Berufskrankheiten

Ich checke ja alle Leute darauf, ob sie ihr Alter gemogelt haben. Registriere Altersflecke auf den Händen, Hautkonsistenz beim Lächeln und den Reifegrad im Blick bei jüngeren Exemplaren.
Außerdem scanne ich immer intensiver nach Schönheits-OPs. Aufgespritzte Lippen, gebaute Brüste, Fettabsaugen am Bauch, Lidkorrektur, da entgeht mir nichts.
Mein Vater hat – ganz Kernphysiker – immer eine Formel parat, um die jeweilige Situation zu erklären.
HeMan braucht perfekte Glätte, die alte Werbermacke eben. (Dann gibt es wieder Momente, wo er von diesen wunderbaren Gesichtern der Menschen in Indien und Italien und überhaupt anderswo schwärmt.)
Filme sehe ich als dramaturgisches Skelett. Kurz vor Schluß rutsche ich im Kino auf meinem Sitz herum und murmele: Junge krieg endlich die Kurve! Oder plappere heraus: Die Frau stirbt sowieso noch. Schrecklich. Ich möchte endlich wieder nur einen Film sehen!
Im Urlaub war ich an einem Abend mit einem Berufssschullehrer unterwegs. Seine Macke: eine Frage stellen, meine Antwort abwarten und dann mit seiner Variante des Themas als alleingültiger Wahrheit kontern. Einen zweiten Abend hat es deshalb nicht gegeben.
Oder der Verflossene. Als gewesener Gastwirt grüßt er automatisch alle, die in der Kneipe, in der wir sitzen, zur Tür hereinkommen und es kommt durchaus vor, daß ihm Gäste ihre Mäntel in die Hand drücken, wenn er nur in der Nähe der Garderobe steht.

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und sonst

immer noch krank. oder schon wieder. die stunde mondfinsternis in bremen hat mir den rest gegeben. 20 stunden komaschlaf gestern. heute geht es so einigermaßen.

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eine cd dreimal hintereinander hören, das ist selten bei mir. die neue air hat es verdient. und zum ersten mal finde ich, daß hemans überdimensioniertes soundsystem nützlich ist.

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Abgesang

Am Sonntag abend in C-burg. Ein ganz schlichter Grieche, einer der schon ewig da ist, nix ambitioniertes. HeMan und ich wollen nur noch schnell eine Kleinigkeit essen. Dann bleiben wir länger und kommen ins reden, denn die Musik ist cool, Rock und Pop der 70er, mitunter auch simple Schlager. Ich singe mit. So wie die Herde, die den Tresen umlagert. Nicht mehr jung, zum Teil uralt, alle in beigefarbenen Klamotten, zerzaust, wintergesichtig, mit Bierplautzen und Tränensäcken. Sie kippen Ouzo und grölen mit.
Eine verlebt aussehende Rothaarige steht plötzlich an unserem Tisch. Ob uns die Musik stört. Wir verneinen. Im Gegenteil: tolle Stimmung und klasse Musik hier. Ja, sagt sie, das wäre gut so, schließlich wäre das die Trauerfeier für ihren Mann. Und da haben sie sich geschworen, seine Lieblingsmusik zu spielen.
Sie kam an diesem Abend noch öfter. Immer mehr in Schräglage, emotional immer aufgerissener. Erzählte davon, daß er einfach tot umgefallen sei, mit 49. Daß sie erst ein Jahr und 11 Monate verheiratet waren. Daß sie uns rät, jeden Tag zu genießen und jetzt schon zu besprechen, wie wir begraben werden wollen.
Dann kam ein Rosenverteiler. Drei rosa Rosen für mich.
HeMan begann bei so viel Konfrontation mit dem Leben rational zu räsonnieren und nach Luft zu schnappen. Ich heulte.
Als wir gingen, lag die Frau an der Schulter des Rosenmannes und schluchzte: so früh, warum bloß?

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Die Martina und der Florian

Ohne Promihippen dizzen fehlt doch was.
Das schönste an der Oscar(TM)-Verleihung war doch, daß vorher Reise nach Jerusalem gespielt wurde.
Ich stelle mit gerade das Knobelspiel vor: Ich habe vier Karten. Eine für mich, eine für meine Frau, denn die legt mir morgens schließlich immer die Sachen raus. Eine für Uli, der ist schließlich der Hauptdarsteller und auch schön bester europäischer Schauspieler geworden. Eine für Ma… Moment! Der Uli und die Martina zusammen, das wird zu anstrengend. Wo der Uli mit Sicherheit vor der Presse die Zähne nicht auseinander kriegen wird, weil ihm das mit seiner todkranken Ex-Frau und den Stasisprüchen noch tief sitzt, außerdem ist er ausm Osten, versteht nix von PR, kann kein Englisch, nee … und die Martina, naja, die ist ganz speziell, wollen sagen anstrengend, inszeniert sich stammelnd und fuchtelnd als die Komplizierte, schnappt immer gleich ein und paßt bei ihrer Figur in kein angesagtes Abendkleid. Einen Normalen will ich schon gern mithaben, wenn ich mir vor Aufregung in die Hosen scheiß‘, also muß der Sebastian mit.
Und plötzlich kommuniziert die Martina pikiert nur noch per Pressemeldung mit dem Florian. Und alle Medienweiber erklären sich solidarisch mit ihr, denn da geht ja wieder mal die totale Männerclubmasche ab. Nur als Ehefrau zum Oscar(TM) zugelassen sein, was soll denn das.
Und da besorgt der Florian mit noch mehr Schweiß auf dem Gesicht als sonst (denn er will ja, daß ihn alle lieb haben) eine weitere Karte, gibt das auch per Pressemeldung kund. Und die Gegenpressemeldung von der Martina lautet, das wäre ja nett und sie wolle prüfen lassen, ob das denn in der Kürze der Zeit überhaupt noch ginge. Und 24 Stunden bevor alle über den roten Teppich pilgern schiebt sie noch eine hinterher: es wäre leider zu knapp gewesen, als daß sie hätte umdisponieren können.
Liebe Martina, ich hoffe wirklich, daß es keinen Flug mehr gab, dein Friseur ausgebucht war und du dich für keines der angelieferten Kleider entscheiden konntest, weil der Schmuck nicht dazu paßte.
Wie heißt es so schön: It’s showtime. Und dazu gehört nur, die Schnauze zu halten, pünktlich zu sein, gut auszusehen und in die Kamera zu lächeln. Egal, auf welchen Umwegen man dort hingekommen ist. Mal abgesehen davon, daß viele die Gelegenheit gehabt hätten zu sagen: He, die Frau hat Format und nimmt sich selbst ja garnicht so wichtig, wie wir befürchtet haben! hättest du genug Gelegenheit gehabt, dem Florian in einer dunklen Ecke einer Partylocation eine reinzuhauen. Das blaue Auge hätte er nämlich verdient.
Und so ziert nun deinen geräumigen Allerwertesten sicher der Abdruck deiner makellosen Zahnreihen.

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