28 Himmlische Musik

Am Abend vorher fragte mich mich noch, wie ich so wahnsinnig sein konnte, einer Freundin zuzusagen, um 11 Uhr morgens auf ein Konzert zu gehen. Da ist Frau Koma doch noch halb im selbigen.
Aber ich hübschte mich und trabte zum Kammermusiksaal, um mit ihr in ein Konzert der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker zu gehen. Was uns empfing, war viel mehr. Ein Konzertmarathon bis zum frühen Abend zum 25. Geburtstag des Kammermusiksaales.
Öffentliche Kommunikation dazu? Nichts. Nada. Niente. 7 Stunden Kammermusik mit Musikern eines der besten Orchester der Welt (für 20 €!!!) und es gab dazu Null Hinweise. Weder auf der Homepage der 12 Cellisten, noch in sozialen Medien, auf der Homepage der Philharmoniker gibt es zwar eine Extraseite zum Jubiläum des Saales, aber dass man da auf zwei Veranstaltungen (es gab abends noch einen Festakt und Jazz bis in die Nacht) am 27. bis in die Nacht Musik hören kann, wird so ungelenkt kommuniziert, dass es kaum einen, der eine Karte kaufen möchte, erreicht. Selbst die Freundin, die sehr viel in Sachen Klassik unterwegs ist, wusste nichts davon. Dazu Chaos mit den Karten, einige hatten Platznummern, andere freie Platzwahl. Wir schmissen erst mal zwei protestierende Rentner von unseren Plätzen, später kam die pflaumenweiche Ansage, man hätte da ein Problem und die Leute sollten doch öfter mal die Plätze wechseln.
Was haben die denn für eine Öffentlichkeitsarbeit???
Die Musik war himmlisch. Ich (die ich reine Konsumentin ohne Sachverstand bin) entdeckte ein paar Stücke, wegen derer der Graf und ich bei Nachbars lauschend vor der Tür gestanden hatten, als die gerade laut Musik hörten. (Wir hatten uns nicht getraut, zu klingeln und zu fragen, was das  ist.) Es waren Mozarts Arrangements von Bachschen Fugen für Streichquartett. Ok. jetzt muss ich die nur noch kaufen bzw. auf die Wunschliste setzen.
Es gab Arvo Pärt und eine Menge Kompositionen von Angehörigen der Philharmoniker selbst. Dazu in der Pause Kartoffel-und Gulaschsuppe und jede Menge liebenswürdige Improvisation, weil ein Musiker fehlte etc. Eine wirklich angenehme Atmosphäre, sehr entspannt, nicht steif, die Bravo- und Beifalls-Echauffeure, die jeden Applaus als ihren Auftritt nehmen, fehlten Gott sei Dank völlig.
Die Freundin hatte den Rest des Tages leider verplant und mußte nach zweieinhalb Stunden gehen. So blieb ich allein noch so lange, bis mich der Hunger nach Hause trieb (ich Schaf hatte mein Portemonnaie vergessen und der Graf, der auf die vakante Karte springen sollte, saß ohne Handy im Oberholz und checkte seine Mails nicht).
Was für ein genialer Tag…

Veröffentlicht unter Leben

27 Pläne

Wann immer es nötig ist, sollte man weißes Papier mit Worten füllen.
Der Graf und ich planten gestern die Zukunft auf der Basis der Vergangenheit unter Beachtung unserer Wünsche.
Man sollte das öfter tun. Bucket Lists aufstellen, Pläne und Wünsche detailliert visualisieren. Es bringt einen näher an das heran, was man tun möchte und es verhindert die reuigen „dazu ist es zu spät“-Momente.

Veröffentlicht unter Leben

26 Nicht mein Tag

Ich stand früh auf, denn ich hatte schon kurz nach 9 Uhr in Charlottenburg zu sein. Da ich mit dem Fahrrad fahren wollte, hieß das mindestens 2 Stunden vorher den Kreislauf zu stabilisieren.
Doch der Tag begann nervig: Der Hinterreifen war platt. Ich wechselte aufs Auto, Straßenbahn + S-Bahn wäre zwar auch gegangen, aber ich hatte noch zwei weitere Termine danach, die 3 oder 4mal Umsteigen bedeutet hätten.
Ich stellte  mich hinten im Stau zur Umfahrung der Invalidenstraße an, zwei Minuten später signalisierte mir das Auto: „Übrigens, du fährst auf Reserve…“ Meh! Die Termine waren echt eng gestrickt, in der Innenstadt gibts so gut wie keine Tanken, zumindest keine, die auf meinem Weg lagen.
Fast pünktlich beim Doc angekommen, nur noch Parkplatznahkampf. Aber ich weiß noch immer die Geheimtipp-Parkplätze in der Umgebung vom Olivaer Platz. Dann eine Redestunde, die mal wieder ziemlich ans Eingemachte geht. Das war lange nicht mehr so, ich konnte ja vornehmlich Erfolgsmeldungen hinterlassen. Aber da gibt es Alpträume, heftige, fiese Alpträume, die sich beim morgendlichen Aufwachen fortsetzen.
Dann weiter zum Bauhaus an der Nürnberger. Ins Parkhaus der Hölle einfädeln. Das einzige Parkhaus, das genauso so unübersichtlich und eng war, war das des Palast-Hotels neben dem Berliner Dom und das ist seit 10 Jahren abgerissen. Die Vorhänge in Beige und Pink zurückgeben, die wir optimistisch getestet hatten. (Seit einem Jahr auf Vorhangsuche. Stoff und Hersteller sind klar. Nur die gewünschte Farbe – Kinosesselrot – gibt es einfach nicht.)
Dann ab nach Wilmersdorf, zu einem nicht funktionierenden Computer einer Bekannten. What the fuck hat Alice da wieder gemacht? Am Laptop lag es nicht. (Den übrigens eine dicke Staubschicht zierte. Ja, es gibt Frauen meines Jahrganges, die einen Computer und das Internet nur nutzen, wenn es der Arbeitgeber von ihnen verlangt.) Nachdem ich, im Flur auf der Erde rumhockend, den Router auf Lieferzustand zurückgesetzt und alles wieder neu eingegeben hatte, funktionierte das Internet, aber das Telefon nicht mehr. Das wäre aber nicht so schlimm, meinte die Bekannte. Sie werde einfach warten, bis es wieder ginge. Kann man machen.
Zum Auto zurückgekehrt, hatte irgendein Vollidiot in einer riesigen Feuerwehreinfahrlücke so blöd gewendet, dass er den Lack seines Fahrzeugs an der Seite des ehrwürdigen Gefährts des Grafen hinterlassen hatte. Entweder der Typ war blind oder war mit einem 20Tonner unterwegs.
Ich gondelte zurück und musste mich erstmal schlafen legen…

Veröffentlicht unter Leben

25 Kleine Zäsur

In der Mitte der Woche stehenbleiben und sich einmal im Kreise drehen. Sichten, was im November auf mich zukommt.
Vortrag, Äpfel sammeln bei La Primavera, die Existenz weiter sortieren für die nächsten zwei Schritte, mental winterfest machen, er kommt ja nun unweigerlich. Schreiben. Wäre gut. Zwei Themen hätte ich auf dem Tisch. Amazon- oder eBook-Vertrieb würde ich in Betracht ziehen. Der Graf kann schließlich feine Bücher machen, ob elektronisch oder Papier. Ich sehe das erst mal als erweiterte Handouts für den Job, um den Druck (auf mich natürlich, hat nichts mit Print zu tun) rauszunehmen.

Dann gab es noch eine entzückende Begegnung der dritten Art. Ich war seit Monaten an einem kleinen Projekt beteiligt. Spaß gegen kleine Aufwandsentschädigung. Die Dame, für die wir (eine Freundin und ich) das taten, hat eine für mich recht aufreibende Art, weiblich zu kommunizieren. Hintenrum, ohne zu sagen, was sie will und was sie nicht will, mit Zusagen, ohne die Absicht, sie einzuhalten und „übersehen“ von Informationen, um ihr nicht ausgesprochenes Ziel zu erreichen. Lange hatten wir nur ein blödes Gefühl mit ihr. Wir fragten uns auch immer wieder, ob wir nicht abbrechen sollten, denn sie schien ein unsicherer Kandidat. Fragten auch sie konkret, ob sie das jetzt so will, wie wir es ihr lang und breit vorgestellt und ihr vorgeschlagen haben. Ob sie die Aufwandsentschädigung ok. findet. Sie sagte, Geld spiele keine Rolle, sagte zu allem Ja, gab sogar eine Unterschrift. Vier Wochen später meldet sie sich, justament am Abend unseres Produktionstages und weiß angeblich nichts davon, dass wir die Arbeit gerade abgeschlossen haben. Das kann ich aushebeln, sie hat den Termin von mir per Mail Wochen im voraus bekommen. Sie sichtet das Projekt und ist der Meinung, so will sie es nicht. Kann aber auch nicht sagen, wie sie es will. Sie bekommt eine Frist, um noch mal zu sagen, was sie nun anders will. Statt dessen wendet sie sich an die Bekannte, die die Geschichte vermittelt hat und beklagt sich. Sie hätte erwartet, das wir die ganze Geschichte umsonst machen. Wir würden eine arme alte Frau, die gerade persönliche Probleme hätte, abzocken. Die Bekannte droht nun mit Kündigung der Freundschaft zur anderen Beteiligten. WTF? Wenn ich was hasse, dann ist das diese intrigante Tour, über vorgespielte Schwäche und Lügen Vorteile zu erlangen und sich Dingen nicht zu stellen. Wi-der-lich! Solche Leute sind giftig. Ok., die Sache ist abgehakt. Ich habe eine kleine zierliche Voodoopuppe mit rostigen Nadeln gespickt.

Ja und das wars dann auch für den Tag…

PS Die Mädchenmannschaft hat gerade ein ähnlich gelagertes Kommunikationsproblem. Man kann es auch Diskursmacht nennen, wenn man alle in die Flucht gelabert hat. Schade, sehr schade. Aber die Damen sind jetzt ja unter sich.

Veröffentlicht unter Leben