15.02.2019

Ein wunderschöner Tag, der eher in den März als in den Februar passt. Wärmende Sonne, blauer Himmel und Abends ein tagheller Halbmond, viele Sterne und tiefe Ruhe.
Mehr als ein Spaziergang, Wäsche waschen und Kuchen backen war nicht drin. Es ist immer noch, nein nicht anstrengend, aber es ist noch eine innere Schonhaltung da.
Der Graf ist sogar noch ziemlich angeschlagen.
Aber morgen schneide ich meinen Busch zu Ende.

14.02.2019

Noch einmal Bürokratie in Berlin. Dann packen, Konversation mit der Gästin, noch mal in der Küche überputzen und wir fuhren los. Bzw. ich fuhr, der Graf war noch nicht richtig fit.
Es war eine Tour in einen sonnigen Nachmittag, der in einen dunstigen, pastellfarbenen Abend überging. Als wir im Dunkeln aus dem Auto stiegen, empfing uns wunderbare klare Luft.
Wir heizten die Ostwohnung warm, es ist bei weitem nicht mehr so existenziell wie noch vor 3 Wochen.
Morgen wird noch ein langsamer Tag. Nur nicht zu schnell losmachen. Einen Rückfall kann hier niemand brauchen.

13.02.2019

Heute morgen hatte ich tatsächlich das Gefühl, ich bin durch, jetzt werde ich gesund. Auch dem Grafen ging es besser.
Eigentlich wollten wir um die Mittagszeit den Transporter satteln und losfahren, um diese komische Situation hier zu verlassen. Aber auch die hatte sich einigermaßen entspannt. Manchmal dekompensieren Leute total, wenn sie krank und allein in der Fremde sind. (Ich würde verhungern z.B., auch wenn der Kühlschrank voll ist) Aber trotzdem sind ein paar Sachen … speziell.
Dann gab es noch einiges zu recherchieren. Vor Weihnachten hatte der Rosa Riese dem Grafen den wohl letzten ISDN-Anschluss der Stadt gekündigt und ein Umstieg ist gerade eine Rechnung mit vielen Unbekannten, insbesondere, was Lauf- und Einrichtungszeiten betrifft.
Dann Ämterbriefe, deren Datenbasis, um sie zu verstehen, in Vorpommern auf dem Schreibtisch liegt. Ich liebe Bürokratie.
Ach, und der Mutter, die nie was in Internet bestellen würde, Links geschickt und da es gefiel, die Sachen geordert.
Am frühen Nachmittag waren wir dann doch wieder ziemlich platt und es war nur noch Kleinkram, der auf dem Dorf wegen anderer Aufgaben hinten runter fällt, zu erledigen.
Die Halsschmerzen aus der Hölle sind übrigens fast weg. Sie waren scheinbar zu einem guten Teil Nebenwirkungen der Antibiotika (neben Tinnitus und Ausschlag). Braucht man aber auch nicht.

Ach und ich war heute super happy, denn gerade als ich aus der Badewanne kam, brachte der Graf einen Umschlag mit dem Geschenk einer Leserin. Hautöl, zum richtigen Moment und zur großen Freude! Vielen Dank, liebe S. :)

12.02.2019

Noch ein Tag im Ausruhmodus in Berlin, vor allem, damit es dem Grafen wieder besser geht. Aber ich bin diejenige, die heute fast nur geschlafen hat.
Die Frau, die aktuell zu Gast ist (Deutsche, etwas älter als wir), ist ähnlich erkältet. Es kommt grade zu sehr sonderbaren Situationen. Eigentlich ist es so, daß Gäste essen gehen oder für sich einkaufen. Hier sind im Umkreis von 200m mehr als eine Handvoll Restaurants und drei Späties, die keine Wünsche offen lassen. Foodora liefert bis 22 Uhr.
Bei jeder Begegnung in der Küche geht es um „Hast du vielleicht?“ Tee, Milch, Brot… Die Landeier, die ich mitgebracht habe, sind zu alt. Hier gibt es ja nur noch ein paar Nudeln, Reiswaffeln, etwas Hirse und Grieß. Ich bewirtschafte diese Küche im Moment nicht.
Ich erkläre auf Nachfrage, wo der nächste Biomarkt ist. Die Antwort ist „ich kann nicht rausgehen, dann esse ich eben nichts“.
Ich hatte am Sonntag ein bißchen was aus dem Kühlschrank in eine Transportbox gepackt, das eigentlich nur für einen Tag reicht. Einfacher Käse und Wurst, Butter, zwei glutenfreie Brötchen, nix Bio. Ich wollte jetzt weder den barmherzigen Samariter spielen und meine zwei Brötchen teilen, noch für jemand, dem es genauso geht wie mir, einkaufen gehen.
Eine Bestellung bei foodora scheitert. Bei ihr ist die App nicht einzurichten, weil sie zwar ein modernes Telefon hat, es aber nicht bedienen kann. Ich biete eine Bestellung über meine App an. Die hakt aber, wahrscheinlich ist die Datenbank grade überlastet. Und nein, abends um halb 7 liefert kein Biomarkt auf einen Anruf hin.
Der Graf erbarmt sich und holt Milch und Fruchtsaft aus dem Spätie.
„I have always depended on the kindness of strangers.“ kann ja eine Lebenshaltung sein. Mittlerweile beobachte ich, daß es eine Sorte erwachsene Frauen gibt, bei denen sie die einzige zu sein scheint.
(Es tut mir leid, aber ich bin grade in einem Zustand zwischen Schuldgefühlen und Ärger.)

Veröffentlicht unter Leben