freundinnen den Studienplatz nicht aussuchen kann. Sie hat sich in diesem Jahr zu einem kritischen und lebensklugen Mädchen entwickelt.
Was noch? Ich habe mehr und mehr meine eigene Welt aufgegeben. Mein Firmenpartner und Freund hat meinen Daimler kaputtgefahren. Schuldlos. Trotzdem war das Auto für mich hinterher entweiht. Es hatte große Bedeutung für mich, eines der Ziele, auf das ich nach Gründung der Firma hingearbeitet hatte, war, so ein Auto zu fahren (klingt blöd, ich weiß, aber für eine bitter arme alleinerziehende und studierende Mutti aus dem Osten ist ein Daimler ein Traum). Im Herbst sind wir dann aus dieser traumhaften Wohnung ausgezogen – zunächst in eine Erdgeschoßzweizimmerwohnung im Hinterhof im Prenzlauer Berg mit Außenwandgasheizern. Geschäftlich die richtige Entscheidung, mit dem Büro in die Innenstadt zu gehen. In der Lebensqualität erst einmal ein Desaster. Ich habe jahrelang den Wasserblick vermißt und daß ich morgens vor der Arbeit schwimmen oder Kajak fahren konnte.
Ich habe in diesem Jahr den Versuch gestartet, politische Karriere zu machen. Nach einigen intensiveren Begegnungen mit der Berliner Lokalpolitik wußte ich, daß ich dafür nicht gemacht bin. Vielleicht wäre ich jetzt im Stab von Frau von der Leyen.
Und ich habe im Sommer 2003 diese desaströse Beziehung beendet. Was nicht einfach war, weil wir weiterhin miteinander arbeiteten und immer wieder on-off zusammen waren. Die komplette Trennung hat zwei Jahre gedauert.
Bei der Recherche nach diesem Jahr habe ich festgestellt, daß es nur ein Paßfoto aus dieser Zeit von mir gibt. Und das habe ich nur gemacht, weil ich mußte. Mit diesem Foto auf dem Personalausweis konnte ich ohne weiteres 10 Jahre lang existieren bis ich wirklich so alt war, wie ich darauf aussah.

3. Was war besser?

Die 150 qm-Wohnung am Wasser in Alleinlage. Rechts davon ein Park, links davon ein Bootshaus, 250m bis zur Straße nur ein alter Fabrikhof und im Erdgeschoß eine Wohnung, die 10 Tage im Jahr bewohnt war.
Vor den Fenstern der Fluß, in dem sich der Mond und die Sonne spiegelten, der vereist war oder voller Schiffe und Entenfamilien. Und wenn ich morgens erwachte, spiegelten sich die Reflexe vom Wasser an der Decke.
Ich konnte morgens 1000m im Fluß schwimmen. Am Wochenende habe ich das Kajak aufs Auto gepackt und bin paddeln gefahren. Im Winter bin ich durch den Wald gejoggt.
Ich war jünger, angstloser, unvorsichtiger und stärker.

4. Was war schlechter?

Vieles. Meine finanzielle Situation, die GbR war wirtschaftlich für mich eine Katastrophe. Die Beziehung war eine seelische Katstrophe. Psychoterror pur.
Ich war vom jahrelangen Arbeits- und (selbstgewählten) Beziehungsstreß völlig ausgebrannt und wurde krank. Mein Immunsystem spielte verrückt, die Schilddrüse fing an, wegzubrennen, alle Hormone hingen schief wie ein gekipptes Mobile. Ich war aufgedunsen wie eine Wasserleiche und tödlich erschöpft. Im Sommer konnte ich nur noch 4-5 Stunden am Tag arbeiten. Mittags legte ich mich hin und mußte irgendwann geweckt werden. Danach hing ich im Halbkoma am Telefon. Ich hatte Gedächtnislücken und kollabierte bei der geringsten Belastung.
Ich habe strenge Diät gehalten, wahnsinnig viel Sport getrieben und wurde von Monat zu Monat dicker. – 15 kg mehr als jetzt.
Als ich morgens beim Schwimmen einen Kreislaufkollaps bekam und fast ertrunken wäre, war das ein Warnschuß. Irgendwas mußte sich ändern in meinem Leben…

5. Was bringt Sie zum weinen?

Zunächst wenig. Ich bin sehr beherrscht und emotional abgegrenzt.
Einge Sachen schaffen es doch die Barriere zu überspringen. Die Erinnerung an Momente, in denen ich meine Tochter schlecht behandelt habe zum Beispiel. Also Schuldgefühle.
Das todkranke Chinchilla meiner Tochter, für das ich nichts tun konnte.
Und ein ganz spezielles Zusammentreffen von Verlassensangst, Verletzbarkeit und Angst vor Nähe.

Veröffentlicht unter Exkurs

Der T-Punkt

Ich bin im Verteiler eines Konzertagenten, nennen wir ihn T-Productions. Eine Resteverwertungsmaschine. In diesem Newsletter aufzutauchen, ist der Beleg für jeden im Showbusiness Tätigen: Ups, da ist jemand grade ganz unten angekommen.
Nach diversen Viva-Moderatorinnen (es gab doch da eine, die immer so schrecklich kreischend in Techno-Hallen rumstand), Nr. 1 Top-Acts der 80er, die nur noch schlecht verbergen können, daß sie mittlerweile fett und versoffen aussehen und unter Haarausfall leiden, flatterte heute Tati ins Haus.
An Tati erinnern wir uns alle noch gern. Das war die Dummbratze, die mit Foffilein und ihren Hochzeitsvorbereitungen bei einem intelligenzmäßig tiefergelegten Sender zu wenig Werbung verkauft hat.
Nun ist sie in sonderbaren Körperhaltungen auf Fotos zu sehen, angezogen wie eine 17jährige GoGo-Tänzerin und stülpt die Produkte, die ihr Männe selig ins Gesicht und den Body eingebaut hat, in die Kamera.

Der Begleittext verrät: Nur wenige Auftritte! Und: Absoluter Publikumsmagnet! Ihre Leistung: Autogramme und (wenn gewünscht) DJane, aber nur als Kurzauftritt.
Der Verflossene fand die Frau „einfach geil“. Wegen ihres sinnlichen Blicks und ihres tollen Körpers.
Ah ja.

Veröffentlicht unter Leben