Neid

HeMan schickt eine mms aus den Dolomiten:

Sie frieren sich zwar ihren A… ab da oben und gestern gab es Gewitter und Schnee, was in den Felsen nicht grade witzig ist, aber solche Ausblicke!
Und im Herbst ist der Mann einen Monat in Nepal. Und ich sitze hier am Schreibtisch. Grummel. Nicht, daß mich solche Bergwanderungen reizen würden, ich werde zu schnell höhenkrank.
Aber meine Vorhaben kann ich dieses Jahr knicken wegen des Bandscheibenvorfalls. Das Roxy-Ladies-Camp ist Anfang September, bis dahin bin ich nie im Leben wieder fit und noch darüber hinaus in Form.
Und für Finnland nächstes Jahr im März fehlt mir immer noch jemand, der mitkommt.
MistMistMist!

edit: Nicht daß ich die Illusion hätte, nach einer Woche auf dem Board stehen zu können…

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Reklamation ans Universum

Heute morgen stolperte ich im Treppenflur über diesen Stapel Bücher:

Scheinbar freundlicherweise zur Mitnahme bestimmt.
Ich fresse Bücher bekanntermaßen, auch wenn mir meine Altersweitsichtigkeit immer mehr die Freude am Lesen vermiest.
Aber diese Titel…
Liebe Bloggerinnen, die ihr euer Schreibgeschäft unter den Nicknames Feuerspringerin, Erdhexe, Weltentänzerin, Freizeitelfe a.s.o. verrichtet: hier gibt es richtig heiße frauenaffine Ware!
Lichtheilung zum Beispiel. Vielleicht hat sich die Besitzerin der Bücher, endgültig vom Irdischen genesen, in Licht aufgelöst und ihr zurückgebliebener männlicher Erdenkloß möchte das doch auch gern anderen Frauen empfehlen.
Und dann diese Allgemeinplatz-Titel: Aus eigener Kraft. Ja, endlich mal ohne Hilfestellung von Mami, Papi oder Mann. Gaaanz alleine! Wärs für Männer, wärs ein Heimwerker-Buch.
Sehr schön finde ich auch: Das Leben lieben. Ja, damit die Pflichtmitgliedschaft im Selbstmörderclub endet, muß man vorher unbedingt ein einschlägiges Schwafelbuch lesen. Eine Therapie wäre ratsamer.
Über Reklamationen und Bestellungen beim Universum decken wir mal den Mantel der Liebe und des Schweigens. Alles, nur keine Verantwortung übernehmen. Und wenn es niemanden mehr gibt, der die Wünsche und Reklamationen entgegennimmt und die Sache mit dem Weihnachtsmann auch aufgeflogen ist, werden Formulare fürs Universum ausgefüllt.
Vielleicht gab es aber während des nächtlichen Sturm, bei dem auch ich mit Herzrasen durch die Wohnung pilgerte, in den oberen Etagen eine Erkenntnis. Vielleicht hat eine Schwester den ganzen Scheiß zusammengepackt und sich gesagt: Es reicht. Ab morgen wird gelebt.

P.S.
Einzig der Osho ist mir sympathisch. Von Intuition halte ich eine ganze Menge.

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Mama

Mein Kleines ist wieder weg, ist wieder in seiner Wohnung. Es ist unglaublich, wie schnell man wieder in den alten Lebenstil und die alten Spielchen einrastet.
Ich habe gekocht, vom Einkaufen Leckerli mitgebracht und mein Kühlschrank war so voll wie nie. Und ich habe desillusioniert auf das beginnende Chaos geschaut. Mußte allerdings zugeben, daß ich mit 20 genauso war. Ich habe nichts weggeräumt und alles ist mir irgendwie aus der Hand gefallen. (Außerdem fällt einem das eigene Chaos ja nicht auf.) Und so stolperte ich immer wieder über leere Klorollen und Geschirr, das es nur bis kurz vor die Spülmaschine geschafft hatte. Dabei weiß ich, daß sich das Kind schon extra Mühe gegeben hat, nicht alles um sich herum zu verstreuen.
Es hat mir gut getan, mal wieder ein bißchen rumzumuttern und für sie war es auch erleichternd, nach der Zahn-OP nicht allein zu Hause zu sein. – Zudem sie heute nacht einen Asthma-Anfall hatte, weil sie das Schmerzmittel nicht vertrug. DEn hab ich aber verschlafen und sie hat mich nicht geweckt, weil sie allein zurecht kam.

Und der alte Klassiker passierte:

Gießt du mal bitte die Blumen?
Ja.
Nichts passiert.
Eine halbe Stunde später:
Denkst du an die Blumen?
Ja klar.
Nichts passiert.
Zwei Stunden später, schon etwas gereizt:
Die Blumen!
Jaha! Mach ich doch.
Eine Stunde danach der pädagogische Ansatz:
Du die Tomaten brauchen dringend Wasser!
Mach ich gleich.
Geholfen hat die autoritäre Forderung, die ich nachschob:
NEIN. JETZT.
Geht doch.

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Home, sweet Home

Nach drei Wochen wilder Jagd liegen nun endlich drei reisefreie Wochen vor mir. Ich kann mir garnicht vorstellen, wie es Leuten geht, die für den Job ständig unterwegs sind. Ich versuche mich daran zu erinnern, was am Wochenende zuvor war und brauche gut fünf Minuten, um zu wissen: ah, Barcelona.
Es blitzen immer nur Fetzen in meinem Gedächtnis auf.
Das Essen zu siebent an den Markthallen. Plancha mista hatten wir einfach kommentiert mit: prima, alles, was plantscht kommt aufn Tisch.
Das Hotelzimmer dort. Vier Wände, ein 1qm-Balkon, ein Bett, ein Schrank, ein Bord und, nicht zu vergessen, ein Deckenventilator. Der Lärm auf der Straße. Die Betrunkenen wurden nahtlos von der Müllabfuhr abgelöst.
Diese komische Bar, die mit ihren großen Fenstern einen halben Meter tiefer als der Gehsteig lag. Von der wir sagten: wer sitzt hier eigentlich im Aquarium? Die draußen oder wir drinnen?
Die dicken Engländerinnen, mit ihren großgeblümten Kleidern. Sie treiben wie Manatees durch die Menge. Um sie herum paddeln ihre rotgesichtigen versoffenen Männer wie Seeleoparden.
Die Stimmung auf dem Montjuic. Glücklich, zufrieden, entspannt.
München.
In einer Doppelhaussiedlung in Haar habe ich stundenlang ein Dreimonatsbaby auf dem Arm. Er schnauft, sabbert und betatscht mein großzügiges Dekollete mit seinen winzigen Fingern. Die Mutter ist erstaunt, wie gern und ausdauernd er bei mir ist und ich genieße es.
Weißwürste frühstücken am Viktualienmarkt. Bier dazu am frühen Morgen.
Ich entdecke mitten in der Nacht ein Lokal wieder, nach dem ich Jahre gesucht hatte. Ein winziges italienisches Bistro mit phantastischem Essen und einem Kellner mit blaugrünbrauen Augen.
Eis essen auf der Theresienstraße. Dunkelbraunes Schokoladeneis.
Hessen.
Der große, freundliche Tanzbär, der am Nachmittag Gitarre spielte und am Abend, als er dann noch dazu sang, Verstärkung durch zwei weißhaarige Herren bekam (Bass & Drums). Das klang wie Dire Straits. Der Gastgeber meinte auf meine Nachfrage: Ach, das ist mein Nachbar. Die Lieder hat er selbst geschrieben.
Nachts im Hotel. HeMan hielt mich fest. Sagte los, komm, schrei einfach. Die Welt schrumpfte auf einen Punkt zusammen. Und ich ließ mich fallen und schrie.
Morgens. Wir fädeln die Plastik vorsichtig ins Auto. Heman wirkt traurig. Am Abend vorher hat er viele Freunde getroffen, die nun in ganz Europa verstreut arbeiten. Er denkt an die Zeit, als sie alle noch zusammen am Main wohnten und die Wohnungstüren immer offen standen. Verrückt. Sie tauschten Erinnerungen aus wie aus Hausbesetzerzeiten. Und waren doch vor acht Jahren Investmentbanker, Makler, Unternehmer, Geschäftsführer.

Nun Berlin. Ich sitze am Schreibtisch und der Papierberg neben mir schrumpft nur langsam. Ich habe Angst, daß meine berufliche Gelassenheit Mangel an Biß ist und bedeutet, daß ich den Laden vielleicht grade in die Scheiße reite.
Auf dem Loungesofa vor dem Schreibtisch liegt mein Kind. Sie hat sich heute morgen zwei Weisheitszähne ziehen lassen und ich bemuttere meine Kleine. Koche Tomatencremesuppe und mixe Bananenshakes.
HeMan ruft an. Er ist von München mit Freunden in die Dolomiten gefahren. Nun sitzt er auf zweieinhalbtausend Meter Höhe und berichtet vom Sonnenuntergang und von sieben Stunden wandern.

Das Leben ist schön.

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