Etwas verwundert

hocke ich an meinem Schreibtisch und merke, dass mir Vieles leichter von der Hand geht, als noch vor einem halben Jahr.
Natürlich immer noch mit der 3-Stunden-Arbeitsregel, die nicht überschritten werden darf. Aber die drei Stunden bestehen nicht mehr nur aus Angst und Bedenken, ob ich das, was ich mir vornehme, überhaupt schaffe und der Ablenkung davon.
Das fühlt sich gut an. Es ist aber auch mit konsequenten Entscheidungen verbunden, bestimmte Dinge nicht mehr zu tun.
Nicht mehr jede Verantwortungsjacke anziehen. Es ist vielleicht geil, wichtig zu sein, aber auch ziemlich anstrengend. Vor allem nichts mehr verantworten, für das andere zu faul oder zu feige sind.
Geltungsbedürftige und aufmerksamkeitssaugende Narzissten meiden. Nix gegen diesen Menschentyp, ich bin ja selbst eine Narzisse vor dem Herren. Aber wenn Leute mich als Publikum benutzen, müssen sie amüsant und soziabel sein, Kommunikationseinbahnstraßen will ich nicht mehr. Weder freiwillig, in der Freizeit, noch unfreiwillig, im Job, möchte ich, dass sich jemand an meine Lebensenergie andockt. Mittlerweile reagiere ich darauf sehr heftig. Mit „ich will hier weg!“-Panik, Magen-, Kopf- und Rückenschmerzen. Außerdem passieren mir Übersprunghandlungen, mich überkommt eine Art Tourette, wo ich Sätze sage, die ich gedacht, aber höflicherweise lieber verschwiegen hätte. Also ziehe ich mich zurück und umschiffe solche Menschen höflich, aber weiträumig.
Neuland betreten, ich bin ja immer neugierig. Das heißt, so neu sind die Sachen nicht, sie liefen schon immer nebenher. Ich fokussiere nur, sortiere aus, adaptiere und tue und mache.  Ich bin erstaunt, was ich kann und noch erstaunter, dass es Menschen gibt, die das brauchen und mich sogar dafür bezahlen möchten. Noch bin ich nicht im Gewinndruck. Das  ist ein luxuriöser, immer noch nötiger Zustand, sonst würde ich wahrscheinlich sofort wieder die Grätsche machen.

Ja. Im Jahr 3 nach dem Burnout geht es aufwärts.

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Das war die Woche

Jetzt bloggt Miz Kitty also schon Wochenrückblicke. Der Herr Dick fragte heute beim Geburtstag von Mme. Modeste bereits, ob ich denn noch bloggen würde. Das ist mir jetzt doch ein bißchen peinlich.
Es war einfach so viel los diese Woche.

Als erstes kam der vorletzte Berliner Sommertag, ab dem der Graf und ich an der Fischerhütte in den Schlachtensee stiegen und nach 2,6 km am anderen Ende wieder herauskletterten, die vorsorglich dort deponierten Sachen anzogen und zur Fischerhütte zurück liefen. Und nächstes Jahr schwimmen wir dann auch wieder zurück, haben wir uns vorgenommen.

Dann die Dunstabzugshaubenodyssee. Nach dem Sichten der Angebote kam das dringende Bedürfnis, diese Teile mal in echt zu sehen. Also zogen wir los, zuerst in Richtung schwedisches Möbelhaus. Dort brachte nur die obere Preisklasse einen leichten Sog zustande. Mal abgesehen von vibrierenden Stahlblechen, scharfen, gratigen Kanten und z.T. heftiger Lautstärke. Dann wechselten wir in einen nahen großen Küchenladen. Da gab es alles, von simpler Elektronikherstellermarkenware (nicht so gut) bis zu namhaften Spezial-Herstellern (gut, aber absolut unbezahlbar). Die italienischen Designerschmuckstücke waren auch vertreten und erwiesen sich als erschütternd schlecht konstruiert. Denn hinter der schräg über dem Herd schwebenden Glasplatte steckt einfach eine schmale Ein-Filter-Absaugung. Geht garnicht, ist ein Witz.
Die Suche ging im Mediamarkt Tempelhof weiter, wo drei Alibiteile rumhingen, von denen eines, Kostenpunkt 600 Ocken, als Vorführmodell 100 runtergesetzt, einen unbedienbaren Touchscreen hatte, der dem Verkäufer nicht mal peinlich war. Überhaupt, der Tempelhofer Hafen und die zugehörige Einkaufspassage. Ich habe selten so viel deprimierende Menschen auf einen Haufen gesehen.
Dann kam der letzte Versuch: Innova. Der Laden, in dem man dem Grafen schon mal eine Waschmaschine für Kinderreiche als das absolut zu ihm passende Modell verkauft hatte. Die anwesenden Verkäuferinnen hatten schon die Schuhe ausgezogen und relaxten in ihren Kojen, eine raffte sich dennoch auf und führte uns herum. Zwei Modelle waren akzeptabel: Eine kopffreie Amica, die zwar laut und häßlich war, aber gut was wegsog und eine Miele der mittleren Preisklasse, die richtig Bums hatte, aber auch teuer war. Die Verkäuferin wollte uns immer wieder italienische Silverline-Teile andrehen, aber die Italiener hatten wir schon von der Liste gestrichen. Von der Miele wollte sie uns absolut wegbringen, mit dem Argument, nur Silverline und die ausgestellte Amica wäre  für Gas geeignet, die Miele nicht. Ein bißchen verquatschte sie sich dann doch: Miele wäre nicht rabattfähig. Aha. Sie verdient also nichts dran. Sehr seriöse Verkaufe, muß man sagen.
Wir fuhren genervt und müde den Kaiserdamm Richtung Mitte zurück, doch da: Ein Haushaltelektronikfacheinzelhandelsgeschäft! Ich weiß nicht, was mich ritt, ich wollte da noch rein. Die Verkäuferin war gerade am Gehen, aber zog die Jacke noch mal aus. Wir probierten hier und schauten da und es hingen eine Menge Exemplare meines heimlichen Favoriten da: Berbel. Und schau da, so wahnsinnig unbezahlbar wie gedacht, schienen die gar nicht zu sein. Wir hinterließen die Mailadresse und bekamen ein Angebot avisiert.
Am nächsten Tag kam dann das Angebot vom ziemlich umtriebigen Chef. Ein Vorführmodell für 2/3 des Preises und die dazugehörigen Filter ebenfalls. Da gab es zwar mal wieder den Effekt, daß das etwas über dem Höchst-Etat lag, aber das Teil ist einfach der Hammer – und die Filter können mit Kohle aus dem Säckchen nachgefüllt werden und sind ohnehin erst nach 2-3 Jahren fällig.
Nun gibt es nur noch das Problem, daß das Teil mit Filtern 39 Kilo wiegt und es an der Wand halten muß…

Dann war der Tag gekommen, der schon seit einem Jahr fällig war. Der Graf machte sich an die Lackierung des Badezimmerbodens. Das Bad ist ja immer noch ein fensterloses DDR-Museum und der Boden war langsam aber sicher in einem sehr üblen Zustand. Nun ist das einfach zu erledigen, wenn man nach dem Streichen in Urlaub fährt oder für drei Tage ins nächste Hotel geht. Hier hieß es, in zwei Etappen zu arbeiten, damit Klo und Dusche noch zu benutzen waren. Deshalb läuft im Wolkenkuckucksheim auf der Barminkante seit vier Tagen der Badabzug und es stinkt immer noch nach Nitrofarbe.

Es ging aufs Wochenende zu und für mich war ein Seminarjob angesagt. Ironie des Schicksals: Das Schulungsprogramm läuft an dieser Uni aus, wir haben um Honorarerhöhung gebeten und uns darüber beschwert, daß wir ständige Überbuchungen hinnehmen mußten, die bei dem engen Zeitplan nicht funktionierten. – Und wir hielten das beste Seminar und hatten die allerfittesten Studenten ever. Wenn es nicht weitergeht, dann hatten wir einen guten Abschluß.

Der heutige Tag verging in wunderbarem Nichtstun. Geburtstag feiern bei Modeste. Liebgewonnene Menschen wiedersehen. Kind anduziduziduzin. Essen und einen Schwips antrinken. In Richtung Weinberg fahren und im Rosengarten noch den Spätsommerabend genießen.

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Im Kücheneinrichtungsdschungel

Der Graf hat mir irgendwann mal den Spitznamen Pfannenkind verpaßt. Weil ich mein Essen am liebsten in die Pfanne haue und kräftig anbrate. Weil das so schnell Hüftröllchen gibt, bin ich seit einiger Zeit auf Grillen umgestiegen, ich hatte mir doch irgendwann so ein Monster angeschafft. Nach dem Essen klebt der Geruch dann gern tagelang in der Küche.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Man sagt sich, das haben Generationen so gemacht und die sind auch nicht dran gestorben. Man erinnert sich aber mit Schaudern an die Kohlsuppe-Kotelett-Windeltopf-Odeur-Symphonien in Omis altem Mietshaus. 2. Man beschließt, eine Dunstabzugshaube zu kaufen.
Und da fängt der Horror an. Der Herd steht zwar am Schornstein, daneben hängt aber auch die Therme der Gasheizung. Können Sie ermessen, was das bedeutet? Yep. Schornsteinfegerbesuch, mit ordentlicher Rechnung und der wird einem sagen, was man ohnehin schon weiß, für eine Ablufthaube braucht es nicht nur einen Schornsteinzug, sondern ein Schaltsystem, das Zuluft freischaltet, sobald das Teil läuft, sonst läuft der Abzug der Therme rückwärts. Teurer Spaß, der sich entweder am Fenster realisieren läßt oder eine Kernlochbohrung durch die Außenwand erfordert. (lassen Sie sich den Begriff mal auf der Zunge zergehen: Kern-Loch-Bohrung, klingt fast wie Wanddurchbruch Haha!) Jedenfalls könnte man mit deutscher Technik und Wertarbeit mal so richtig auf die Kacke hauen.
Also Umluft. Und da wird es schon dünne am Anbietermarkt, wenn das Teil nicht nur ein Plazebo sein soll. Alle schicken italienischen Kopffrei-Designerteilchen, die wie eine angeklappte Schreibmappe an der Wand hängen, fallen dann schon mal raus. Denn da liegt auf dem Fettfilter eine Mini-Aktivkohle-Matte und das ist nicht mehr als ein Witz. Auch das schwedische Möbelhaus ist dann auch nur noch mit den teuersten Teilen in der Wahl, denn die billigen bringen für Umluft nicht genug Power mit. (Muß man wissen – die meisten Werte, die angegeben sind, gelten für Abluft. Umluft wird lauter und drückt das umgesetzte Luftvolumen in den Keller, denn der Motor muß die Luft durch den Filter pressen.)
Um das Spiel mit den vielen Unbekannten noch ein bißchen trickreicher zu machen, wäre auch der Preis des Aktivkohlefilters beachtenswert, denn hat man Pech, muß man den mehr als zweimal im Jahr wechseln.
Wahnsinn oder? Denn eigentlich reden wir von einem Metall-und einem Kohlefilter in einem Kasten, in dem ein Ventilator arbeitet, mehr nicht.
Nach Abzug aller NoGoes bleibt nur noch ein stinknormales Teil in Kaminform übrig. Das sollte dann 1. Solide verarbeitet sein. Denn man muß es von innen immer mal putzen können, ohne sich die Finger an Metallkanten zu zerschneiden, außerdem muß es den fettigen Mief tatsächlich an die Filter durchleiten und keine heimlichen, leicht entzündlichen Fettseen provozieren. 2. Sollte es leistungsfähig und nicht zu laut sein. 3. Sollten die Aktivkohlefilter tatsächlich funktionieren und trotzdem kein Vermögen kosten.
Die Rettung in der Informationskonfusion brachte das Chefkoch-Forum. Da sind jede Menge Männer dabei, die sich dem Küchentuning verschrieben haben. Ok., man wird natürlich belächelt, wenn man nach der Qualität eine Whirlpool-Geräts fragt, aber die Jungs haben Ideen.
Und eine davon hat einen besonderen Charme: Kaufe ein Gerät, das nicht so wahnsinnig teuer ist, dir gefällt und die richtige Leistung hat (Formel: Küchenvolumen mal 10) und schau einfach nur, daß in den Luftabzug ein Profi-Aktivkohlefilter mit entweder 125 oder 150 mm Durchmesser paßt. Der kostet dann zwar über 200€, hält aber 2-3 Jahre und ist mit Kohle aus einem Tütchen nachzufüllen. Und wenn das Gerät zu laut ist, kann man es sogar noch etwas dämmen.
Na dann schaun wir mal…

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Normal ist egal

Vor 5 Jahren, da verlor ich beim Laufen die Hose, wenn ich sie nicht festhielt. Damals sagt ein Mann zu mir „Wenn du jetzt noch 5 Kilo abnimmst und hart trainierst, damit du ein Sixpack bekommst, bist du perfekt.“ – „Nein, dann wäre ich tot!“, habe ich ihm geantwortet. Statt ihm seinen Pullover in die Hand zu drücken und ihn zu bitten, den wieder anzuziehen und zu gehen, war ich weitere zweieinhalb Jahre mit meinem Äußeren beschäftigt. Fotos aus der Zeit des Dialoges zeigen eine schmale Frau mit großem Kopf, deren Knochen irgendwie zu breit für die Bespannung und Polsterung waren. (Von allem anderen, schwer heilenden Wunden, bröselnden Fingernägeln, dünnen, nicht wachsenden Haaren, ständig Erkältungen und Nasennebenhöhlenentzündungen wollen wir mal garnicht reden.)
Jetzt bin ich durch zweieinhalb Jahre gegangen, in denen ich mich manchmal fühlte, als würde mich jemand täglich ein bißchen mehr aufblasen. Ich habe zweimal im Jahr neue Hosen gekauft, habe erbärmliche Phasen kneifender Klamotten und häßlich-erleichternder Zu-Hause-Jogginghosen hinter mir. Ich floh vor der Sommerhitze, die mir lebensbedrohlich erschien und mußte auf der Mitte der 4 Treppen die Barnimkante hinauf Pause machen.
Der Mann mag mich so, wie ich bin, sehr sogar. Würde ich mich in ein kalorienzählendes Bügelbrett verwandeln, das sofort nach dem Essen das Aufgenommene wieder abtrainieren muß, hätte er sich wahrscheinlich schon vom Acker gemacht.
Ich selbst hinke im Selbstbild die klassischen 5 Jahre hinterher. Wenn ich Fotos und Filmaufnahmen von mir sehe, in denen ich mich unbeobachtet bewege und mich nicht in Pose werfe, frage ich mich, ob ich das wirklich bin, diese üppige Matrone mit den entweder etwas zu engen Klamotten oder den Mogelblüschen.
Es sieht einfach komisch aus. Das bin doch nicht ich. Aber war ich denn das magere Mausi? Auch nicht so ganz.

Also insofern ist mir der ganze #609060 – Disput mit seinen Spitzfindigkeiten, ob das Wort „normal“ für diese Aktion – die mit „sondern einfach weil ich meinen normalen Körper eingepackt in Oberbekleidung sichtbar machen möchte“ begann – überhaupt verwendet werden sollte (angestoßen von Menschen, die sich nicht als normal bewerten) oder ob er für Personen, die aus der Normalverteilung rausfallen abschreckend wirkt… also Leute, kurz und knapp, mir ist das vollkommen Stulle.

Ob ich nun 59 Kilo wiege und mal wieder kurzzeitig in meinem Leben in eine Schmeichel-38 passe oder 83 und garnicht mehr so genau aufs Konfektionsgrößenschild schaue (46 wars wohl), aber weiß, es gibt in meinem Viertel Läden, die können mich garnicht mehr einkleiden, ich bin ich. Und wo ich bin, ist normal, dank meiner Egozentik und meines extrem hohen Ignoranzpotentials bzgl. „was die Leute wohl sagen“.

Mich freut es zwar, daß seit zwei Monaten die Hosen nicht mehr kneifen und die Portionen kleiner werden, weil ich scheinbar endlich aus der Streßfreß-Lebensrettungsphase des Burnouts, die Jahre anhielt, raus bin. Mich freut auch die Aussicht, demnächst vielleicht ehemalige Lieblingsklamotten wieder tragen zu können, die das Budget heute nicht mehr möglich macht. Aber ansonsten ist normal egal.

edit: Mir geht es ganz anders als Anke Gröner, die die Fotos kopfloser Frauen, die sich damit auf ihren Körper reduzieren, kritisch anmerkt. Ich bin so kopfig und habe lange Zeit mit meinem nett lächelnden Porträt für meine Dienstleistungen gestanden, daß ich heute gern kopflos bin und mir mal meinen Körper zu Gemüte führe.

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