4.7. 2010

Frühstück und Zeitung lesen auf dem Balkon.
Wenn ich allein schlafe, wache ich seit einigen Wochen pünktlich um 8 Uhr auf. Ich leiste mir den Luxus, mich noch einmal umzudrehen und wache das nächste Mal um 8:52 Uhr auf.
Für jemanden, der jahrelang kurz nach 6 Uhr vom Wecker zur Unzeit hochgequält wurde ist, natürliches Wachwerden ein Genuss. Ich brauche 8 Stunden Schlaf, auf die Minute.
Der Tag war anstrengend für den Kreislauf und drückend heiß.
Nach einer Siesta machte ich mich mit dem Rad auf den Weg zu Ullrich am Zoo. Alle Menschen – so sie nicht in klimatisierten Autos fuhren – bewegten sich in Zeitlupe. Vor mir trullerte eine Radfahrerin über eine rote Fußgängerampel. Ich checkte noch kurz die Lage, war der Meinung, dass für die Autos nun rot sei und trullerte hinterher. Ein Geländewagen bremste kurz vor mir. Ich entschuldigte mich gestenreich, er winkte lächelnd ab: heute sind alle gaga.
Ich stolperte dreimal durch die Regalreihen, bis ich alles beisammen hatte. Rote Paprika zum Normalpreis, das würde heute Gazpacho geben. Ersatz für die leere Flasche Sambuca, Milch, Waschmittel. Am Pfandautomaten standen gut 20 Flaschensammler in unterschiedlichsten Verfallsstadien, die ihre Schätze nach dem Fußballspiel einlösen wollten. Ok., ich würde die 10 leeren Flaschen wieder mit nach Hause nehmen. Bevor ich wieder aufs Rad stieg, leere ich eine eiskalte Dose Red Bull, mein Kreislauf dankte es mir.
Zurückgekommen, grillte ich die roten Paprika, um sie zu häuten und rührte die Gazpacho und noch einmal Reissalat mit Thunfisch zusammen und stellte alles gut kalt.
Meine Versuche, auf dem Balkon zu arbeiten, ließen den Laptop glühen. Im Kopf rotieren die Gedanken um die neue Homepage.
Jetzt ist die Sonne weg und Zeit für einen neuen Anlauf, etwas zu Stande zu bringen.

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Heute Nacht

habe ich fast von sexuellen Handlungen mit Thomas Gottschalk geträumt. Er hatte Brüste und trug einen rosa Fummel.
Gott sei Dank wachte ich rechtzeitig auf.
Lange schaute ich verdattert an die dunkle Zimmerdecke.

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Es ist an der Zeit

einen Entschluß in die Tat umzusetzen.
Nach wie vor mache ich so etwas gern allein und unberaten.

nebenbei: es ist ein wunderbares gefühl, wieder klar denken zu können, einen eigenen willen zu spüren und nicht nur als schatten durch die welt zu wandeln bzw. sich als fremde person zu fühlen. vor ca. 2 wochen hat sich innerlich irgendwo ein schalter umgelegt.

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Früher

war vieles besser. Public Viewing war improvisiert und rotzig. Ein paar Typen schleppten ihren Fernseher auf die Kneipenterrasse und ein Rudel mit Bier in der Hand hing davor herum. In der Strandbar oder im Biergarten kämpfte ein grissliges Beamerbild mit dem verdämmernden Tageslicht.
Es war meistens nicht viel zu sehen, es sei denn, man setzte sich zwei Stunden vor Spielbeginn an die vermeintlich richtige Stelle, bis sich Zuspätkommende ins Blickfeld stellten, aber die Stimmung war Spitze.
In diesem Jahr ist alles anders. Ich bin noch immer nicht ganz menschenmassentauglich und die derzeitige Umgebung pflegt eher einen behäbigen Stil. Daher landeten wir in gediegenen Etablissements, mit Platzreservierungen, Decken für die Damen, HD-TV und hausgemachter Bratwurst für 6 €. Das ist ja alles ganz nett und kein Gastronom will auf Umsatz verzichten, weil sich anderswo die Leute um ein paar Bierkästen und einen Beamer stapeln. Nur es macht keinen Spaß, Fußball in Anwesenheit von ein paar Daytradern und Immobilienerben mit ihren aufgetakelten Weibern zu sehen. Oder sich, um Zutritt zu einem Hotelhof zu bekommen, vor einer erdbeerfarben gesträhnten Azubine zu erniedrigen, die wichtig mit einer Gästeliste wedelt und einen mit 10 Mitarbeitern des Monats eines Westdeutschen Mediamarktes, die ein Incentive abfeiern, in die pralle Sonne setzt. – Natürlich unter der Behauptung, alle Plätze im Schatten seien von wichtigen Menschen reserviert.
Da lobe ich mir die Enoiteca auf dem Walter-Benjamin-PLatz, die einfach einen Fernseher und zwei Lautsprecher in ein offenes Kiosk-Fenster gepackt hat. Vor allem, wenn der Mann, der drinnen bedient, die italienische Niederlage damit bewältigt, daß er über der Bildschirmkante mit Messern, der italienischen Flagge und anderen Requisiten Kasperle-Theater spielt.