Ein schöner warmer Frühlingstag.
Ich schnitt Brombeerranken vom Zaun und putzte den Rasenmäher. Bei der Gelegenheit überschwemmte ich den Luftfilter mit Öl. Gnarf.
Um die frühe Nachmittagszeit kam der Freund von ein Dorf weiter und schaute sich den Rasenmäher an. Es war eine Kleinigkeit, eine nicht gut angezogene Schraube. Der Fachmann sieht so was. Puh. Gott sei Dank.
Dann gingen wir an eine Arbeit, die den Grafen in Abständen schon über ein Jahr begleitet.
In einem Herbststurm vor drei Jahren zerbrach die Krone des wahrscheinlich ältesten Baums im Park. Die Krone zerlegen zu lassen, war unsere erste Tat hier, da waren wir noch dauerhaft in Berlin. Die zersägten Äste, die dicksten so dick wie ein Berliner Straßenbaum, lagen seitdem über eine Fläche von gut dreihundert Quadratmetern verteilt, waren halb in die Erde gerammt und im Sommer von Brennnesseln überwuchert. Der Graf hatte schon öfter die Motorsäge geschwungen und große, kleine und riesengroße Teile sortiert. Aus den kompaktesten hatte er kleine Hocker gesägt.
Heute waren die letzten Stücke dran. Ich sammelte Kleinholz und zerrte 50 m halb eingewachsenen Schafszaun aus der Erde.
Dort, wo zwei Jahre lang unbetretbare Wildnis war, öffnet sich eine schöne Lichtung.
Das war ein Erfolgserlebnis.
Der Graf war im Flow und schlug einen Aperol Spritz im Strandkorb zum Sonnenuntergang aus und strich noch einen der großen Gartenstühle. Ich hinderte Mimi daran, neugierig auf den Stuhl zu springen und mitzuhelfen.
Abends machte ich für uns Toast Hawaii. Mir war dringend danach.
Archiv der Kategorie: Leben
07.05. 2020
Heute Morgen gab es einen zweiten Termin in dieser Woche, in der die Telekommunikationsnetzverkabelung des Hauses besprochen wurde.
Für jedes Mehrfamilienhaus schickt die Telekom jemanden, der dafür sorgt, daß im Treppenhaus unweit der Wohnungstüren der Anknüpfungspunkt für die Telekommunikationsendeinheit liegt. Der kam vorgestern und war ob des sonderbaren Grundrisses und der laufenden Baumaßnahmen recht verhalten.
Heute kam jemand anderes und hatte ein paar interessante Ideen, weil er solche Häuser wie unseres und die Anforderungen kennt.
(Es steht trotzdem in den Sternen, wann das Internet hier ankommt.)
Danach schrieb der Graf zwei Mails zum Thema Berliner Drama und dann waren wir beide müde und durchgefroren. Das Wetter lud mich auch nicht gerade zum draußen sein ein.
Ich legte ich für einen späten Mittagsschlaf ins Bett. Anderthalb Stunden später weckte mich das Enkelkind mit einem Videoanruf. Ich war allerdings so verpennt, daß ich völlig vergessen habe, was sie mir erzählt hat.
Ich zog mich an, ging raus (große Katzeneuphorie), goß die Kohlrabis und riß in der Senke im Park bei den Stubben Giersch und Brennnesseln raus. Das macht sich gerade sehr gut, weil der Boden trocken ist. Ich fand übrigens die Leiche eines iPhone 5 halb in die Erde gesunken. Wer das wohl wem im Jugendhilfeprojekt abgezogen hatte?
Der Graf, der sich auch hingelegt hatte, holte mit aus meinem „Vernichten! Rrrraaah!“-Rausch und erinnerte mich daran, daß wir einkaufen fahren wollten.
Wir machten uns auf den Weg nach Grimmen und erlebten im Supermarkt alle Phasen von Maskenverweigerung. Am Kinn hängend, Nase raushängend, erst auf bösen Blick hin übergezogen etc. Nur Jugendlichen (des nahen SOS-Kinderdorfes?) hielten sich daran. Wir galten natürlich mit Maske und Handschuhen wieder als die Totalbekloppten. Aber wenigstens lachte niemand mehr über uns wie in den Wochen vorher.
Das ist alles ok. angesichts der Infektionszahlen. Ich hoffe nur, die Gegend bekommt nach der Öffnung der Hotels die Kurve.
Nach der Rückfahrt noch ein Brot mit Fleischsalat gegessen und durch die Fernsehprogramme gezappt. Ich habe immer mehr den Eindruck, Laschet setzt mit seinem Ehrgeiz, Kanzler zu werden, alles auf eine Karte. Wenn es gut geht, mit dem, was er losgetreten hat, könnte das Kalkül aufgehen. Dann ist er für alle Widerständigen und Ungeduldigen der Ehrenmann.
06.05. 2020
Sonnig mit kaltem Seewind.
Den Viehtrieb auf die Sommerweide gefilmt. In einer Minute waren geschätzt 60 Kühe, Kälber und einige Bullen vorbeigedonnert.
Heldenhaft mit dem Grafen gegen die Entropie gekämpft und den Saal und die hintere und seitliche Terrasse aufgeräumt.
Ein Bananenbrot gebacken.
Lange darüber nachgedacht, dass es (auch) in meinem Leben Menschen gibt, die ständig Unterstützung, Hilfe und Rettung in mannigfachen banalen Situationen und Lebensanforderungen benötigen. Die aber umgekehrt dies nicht leisten können und/oder wollen. (Dabei gehe ich nicht vom klassischen „eine Hand wäscht die andere“ aus, sondern von einem komplexen System gegenseitigen Gebens und Empfangens von Unterstützung in Gruppen. Das halte ich für selbstverständlich.) Mich gefragt, warum X oder Y von mir völlig unhinterfragt als so bedürftig akzeptiert werden, daß sie von mir und anderen rundum supportet werden, mit Dingen, die jeder andere selbstverständlich und klaglos tut oder gegen Bezahlung andere tun läßt. Natürlich steht immer das Versprechen dahinter, es werde irgendwann anders, wenn erst endlich dieses oder jenes eintritt.
Mich an Sätze erinnert, die ich ab und zu weggelacht habe. Daß es klasse sei, andere für sich arbeiten zu lassen. Daß Menschen selbst schuld seien, wenn sie so blöd seien, sich ausnutzen zu lassen. Daß das Universum schon jemanden schickt, es sei immer so gewesen.
Ich glaube, ich bin mittlerweile zu alt für so eine Sch… Meine Antennen sind in dieser Hinsicht nun besser ausgerichtet.
WMDEDGT Mai 2020
Frau Brüllen fragt wieder, was wir den ganzen Tag getan haben.
Ich stand heute morgen um acht Uhr auf und ließ die Katzen nach draußen. Dann machte ich mich draußenfein und frühstückte.
Der Graf schlief noch, er war erst gegen vier Uhr zu Bett gegangen, nachdem er lange unterwegs war.
Da sich der Schornsteinfeger heute vormittags angekündigt hatte, wollte ich ihn schon draußen abpassen. Außerdem hatte ich sowieso auf der Obstwiese noch einiges an Gras zu harken.
Draußen war es kalt, trotz strahlender Sonne. Aber wer arbeitet, friert nicht.
Um 11 Uhr war der Graf wach und der Schornsteinfeger kam auch. Das Kehren ging schnell, deshalb paßte wir noch einen Telekom-Dienstleister ab, der im Nachbarhaus war und der erst morgen kommen wollte. Könnte ja sein, daß er den Termin noch dranhängen möchte.
Das tat er dann auch. Wir redeten eine Stunde über die günstigsten Plätze für LWL-Kabel-Verteiler.
Als wir fertig waren, regnete es. Ich ging nach oben, um etwas zu essen. Dabei fiel mir ein, daß ich einen Brief an die Krankenkasse schreiben mußte. Das war schnell fertig. Aber der Drucker streikte. Nach einer halben Stunde basteln war klar, daß er aus irgendeinem Grund das Wlan-Paßwort vergessen hatte.
Ich machte den Brief fertig und warf ihn in den Kasten. Zurückgekehrt, machte ich mich wieder ans Harken, prüfte die Fotos der Wildkamera (neben Waschbär und Dachs ist hier nachts auch ein Fuchs unterwegs), entdeckte einen Fleck auf dem viel Knoblauchraute wuchs und pflanzte Rotbuchenschößlinge in einen Topf. Mit der Harke scheuchte ich eine Blindschleiche auf, die unter dem Gras gesessen hatte.
Gegen 18 Uhr hatte ich fertig geharkt. Ich drehte eine Runde durchs Dorf. Eigentlich wollte ich für die Enkelin winzige Lämmer filmen. Aber die waren leider weit weg vom Zaun.
Ich setzte mich noch etwas in den Strandkorb im Park. Es war wunderschön und der kalte Wind war weg.

Der Graf arbeitete noch in der Werkstatt, ich ging unter die Dusche, machte Suppe warm und heizte den Ofen an.
Da der Graf immer noch zu tun hatte, aß ich schon einmal etwas Suppe, denn ich war hungrig. Dabei kopierte ich eine Festplatte um.
Ab 21 Uhr saßen der Graf und ich dann vor dem Fernseher und hörten uns an, was alles demnächst wieder möglich sein wird. Wohl ist mir nicht dabei.
Jetzt ist es fast Mitternacht, die Katzen sind schlafen gelegt, ich bin nicht zum Stricken gekommen, aber ich bin todmüde und die Heizdecke im Bett ist schon warm.
Die anderen Tage sind hier nachzulesen.