ww-wahnsinnswochenende

Hier Sonne, da Biergarten, dort Balkon und Grill. Ich steh in der Sommermontur im April herum: Röckchen, Leinenbluse, Mokkassins. Es wird konsequent offen gefahren und morgens die von den Birkenpollen ohnehin rote Nase mitt XXL-Lichtschutz eingecremt. Da kommt mittendrin leiser Wehmut auf. Das ist bald wieder vorbei, bald wirds wieder kalt!, mosert es leise in mir. Schade eigentlich. Sich einmal keine Gedanken machen, wie das Wetter ist. Es ist einfach da, quasi auf Körpertemperatur und deshalb kein Gesprächs- und Gedankenthema mehr sondern nur noch ein Istzustand.
Ach wie schön.
Edit: Und anjebadet am Freitag und Samstag. Im Schlachtensee. Vorher eine Runde rum zum Aufwärmen und denn eine Runde rin zum Abkühlen. War dit geil!

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Zeitreise

Sonntag abend. HeMan und ich sitzen uns gegenüber. In unseren Gesichtern ein Flackern zwischen Lachen und Heulen. Unser Konsens lautet: Ich glaubs nicht!
Jeder von uns hatte in der Pubertät den Schwur geleistet, nie nie!!! so einen peinlichen Urlaub wie die Eltern zu machen. Kajakfahren in McPomm und wild zelten, ja. Mounainbike fahren in Tirol, ja. Und nun befinden wir uns im Aufenthaltsraum einer Harzpension. Auf den Tischen beigefarbene, fleckabweisende Spitzendecken. An den Wänden hölzerne Volkskunstartikel. Dekorativ angeordnete, mit Brandmalerei verzierte getrocknete Apfelscheiben aus Holz zum Beispiel. Oder Blüten aus Birkenrinde auf eine Holzscheibe geklebt. Die Decke ist praktisch mit Styropor verkleidet. Zum Abendbrot gab es Boullion mit Eierstich, (grandiosen, Kinderzeiten beschwörenden!) Braten mit Sahnesoße und Klößen und dann noch Pudding mit Sprühsahne. Wenn wir Rotwein bestellen, werden wir gefragt Wieder den trockenen?
Wir spielen „Mensch ärger dich nicht“ und trinken ein Kräuterlikörchen nach dem anderen.
Unsere Tischnachbarn unterhalten sich in schweren Dialekten über die Agrarreform. Ein paar prollige Bulettenberliner wissen wieder alles besser: Ick mach immaerst ne Stadtrundfahrt, bevor ick im Ausland ne Stadt anseh, dann weißick watick mir allet noch mal ansehen kann.
Ich bin todmüde und meine Achillessehne kühlt ein Eisbeutel. HeMan hat sich die Ferse enthäutet.
Ganz am Rande: Den Wanderführer vom Harzclub e.V. kann man in die Tonne treten. Die dort für geübte Wanderer beschriebenen Touren schafft noch meine Oma mit ihrem kaputten Hüftgelenk und der Gehhilfe.
Am nächsten Tag geht es wieder hinauf auf den Berg, dort wo nur noch wenige unterwegs sind. Es gibt Frösche (auf 880m!), bergeweise Foschlaich, Felsen en masse, einen märchenhaften Abstieg durch den Windbruch ins Tal. Und wir fahren nach einer Flußpassage mit einem dampflokgezogenen Minizug zurück. Zu Braten, Sauerkraut, Klößen und Roter Grütze mit Spühsahne. Danach selbstredend eine Menge Kräuterlikörchen…

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Sauerei

Da hat das Wetter drei gute Tage angetäuscht und schön wird es wieder kalt und bäbä. Im Hochharz rutschen die Touris in die Straßengräben, weil es schneit und HeMan überlegt wahrscheinlich, ob er die Schneekatten einpackt.
Ich sichte warme Kleidung und ärgere mich einmal mehr darüber, daß mir die letzten 6 Wochen, in denen ich mich mit nicht krank und nicht gesund sein herumschlug, 3 Kilo mehr eingebracht haben, weil ich so viel penne.
Dann werde ich also mit Stöcken bewaffnet und wie eine Preßwurst in Outdoorklamotten herumlaufen. Stöcke sind neu. Ich bin in den Alpen nie mit Stöcken gegangen. Wahrscheinlich werde ich aussehen wie eine gottverdammte Walkerin. Argh!
In spon mal wieder ein wunderschöner Walkerhaß-Artikel. Ja, gib mir mehr!

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Frühlingsprall

Das Leben meint es derzeit verdammt gut mit mir. (Von Steuerbescheiden, Zahnarztrechnungen und Kontoständen mal abgesehen.)
Ich habe einen Arzt gefunden, der mir endlich zu den Emser-Salz-Lutschpastillen meiner Hausärztin noch Antibiotika verschrieben hat, damit sich die wilde Mischung aus Stirnhöhlen- und Nasennebenhöhlen-Entzündung endlich vom Acker macht. Schließlich ist ab Freitag Wandertag.
Es hat am Tag 20 Grad, das Telefon schweigt gnädig, auf meiner Radtour zu Camp4 werde ich auf der Warschauer Brücke mit einem himbeerroten Sonnenuntergang belohnt. Der Hähnchenteller bei Maroush ist Spitze, auf dem Nachhauseweg die Reichenberger entlang geht dann der Mond wie ein riesiger Eierkuchen auf.
Das Wochenende war in der Dreisternekategorie angesiedelt. Von endlich mal den Schreibtisch aufgeräumt über einfach nur in der Sonne gesessen bis offen fahren im Berliner Umland und beim Spazierengehen den Knospen beim Platzen zuhören war alles dabei.
Dazu ein nett verschwitzer, gerade vom Rad gestiegener Kerl, den ich vom Espressokochen abgehalten habe, weil ich der Meinung war, er müßte nach dem Shirt auch noch ganz dringend die himmlisch enge Hose ausziehen… Jetzt weiß ich endlich, was Biker unter selbigen tragen. Genau das gleiche wie Surfer. Nichts.

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