5.4.

Der Gründonnerstag war für mich früher immer der Tag, an dem ich mich vorzeitig aus dem Büro schlich, weil ich einfach nicht mehr konnte. Dann kam Ostern, mit Reisen oder Besuchen und ich hätte doch nichts nötiger gebraucht, als ein paar Tage Nichts zu tun. Nur wer tut schon Nichts, wenn er doch glaubt, die letzte Minuten im Leben noch auswringen und hochpimpen zu müssen, um sich irgendwie bestätigt zu fühlen?
Heute ist er nur der Tag vor den Feiertagen. Das hat schon was.
Der Tag verging mit Büroarbeit und einem Probenabend ziemlich schnell und des Abends schaute der Vollmond vom Himmel und ich saß lesend auf dem Sofa.

Veröffentlicht unter Leben

Kino, Kino…

Der Herr Beethoven hat mich mit einem Filmstöckchen beworfen. Mich, die Ex-Cineastin. (Manchmal habe ich das Gefühl, einfach zu viel Filme gesehen zu haben.)

Na denn man los:

1. Nenne einen Schauspieler, zwei Schauspielerinnen und drei Filme, die Du sehr gerne magst, und erzähle bitte warum!
Hm, ich bin ja nicht so schauspieler- sonder eher werkfixiert. Jetzt mal abgesehen von meinen frühen und späten Teenager-Schwärm-Zeiten und meine Schwärme Alain Delon, Don Johnson und Keanu Reeves haben das Altern eher nicht so super gemeistert.
Josef Bierbichler, das ist schon ein Hammertyp.
Zwei Frauen…
Jeanne Moreau
und natürlich Marylin Monroe Das war noch in den Zeiten, als Frauen schön waren, wenn sie Fleisch hatten und Seele, jede auf ihre Weise.

2. Bist Du schon einmal vorzeitig im Kino aus einem Film gegangen? Warum und aus welchem?
Ja, aber ich habe verdrängt, aus welchem. Ich glaube, das war irgendein unsagbar blödes Frauen + Probleme + Gespräche + entsättigte Farben + lange Kameraeinstellungen-Debüt-Gedöns, für das mir an diesem Tag die Zeit zu schade war und ich bin laut fluchend in einen anderen Film gegangen.
Meistens harre ich brav aus und in meine Hardcore-Festival-Zeiten habe ich die Zeit dann einfach zum Schlafen genutzt. Die Nächte waren meist kurz, weil es immerzu Parties gab.
Pro-Tipp: Auf Festivals in die Kurzfilmblöcke gehen. Da sind echte Perlen drunter und wenn einer blöd ist, ist er in 10 Minuten vorbei und der nächste fängt an.

3. Gibt es eine Filmszene, in der ein Song gespielt wird, die sich Dir beide untrennbar ins Gedächtnis gegraben haben?
Im Grunde fast jede Szene von Spiel mir das Lied vom Tod. Eine irre Verbindung von Musik und Film, wagneropernhaft. Claudia Cardinale, wie sie am Anfang und am Schluß über die Sweetwater-Baustelle geht, das musikalische Motiv dazu. Das ist wortwörtlich ganz großes Kino.
Die Anfangsszene von Apocalypse Now. The End von den Doors transformiert sich in das Geräusch des Deckenventilators. Ab dem Moment hat dich der Film eingesogen.

4. Welches ist Dein Lieblingskino und warum ist es das?
Noch immer und immer wieder das International in Berlin, mit dem weißen Perlen-Premierenvorhang, dessen eine Bahn teilweise verkehrt herum angenäht ist. Hier habe ich die letzte DEFA-Premiere erlebt und eine ganze Menge anderer schräger, interessanter und auch ätzender Premieren.
Wobei die Lichtburg in Essen auch sehr schön, aber für mich weit weg ist. Ich liebe die alten großen Kinos. Der Titania-Palast in Berlin ist es ja wenigstens noch von außen. Irgendwann werden wir die alten Kinosäle vermissen, da bin ich mir sicher.
Und ich habe einen Traum. Ich möchte einen eigenen Kinosaal haben. Im Keller meines Hauses irgendwo im Süden. Dort werde ich in einem weichen ledernen Clubsessel mit diversen Drinks lümmeln und mir Filme ansehen. Wenn ich genug habe, gehe ich nach nebenan ins Schwimmbad.

5. Lieber Filme oder TVSerien? Warum?
Hm, schwierige Entscheidung. Die Drama-Serie ist die spannendste Film-Innovation der letzten Jahre. Film in Romandramaturgie. Da ich es aber noch immer nicht geschafft habe, mir einen ordentlichen Fernseher anzuschaffen (bin da seeehr wählerisch und wenn mich etwas ärgert, sind es falsche Formatanpassungen und flaue, aber quietschebunte Bilder und der Graf tickt da genau so), bin ich kein richtiger Serienkonsument geworden.
Fernsehserie bedingt eine bestimmte Ästhetik. Die TV-Serie schrumpft die Welt in einen kleinen Rahmen. Festlegung auf ein Format, wenig Details, fast keine Arbeit mit Tiefenschärfe und dynamischen Zooms. Schnitte sind Erzählperspektivisch. TV-Serie ist Spielszenen- und Storyzentriert und nicht primär Bild- und Tonästhetisch. Für mich ist z.B. Mad Men ein vorbildliches Beispiel für perfekte Fernsehästhetik.
Kino hingegen ist ein synästhetisches Erlebnis. Du sitzt im dunklen Raum und kannst als Zuschauer Dinge betrachten, wie du sie nie betrachten konntest. Von ganz fern und ganz nah. Schnell bewegt oder festgefroren. Du kannst mit Zooms den Raum durchschneiden und mit Fahrten und Flügen deine Körperlichkeit vergessen. Es wird Hell, es wird Dunkel. Alles ist monumental. Dazu erlebst du Ton und Musik von allen Seiten. Das ist etwas anderes.
Insofern: Ich ziehe einen Roman noch immer einer Serie vor. Das kann sich aber ändern, sobald es an der Barnimkante einen ordentlichen Fernseher gibt, aber das hat keine Priorität. Kino darf immer sein. Ich habe es in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt und verstehe auch nicht, warum ich so oft zu Hause vor dem Computerbildschirm hocke, wo ich doch jetzt 3 Programmkinos in Laufweite habe. Aber das kommt wieder.

So und nun muß ich das Stöckchen weiterreichen. Meh. Ich hab doch auch nie Kettenbriefe weitergereicht. Und der Glamourdick wird dem Luckystrike doch sowieso die Fragen stellen, die mir nie im Leben einfallen und vielleicht hat der André Herrmann dann auch noch ein paar coole Antworten. Wißter ich hab schon so viel Kamapunkte eingebüßt durch nichtweiterreichen, da kommts auf die fünf jetzt auch nicht an. Es sei denn Glämmie hat keine Zeit, weil er schreiben muß, dann übernehme ich.

Veröffentlicht unter Exkurs

2.+3.4.

Der Montag war so ein rechter „Kitty forscht“-Tag. Im Zuge der Klärung, wie groß denn der Mauerdurchbruch sein soll, frickelte ich den ganzen Tag mit einem 3D-Entwurfsprogramm herum, um zu sehen, wie es aussieht, wenn aus zwei Zimmern eines wird. (Bzw., letzter Stand der Dinge, lediglich eine Doppeltür in die Mitte der Wand gebaut wird.)

Der Dienstag war der Tag 0 auf dem geschäftlichen Zeitstrahl. Einmal ein organisatorisches Reset fahren. Darauf habe ich mich fast zwei Jahre vorbereitet und mit der Amtsausführung  gönnte ich mir den Rest des Tages in süßem Nichtstun. Was hieß: Schlafen, Buch, Bett.

Veröffentlicht unter Leben

1.4.

Also in den April hat mich gestern keiner geschickt, sodern ich erlebte einen äußerst kommoden Tag.
Der Graf zog die Spandexhöschen an, knibbelte sich eine Nummer aufs Shirt und lief den Halbmarathon mit. Ich bin ja da platt vor Erstaunen. Nach einem Jahr Leibesertüchtigungen ganz anderer Art und Kilos aufpacken vor lauter Wohlfühlen, kann der Mann mit nur einem Trainingslauf mal eben 20 km am Stück abreißen. Und ich schnappe nach Luft, wenn ich nur einen Kilometer laufe. Das Leben ist so hart und ungerecht!
Nach einem vertändelten Früh-Nachmittag bestiegen wir die Partytram und fuhren Richtung Kreuzberg. Im Rio Grande wartete einTisch mit Blick aufs Wasser auf uns und zwei Schnitzel sprangen auch gleich in die Panade, um anschließend in heißem Butterschmalz zu baden und dann gut gebräunt und kross auf unseren Tellern zu landen.
Es wurde immer dämmeriger, ich bekam wieder einen Bedauernsanfall, daß ich damals die Wohnung im Haus am Fluß aufgeben mußte/wollte und im Gespräch entwickelte sich die Kontur für meine neue Homepage. Es ist immer fürchterlich, so lange um eine Sache kreisen zu müssen, aber nicht vermeidbar. Ich habe in den letzten Wochen ewig vor leeren Blättern gesessen und es kam nur Quark raus.
Dann fuhr uns die Partytram zurück in die Wolliner Straße und er Tag war eigentlich vorbei und endete mit Büchern im Bett.
Ich habe bei solchen Tagesabläufen schon ein heftig schlechtes Gewissen. Waren die Jahre vorher doch von Müdigkeit, zu wenig Erholung, drängenden Dingen auf der todo-Liste und nicht abzusagenden Verbindlichkeiten und Verpflichtungen geprägt.
Aber alles zu seiner Zeit.

Veröffentlicht unter Leben