7.8. 10

Ich schlief lange und beim Aufwachen bemerkte ich zu meiner großen Freude, daß die Umzugserschöpfung endlich vorbei war. Dann las ich im Bett noch ein bißchen Zeitung und trank meinen Morgenkaffee, um bald zum Nestchen zu fahren und ein paar letzte Handgriffe an der Stuccowand zu machen: heiß verpressen und polieren. Ich bügelte eine Stunde auf der Wand herum, um eine dunklere Farbe zu bekommen, was auch ganz gut funktionierte. Das einzige, was mich ärgert, ist, daß in der Sommerhitze der Kalk sehr schnell abgebunden hatte und daher die Fugen der einzelnen Stückwerke und Tagwerke sehr stark zu sehen sind, ebenso, daß ich die Pigmente für eine Mischung geringfügig falsch abgewogen hatte. Dieses Tagwerk ist blasser. Für ein paar Minuten war ich kurz davor, alles wieder anzuschleifen und noch eine – diesmal korrekte – Putzschicht drauf zu setzen, die ich mit pigmentierter Seife sogar noch dunkler machen könnte, aber ich pfiff mich zurück. Das hätte feinen rosa Kalkstaub überall bedeutet und wiederum tagelange Sauerei mit kleckerndem Putz. Jetzt isses wies ist, Ergebnis einer Lernarbeit. Das Polieren verschob ich dann doch auf Montag, weil meine Schleifmaschine fürchterlich laut ist.

Bevor mich die nachmittägliche Müdigkeit überfiel, fuhr ich nach Hause und fiel aufs Bett. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich auch noch bis zum nächsten Morgen durchgeknackt, vielleicht mit einem nächtlichen Kühlschrankstopp, aber wir waren mit dem Professor und seinem Mädchen verabredet, um uns Inception anzusehen.
Vorher aßen wir noch bürgerlich, wie wir nun mal sind, im Gugelhof und ich war nach einem Prosecco und einem recht vollen Glas Riesling schon wieder etwas angeschossen und somit in der richtigen Stimmung für den Film.
Leider saßen wir etwas zu weit vorn, so daß die Augen immer wandern mußten, um die ganze Leinwand zu erfassen, was etwas anstrengte. Ansonsten fand ich den Film aber ziemlich cool. Ich liebe künstliche Welten und frage mich nun nach dem Aufwachen ständig, wer wohl in meinen Träumen rumbastelt, die sich in letzter Zeit ständig um Scheiße und kruden Sex drehen (erstes soll ein Symbol für Geld sein, zweites eines für Kreativität und Neuanfang, na denn). Ich freute mich auch über den Film, weil meine innere Dramaturgin die Schnauze hielt, die vorher von mir zu hören bekam, daß die Handlung ohnehin jeglicher Logik entbehrt.
Von diesen endlosen Liebesgeflüsterszenen war ich gerade zum Schluß hin leicht genervt. Schließlich weiß ich gut genug, wie es klingt, wenn Frauen sich etwas in den Kopf gesetzt haben.
Diese frauenaffinen Einschübe in Actionfilmen für ein Massenpublikum behagen mir nicht. Selbst James Bonds Emotionalität entwickelt sich in den letzten Jahren proportional zu seinen Muskelpaketen. Liebeskranke Helden langweilen mich.
BTW. Ich finde Leonardo DiCaprio immer noch zu bubihaft. Vielleicht sollte er endlich aufhören, Modelfreundinnen zu haben und sich etwas Reife vermittels Familienverantwortung ins Gesicht holen. Johnny Depp hat es auch nicht geschadet.

Nach dem Film gingen wir in die saphire lounge auf einen Absacker. Das ist schon ein netter Laden. Ich mag solche unterkühlt gestylten Schnapstempel. Dazu gab es noch sehr coole Musik.
Die Karte hat fast nur Eigenkreationen, die ziemlich witzig schmecken, aber auch jeder Klassiker wird auf Anfrage gemixt und die Preise sind nicht überhöht.
Da beim Gang zum Kino offenbar wurde, daß der Professor und ich dereinst jugendliche Science-Fiction-Freaks waren, machten wir auf der Spur leicht Cocktailselig weiter. Wir entwarfen einen Plot für Titanic II als Sci-Fi. Leo ist nicht tot, sondern alle Titanic-Opfer wurden von Außerirdischen entführt, um eine neue Gesellschaft zu schaffen. 5 Jahre später holt Leo Kate zu sich. Man könnte diesen Teil auch unter Wasser spielen lassen…
ZUm Abschied entwickelte ich mit dem Mixer noch den Plan für eine akribische Vrsuchsreihe. Wenn ich zweimal die Woche auf einen Martini dry käme, hätte ich mich in einem reichlichen halben Jahr durch die enorme Zahl von Ginflaschen im Regal probiert.
Danach könnte ich meine Leber wahrscheinlich zum Abdecker bringen.

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5.8. 10

The Day Atfter. Für Gewaltaktionen bin ich noch immer nicht gemacht. Ich erlaubte mir eine Stunde Schlaf mehr und schlich ins Büro. Dort saß ich, umgeben von ca. 15 Kisten, die zum größten Teil Geschirr und Küchenutensilien enthielten, außerdem Wäsche, für die ich noch eine Kommode kaufen muß. Das Kistengebirge bleibt mir daher eine Weile erhalten.
Ich hatte mir zum Ausruhen leichte Arbeiten vorgenommen, auspacken war tabu. Eine meiner Klientinnen möchte die Zusammenarbeit in meinem neuen Beruf mit mir fortführen, was mich sehr freute. Jetzt muß ich ihr nur noch ein Angebot zusammenbasteln.
Am frühen Nachmittag kam dann das Kind auf einen Besuch vorbei. Wir aßen etwas bei dem Perser, der abends so überfordert ist. Bei dem einen Mittagsgericht, das in drei Varianten (Veggie, Huhn, Lamm) angeboten wird ging es ganz schnell und war sehr delikat.
Danach fielen wir beide aufs Bett in Komaschlaf ™. Mittagsschlaf mit Mutti, ich glaube, das hat es ihrer ganzen Kinderzeit nicht gegeben.
Am Abend strich ich frühzeitig die Segel. Ich war immer noch völlig erschöpft. In C-Burg angekommen fiel ich auf Bett, wachte zwei Stunden später wieder auf, machte mir aus Resten Bratkartoffeln, legte mich dann wieder aufs Bett, las 10 Minuten und schlief 10 Minuten im Wechsel.
Beim Lesen fand ich heraus, was die Ursache sein könnte, warum wir derzeit beide bauchmäßig Probleme haben. Eine Riesenportion Obstsalat jeden Morgen ist zu viel. Der Körper verarbeitet scheinbar die viele Fruktose nicht vollständig und die richtet dann jede Menge Durcheinander an. Dazu kippe ich mir im Büro mangels Espressokännchen (und nun mangels Kücheneinrichtung) eine ganze Menge Coke Zero rein und der Mann ißt bis zum Abend garnichts und raucht jede Menge. Das hat alles eine durchschlagende Wirkung. Wir sehen trotz scheinbar hochwertiger Ernährung müde, aufgedunsen und mangelernährt aus.

Die Nacht verbrachte ich dann größtenteils wach – ich war ja schon ausgeschlafen.

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4.+5.8. 10 Zwei Tage für einen

Prima, das Tagbuchbloggen geht also weiter. Ich freue mich, wenn meine täglichen kleinen Heldentaten und Niederlagen gelesen werden.
Der Dienstag verging in Vorbereitungen für meinen kleinen Teilumzug. Der Mann half mir, die vergammelten Küchenmöbel abzubauen. Was sich hinter solchen Schränken verbirgt, möchte man eigentlich garnicht wissen und erst recht nicht sehen. Ich hatte den unbezwingbaren Impuls, erst einmal einen Kanister Sagrotan auszukippen, behalf mich dann aber mit heißer Sodalauge, für den Herd, 3 qm Fußboden und die Wände in Ölsockelhöhe wechselte ich dreimal das Wasser im Eimer. Dann bohnerte ich den Teil des Terrazzo, auf dem dann mein Kühlschrank stehen sollte und weißelte in dieser Region Wand und Decke, denn danach würde ich dort nicht mehr herankommen.
Die Büroarbeit lief in dieser Zeit eher nebenher und am Abend gab es glutenfreie Spaghetti.

Der Mittwoch begann früh. Ich fuhr nach Strausberg und bekam vom besten Freund, der mir den Lagerraum vermietet hatte, noch einen 1A-Bürokaffee und dann kam der Transportfritze. Er war von einer Zweimannarmee begleitet, von denen einer eine halbwegs intelligente Spacke und der andere ein muskulöser, etwas dumpfer Zahnloser war. Sie rochen beide sehr.
Mir blitze kurz: Ach du Scheiße! durchs Hirn, aber ich merkte bald, daß Scheffe seine Jungs sehr gut im Griff hatte. Väterlich, aber eisern.
Ich sortierte die Kisten und Möbel vor, denn ein Teil blieb da und es war alles recht fix geladen. Da ich mit meinem Wagen sowieso schneller war, aß ich mit dem besten Freund noch Bulette und Kartoffelsalat in der Betriebskantine und Lehrküche. War dit lecker!
Dann sauste ich zurück, wahrscheinlich fuhr ich den Wagen zum letzten Mal so richtig aus. Ein geiles Gefühl.
In Schöneberg angekommen, wartete die erste Überraschung auf mich. Im Grunde ist es in dieser ruhigen Wohnstraße kein Problem, an einem Arbeitstag einen Parkplatz für einen Sprinter in Hausnähe zu bekommen. Sicherheitshalbe hatte ich Flatterband mit einem Zettel von einem Baum zu einem Laternenpfahl gespannt. Es gab nur eine Pappnase, die seit Tagen, das Auto nicht bewegt hatte und das stand dann immer noch da. Und die Jungs kamen nicht mit einem Sprinter sondern hatte einen 7,5-Tonner. Somit war die Straße dann für eine Stunde dicht.
Wir luden ab und mir wurde angesichts des Kistenstapels himmelangst. Das sollte alles in eine 35qm-Wohnung passen? Die Männer waren derweil damit beschäftigt, meinen Kühlschrank die Treppe hochzuschleppen. Ich war recht froh, das es dabei keine Toten gab, die Geräuschkulisse war wie in einem Splatterfilm.
Dann gab es die nächste Überraschung: die Küchentür war 3 cm zu schmal, wir mußten die Türen abbauen. Das ist etwas frickelig, aber ich hatte ds für einen Transport schon mal gemacht. Blöd ist nur, wenn ein Mann ohne Lesebrille und handwerkliche Leidenschaft das Alphatier geben will und flucht und schraubt und Probleme sieht, wo keine sind. Frau steht daneben und sagt vorsichtig: letztens haben wir das soundso gemacht und bekommt zur Antwort: DAS KANN GARNICHT SEIN! Ach Männer!
Dafür werden wir in der Autowerkstatt erstgenommen, wenn wir euch mitnehmen.
Wir packten die Bücherkisten aus und ich mich beschlich ein komisches Gefühl. Bisher waren Bücher für mich heilig. Die wirft man nicht weg, außerdem zeichnet eine gut sortierte Bibliothek den gebildeten Menschen aus. Ich hatte Zentner von Büchern von Umzug zu Unzug geschleppt. Erst vor 4 Jahren hatte ich meine 7 Laufmeter Bücherregal zu 2,5 reduziert. Aber dann hatte ich ein paar staubige und stinkende Exemplare in der Hand, in denen ich im Leben nicht mehr lesen würde und beschloß, in Zukunft weistestgehend auf eBooks umzusteigen.
Meine Lebensbücher hätten Bleiberecht: Die mannigfachen Hamlet- und Faust-Ausgaben, die Heiner-Mülller-Werkausgabe, Ehm Welk, Tucholsky, Hans Scholz, Vicky Baum, Kisch, F. Scott Fitzgerald, Updike, die Lyrikbände, „Der stille Don“ in der Volk und Welt-Ausgabe von 1947, Stanislaw Lems „Sterntagebücher“ mit der wunderbaren Geschichte „Professor A. Donda“. (die Links sind für die jüngeren Menschen bestimmt – meine Tochter kennt diese Autoren schon nicht mehr)
Ich würde gern alle neuere Literatur als eBook besitzen. Nur kann man dann nicht einfach einem Freund ein Buch in die Hand drücken, mit den Worten: lies das mal. Perfekt ist das nicht. Außerdem kann man nicht mehr vom Bücherschrank eines Menschen auf seinen Charakter schließen. – Aber vielleicht gibt es demnächst auf Internetprofilen die Auskunft, wer welche Bücher hat… Schöne neue Welt.

Als wir mit Schrauben und Ausräumen so halbwegs fertig waren, fuhren wir nach Kreuzkölln ins Maison Blanche, zum Abschiedsumtrunk mit einem meiner Klienten. Sehr gute Küche, supernette Bedienung tolle Atmosphäre. Wir stießen darauf an, daß aus zehn Jahren streßfreier Zusammenarbeit nun eine gute Freundschaft wird und beglückwünschten uns beide zum Blick über den Tellerrand – denn er arbeitet längst nicht mehr hauptsächlich im angestammten Beruf.
Seine Freundin kam noch dazu und brachte den neuen Familienhund mit, einen herrlichen Bardino-Mischling, der aussah wie ein Schakal mit Schäferhundmaske.

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Soll das so weitergehen?

Einen Monat Tagebuchbloggen habe ich nun hinter mir.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich so weitermachen soll. Das tägliche Schreiben ist sehr wichtig für mich. Die Auszeichnungen sind ein Archiv an fixierten Stimmungen, Handlungen und Ideen, außerdem ein Speicher meines täglichen Status, eine Momentaufnahme von „die Welt da draußen und ich da drinnen“.
Ich fürchte aber, das ist sehr langweilig zu lesen. Meine Sprüche und Gedankensplitter gehen eher in Kommentare oder Tweets und die selbstinszenierenden Weltbetrachtungen brauche ich plötzlich nicht mehr – ich habe den Dampf schon abgelassen und merke, daß ich als normaler Mensch mit normalen Handlungen durchaus akzeptabel bin. Was soll ich mich also aufblasen?
Ich bin für mich an einer Stelle angekommen, an der ich schon lange sein wollte: ich schreibe wieder täglich und fülle mein Reservoir dokumentarischer Notizen, um sie später vielleicht zur Grundlage längerer und fiktionaler Texte zu machen. Aber das kann ich auch offline.

Tagebuchbloggen?
Und was wollt ihr?

Find ich gut!
Gähn!
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kittykoma, 11:23h.

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