Vormittags ein Telefonat der mit der besten Freundin. Wir fieseln manchmal Sachen, die passiert sind oder von uns Entscheidungen fordern, auseinander. Sie hatte mich um Rat gefragt und ich hab ihr ungebremst ein paar Sätze um die Ohren gehauen, die zu diesem Thema schon lange in mir drinsteckten. Hui.
Ich könnte es jetzt Eso-mäßig so einordnen, dass ich von einer höheren Macht mit Furor ausgestattet wurde, um ihr den entscheidenden Impuls zu geben. (Glaube ich nicht, wir haben alle Themen, bei denen wir mauern, bis es gar nicht mehr geht.) Oder aber ich sehe es, wie es ist. Es ist auch mein Thema, deshalb piekt es mich so an. Die Entscheidungen, die demnächst anstehen, werden auch Auswirkungen darauf haben, wie ich in 20 Jahren lebe, bzw. was ich dann überhaupt zum Leben habe. Denn im mittleren Alter kommt noch einmal eine wichtige Orientierungsphase mit Langfristkonsequenz-Entscheidungen, die der Berufsorientierungphase ähnelt (darüber sollten sich auch Menschen, die spät KInder bekommen haben und sich dadurch dem Altern entrückter fühlen, nicht hinwegtäuschen). Klar kann man immer von neuem anfangen, jeden Tag ein leeres Blatt vor sich legen, wie es so schön heißt. Aber bei strategischen Dingen ist das mühselig und energievernichtend.
Dann verbrachte ich den Nachmittag an der Kulturfront. Eigentlich hatte ich mich für das Frauen-Barcamp eingetragen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass das über die üblichen Themen der üblichen Verdächtigen hinausgehen wird. Nächstes Jahr, wenn meine Equal-Pay-Thematik besser ausgearbeitet ist, werde ich das noch mal angehen.
Am Rande: „Wenn Frauen die Familie allein finanzieren müssen“ als Thema kann frau referieren, sollte aber nicht vergessen, dass das für viele Männer Realität ist und dass von ihnen erwartet wird, dass sie es nicht als „müssen“ empfinden, sondern als ihre ureigenste Aufgabe. Ich sehe da schon wieder eine unbemerkte traditionelle Zuschreibung. Frauen „müssen“ etwas, was von Männern seit Jahrhunderten erwartet wird, sie tun es nicht einfach. Schon an der Wortwahl ist ersichtlich, dass selbst bei Feministinnen das als Zwangssituation und nicht als normale Option unter vielen empfunden wird.
Nennt mich Erbsenzählerin, aber ich bin halt empfindlich uff die Worte.
Der Nachmittag war gut, wenn er auch eine Begegnung mit einer Sorte Mensch brachte, die ich sonst weiträumig umfahre. Menschen, die kein anderes Thema als ihre Kinder haben. Ich bin auch nicht scharf darauf, mich mit jemandem zu unterhalten der/die nur über Fußball oder Motorräder oder Justin Timberlake spricht.
Der Graf holte mich ab, wir aßen Falafel und Schawarma, streuselten noch etwas die Bergmannstraße lang und fuhren nach Hause. Am Ende der Fahrt erwischte mich mal wieder die klassische U-Bahn-Panik. Vor mir eine dunkle dünstende Wand aneinandergequetschter Leute, neben mir ein zappelndes, intensiv nach Pipi riechendes Kleinkind, ich selbst müde vom Essen und dem langen Tag, da flackerten und brummten bei mir die inneren Neonröhren.