4.11.11

Ein früher Termin und ich hoppelte wie ein Hase im Scheinwerferlicht durch die Wohnung.
Natürlich blieb das nicht ohne Konsequenzen. Ein schönes Omi-Weinglas hing sich an meinen Sweatshirt-Ärmel und danach war ich wach zum Scherben aufsammeln.
Der Rest des Tages lief Gott sei Dank besser, sonst wäre ich wohl unter die Straßenbahn gekommen. (Gibt es ja hier im Osten noch.) Erst ein Papiersortier-Beratungsgespräch und dann Papierkrieg am Schreibtisch im Nestchen.
Ich hatte mich zwar wieder für komplett fit erklärt, aber mein Schlafbedürfnis ist immer noch enorm. Also zwei Stunden Mittagsschlaf wie in alten Zeiten.
Im Nestchen und im Haus drumherum kommen passieren ja heftige Bauaktivitäten der Vermieter. Die betreffen jetzt aber nicht die 50 Jahre alten Badewannen und die old-fashioned-Elektroinstallation, die nicht nicht für den Betrieb von Waschmaschinen gedacht war. Nein. Zuerst kam die Super-Duper-Türsprechanlage mit Kamera. – Nur blöd ist, daß sich die alte Haustür problemlos mit einer Kredtitkarte öffnen läßt. Zur Türsprechanlage gibt es ein extra Telefon, das ein blau beleuchtetes Display in Englisch hat. Wenn jemand unten Einlaß begehrt und den Klingelknopf drückt, gibt das Telefon ein Kinderlachen von sich (das Kind des Betreibers lacht da). Als ich das zum Mal hörte, wähnte ich mich in einem Horror-Film. Vor lauter Schreck war ich nicht in der Lage, das „press … key to …“ zu lesen, stammelte nur „ich komme runter“ ins Telefon, schlug die Tür zu und vergaß den Schlüssel.
Im Haus wohnen überwiegend Rentner, die weder in der Lage sind, das lampenhelle blaue Leuchten des Displays abzustellen (kann ich übrigens auch nicht), noch die Anweisung „press … key to ..“ realisieren können (das konnte ich wenigstens nach drei Anläufen). Eine deutsche Bedienungsanleitung gibt es nicht. Auf einen Beschwerdebrief der älteren Mieter antwortete ein Aushang, man solle sich vertrauensvoll an den ADMINISTRATOR wenden, dazu eine Funknummer. Wo man doch weiß, daß Rentner nur Funknummern anrufen und Ferngespräche führen, um ihren Kindern mitzuteilen, daß sie gerade mit gebrochenem Hüftgelenk neben der Badewanne liegen. Und ich glaube nicht, daß sie wissen, was ein Administrator ist, wo doch der Herr Sch., der Sohn der Besitzerin diese Telefone verwaltet.
Umgang mit Kunden war noch nie die Sache des Herrn Sch. (im übrigen mein Ex, weshalb ich auch ständig von dem Mietern zum blauen Telefon befragt werde). Die tiefere Absicht des überdimensionierten Türöffners ist nämlich das Angebot von niedrigpreisiger IP-Telefonie und halbwegs schnellem Internet. Eigentlich eine pfiffige Idee. Keine Wartezeit beim Rosa Riesen oder anderen Telefoniechaoten. Telefon und Internet liegen bereits in der Wohnung und müssen nur freigeschaltet werden. Preislich ist es auch akzeptabel. Wenn nur nicht die leidige Kundenkommunikation wäre, denn kapiert hat das noch keiner.
Drei Monate nach der Telefonaktion hing im Haus ein wirrer Brief zum Thema Kabelfernsehen (oder so). Man stelle das Kabelfernsehen jetzt ab und wer neues per Satellit wolle, müsse dies unwiderruflich schriftlich beim Hausmeister kundtun, es läge sonst nur noch tvb-t am Sowieso-Bus. Hä???? Ich bin eine Woche durch diese Wohnung gekrochen und habe jede der zahlreicher als Steckdosen vorhandenen Antennenbuchsen durchprobiert, es gab nirgendwo ein Fernsehsignal.
Aber wie gesagt, Kundenorientierung ist nicht so die Stärke. Man kann immer froh sein, wenn diese Aushänge in Kommasetzung und Syntax ok. sind. Denn wenn die Cousine sie schreibt, die nicht so schriftgewandt ist, habe ich oft den Impuls, mla mit dem Rotstift drüberzugehen.

Aber weiter im Tag. Es kam nicht mehr viel. Eine U-Bahnfahrt in Richtung Mitte, bei der mir auffiel, wie viele hippe Leute mittlerweile am Kottbusser Tor und in der Schönleinstraße zusteigen. Da waren doch früher nur Türken und Junkies unterwegs.
Beim Grafen angekommen, den Mann kurz geknuddelt, denn er mußte arbeiten und dann begann ich tatsächlich, mir 3 Folgen diverser amerikanische Kriminalserien auf Vox reinzuziehen. Mir fiel auf, wie schematisch die Dramaturgie und die Figuren mittlerweile sind. Und wie wichtig das Visuelle ist. Fast wie No-Theater.
Und weil mein Schlafbedürfnis immer noch ungeheuer war, fiel ich auch schnell ins Bett, um heftig und absurd zu träumen.

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3.11.11

Morgens ein Besuch beim Doc, er ist recht zufrieden mit mir. Dann der zweite Gang zum Friseur. Ich hatte völlig vergessen, daß das Strähnen bei diesem speziellen Spezialfriseur eine Wissenschaft ist.
Zwanzig Minuten Vorbereitung und Vorbesprechung und dann bastelte die junge Dame ewig mit einzelnen Haaren von mir, Folien und zwei Farbtöpfen herum. Wer solche Fummelarbeit nicht mag, schmeißt das Zubehör wahrscheinlich nach kurzer Zeit an die Wand. Wobei sich das Ergebnis nach vier Stunden sehen lassen kann: Mattes, sanftes Blond, aber nicht blond gefärbt. Das sieht schon sehr edel aus und ist das Geld auch wert. Man darf nur nicht ungeduldig sein und Hummeln im Hintern haben.
Gegen Nachmittag war dann auch das Virus mit mienem Körper fertig und mir ging es langsam besser. Aber zur Sicherheit ging ich noch einmal früh schlafen.

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2.11.10

Ich wachte viel zu spät auf, hatte über 12 Stunden geschlafen und als ich ins Bad schlich, dachte ich mir: Oh, da hat dich wohl einer über Nacht deinen Akku leergemacht und dich mit Sand gefüllt. Kein Husten, kein Schnupfen, keine Halsschmerzen, sondern so ein fieses K.O.-Virus, das meistens nicht länger als 24 Stunden bleibt, aber sich dann gut austobt.
Also machte ich gaaanz langsam und setzte als einzigen Programmpunkt Putz-Entspannung an. Die Wohnung am Zionskirchplatz ist 140 Jahre alt und nicht luxussaniert, wie sonst für die Gegend üblich. Die Dielen haben große Ritzen und mein größter Spaß ist es, sie mit dem auf Volldampf gestellten Staubsauger auszusaugen. Der Dreck arbeitet sich die Woche über wieder von ganz allein nach oben, das ist ein Phänomen. Danach eine Runde mit dem Leifheit-Wischsystem (ein Muß! hat mir übrigens ein Mann nahegebracht) und noch die chemische Keule für Bad und Küche und gut ists.

Danach fiel ich ins Bett und träumte haarsträubenden Blödsinn.
Wieder aufgewacht fand ich übrigens eine Mail des Telekom-Hilft-Teams von Facebook vor. Ob ich ihnen die falsche Kundennummer gegeben hätte, mir der kämen sie nicht weiter. Sollte darin schon das Problem liegen? Denn auch schon im Callcenter meinten sie sofort: „Nee, kann nicht sein, daß eine Kundennummer mit 49 beginnt.“ Beginnt sie aber doch. Und dann wunderten sie sich immer sehr, wie so etwas sein kann. Ich stelle mir gerade diverse Instanzen vor und jedesmal ein Hans-Dieter im karierten Hemd, der den Auftrag auf den Stapel zurücklegt, zusammen mit den Worten: „Nee, es gibt keine Kundennummer, die mit 49 anfängt.“

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1.11.11

Ein großer Tag: Erster Friseurtermin nach 8 Monaten. Und diesmal bei meinem Stammfriseur, der eigentlich aus dem finanziellen Raster gefallen ist.
Erste Pleite: Die Rezeption hat einen Tremin für Färbung, nicht für Strähnen vergeben. Was heißt, das das heute schon mal flachfällt. Ich will den Termin ganz verschieben, das geht aber auch nicht, da (angeblich) Blöcke für Coloristin und Stylist nicht zusammen frei sind. Also trabe ich noch 1 1/2 Stunden über den Kudamm bis der Haarschneider Zeit hat. Die Farbe gibt es dann zwei Tage später.
Die aktuelle Wintermode in den Läden mit in Schichten getragenen Blümchenröcken, Strickwesten, Pelzfummeln und dicken Stiefeln ist ja praktisch und sieht an jungen, schlanken Mädchen auch gut aus. Ich durfte aber bereits erste Exemplare mit breiten Hüften und dicken Waden zur Kenntnis nehmen, die damit einfach nur wie brandenburgische Bauerntrampel aussahen.

Als der Stylist – der klassische schwule Jüngling – an meinen Haarspitzen schnippelt und ich laut meine Freude kundtue, daß ich nun seit 25 Jahren wieder lange Haare habe, kommt von ihm der Spruch: „Jaja, hier gibt es einige ältere Frauen mit langen Haaren und blond noch dazu, die haben den Schuß einfach nicht gehört.“ Da könnte ich mich jetzt zwar furchtbar aufregen, aber Herrgott! Der Laden hat das Problem, ich komme ein- bis zweimal im Jahr und nicht mehr monatlich…
Es ist mir natürlich bewußt, daß man mit 45+ dringend auf die freche, frische und praktische Kurzhaarfrisur umsteigen sollte. Alles andere geht ja garnicht.

Es gibt in Sachen Telekom eine Neuigkeit zu vermelden. Die Auftragsbestätigung ist da. Mit Ausführungstermin 19. Oktober. Welchen Tag haben wir heute? …richtig!
Nun bestünde die Möglichkeit, den Laden in Verzug zu setzen. Nur mit welcher Konsequenz? Vertragsstornierung? Der alte Vertrag ist 10€ monatlich teurer. Fristlose Kündigung? Damit wären 10 Firmennummern im Nirvana verschwunden. Auf die Telekom-hilft-Aktion bei Facebook ist erwartungsgemäß nichts passiert.
Und über Twitter höre ich, daß Holgi ähnliche Probleme hat und einige andere auch… Wie wäre es denn mal mit einer Radiosendung „eure schönsten Telekom-Geschichten“?

Und für das allgemeine Amüsemang gibt es heute mal was zu lesen:
Bevor die nächste Natscha Kampusch im Keller verschwindet, versichert man sich heute besser im Elitepartner-Forum der gesellschaftlichen Kompatibilität von Verbindungen mit sehr jungen Mädchen.

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