Heute habe ich das Nesselmodell des ersten selbst konstruierten Kleides angezogen. (Nix kompliziertes, eine simple A-Linie in dieser Silhouette.)
Die „Waaaaah! Es passt auf Anhieb wie angegossen“-Euphorie stellte sich natürlich nicht ein. Aber ich wußte ziemlich genau, wo ich zupfen musste, damit fast alles, was komisch saß, an die richtige Stelle rutschte.
Es ist eine zeitraubende, komplexe Arbeit, über deren Sinn man streiten kann, wenn die Stadt voll Klamottenläden ist. Aber es macht Spaß. Ich hoffe, das hält sich, wenn es an kompliziertere Aufgaben geht.
Vigil 32
Manchmal haut eine banale Erkenntnis richtig rein. Also zumindest bei mir ist das so.
Amazon möchte in dieser ungeliebten und geisterhaft verlassenen Shopping-Mall an den Kudamm-Theatern ein Lager für taggleiche Lieferungen in Berlin einrichten. In einem Areal in teuerster Lage – wenn nicht der Denkmalschutz für die alten Reinhardt-Kammerbühnen seit 15 Jahren alle Investoren frustrieren würde. Aber es ist nur ein Versuch auf Zeit.
Taggleiche Lieferung hört sich erst einmal schick an. Das ist fast wie Shoppen gehen, nur ohne das Haus zu verlassen. Damit sind sogar die Instant-Wünsche und Frust-Käufe abgedeckt, für die das Internet ansonsten wenig geeignet war, weil man zwischen Bestellung und dem Gedanken, die Sache in den Händen zu halten, noch ein paar Tage hat, um zur Vernunft zu kommen.
Der Einzelhandel kann das immer noch nicht so richtig denken. – Wenn der Kunde nicht kommt, kann man es dem Kunden bringen, das wäre eine Möglichkeit. Die ist aber beschränkt, weil in der Kalkulation Mieten und Personal an der Stelle kalkuliert sind, die Internethändler für die Logistik ausgeben können.
Ich frage mich schon seit einigen Jahren, was die Kaufentscheidung in Zukunft bestimmen wird, wenn man Dinge nicht mehr real ansehen und anfassen kann. Ich kaufe im Netz vor allem Marken, deren Versprechen ich kenne und denen ich vertraue oder die mir empfohlen wurden. Um No Name mach ich einen Bogen. Was aber, wenn die RL-Markenerfahrung bei vielen Produkten ausgelaufen ist? Sind Geschäfte dann nur noch Showrooms? Bekommen wir Muster geschickt?
Zurück zu den großen Internethändlern. So angenehm ich es finde, mich nicht durch Menschenmassen wühlen zu müssen oder Geschäftsöffnungszeiten zu beachten, die unterschwellige Botschaft ist eindeutig: Du kannst jederzeit kaufen und liefern lassen, damit du
a. auch in entlegenen Regionen jeden Sch… konsumieren kannst.
b. mehr und flexibler arbeiten kannst und die Freizeit für Selbstoptimierung reservierst, um noch mehr kaufen zu können.
Vigil 31
Error-Tag.
Erst naßgeregnet auf dem Weg vom Schwimmen nach Hause umgekehrt.
Dann beim Versuch, Website A offline zu stellen, Website B gründlich zerschossen. (von Website B kein Backup gehabt, da Gefälligkeitsarbeit) Website B nicht wieder vollständig hinbekommen.
Bei der Küchenarbeit Alarmstufe Rot ausgerufen, da die Gastherme ernsthaft den Aufstand probte. Sie sprang schon lange recht laut an, seit einiger Zeit gab es ab und zu eine laute Verpuffung, und über Ostern mehrere, so dass es sich nicht mehr um Zufall handeln konnte. Ich konditionierte mich schon auf Ende der Heizsaison, abends im Mantel sitzen und duschen im Schwimmbad, weil alles schlimmstens kaputt und doof. Aber der Graf hatte den Durchblick und nun faucht sie wieder leise vor sich hin und freut sich über eine neue Zündelektrode.
Nebenher war das Blog plus Strato stundenlang down und danach streikten wichtige Fotos. (100 mal aufschreiben: Ich soll keine Dateinamen mit Umlauten vergeben! Komischerweise können Chrome und Firefox das ab, Safari aber nicht.)
Ich hoffe, ich falle heute nacht nicht aus dem Bett. Das würde den Tag komplettieren.
Noch mal Schnittänderung Rückenlänge
und diesmal am lebenden Objekt. Das Tweedkleid, das ich bei Sewing by the Sea nähte, hat so etwas bekommen. – Abgesehen davon, dass die Rücken-Abnäher vom Schnittdesigner sehr gut platziert wurden und wirklich eine gute Figur machen.
Hier ist der Nessel-Schnitt, an dem ich die Änderungen machte. An dem Tweed wäre das nicht möglich gewesen, er franst zu sehr.

Der Hohlkreuzreduzierung wurde abgesteckt und angezeichnet.

Dann wird sie aufgeschnitten und

zusammengelegt. Allerdings laufen die Abnäher jetzt nicht mehr gerade. Das wird noch korrigiert, Referenz ist hier die Mittellinie des Abnähers von oben. (Korrigierte Abnäher – Schwarze Linie)

Und so sieht der Rücken jetzt am fertigen Kleid aus, keine Beule, keine Falte:
