Berufskrankheiten

Ich checke ja alle Leute darauf, ob sie ihr Alter gemogelt haben. Registriere Altersflecke auf den Händen, Hautkonsistenz beim Lächeln und den Reifegrad im Blick bei jüngeren Exemplaren.
Außerdem scanne ich immer intensiver nach Schönheits-OPs. Aufgespritzte Lippen, gebaute Brüste, Fettabsaugen am Bauch, Lidkorrektur, da entgeht mir nichts.
Mein Vater hat – ganz Kernphysiker – immer eine Formel parat, um die jeweilige Situation zu erklären.
HeMan braucht perfekte Glätte, die alte Werbermacke eben. (Dann gibt es wieder Momente, wo er von diesen wunderbaren Gesichtern der Menschen in Indien und Italien und überhaupt anderswo schwärmt.)
Filme sehe ich als dramaturgisches Skelett. Kurz vor Schluß rutsche ich im Kino auf meinem Sitz herum und murmele: Junge krieg endlich die Kurve! Oder plappere heraus: Die Frau stirbt sowieso noch. Schrecklich. Ich möchte endlich wieder nur einen Film sehen!
Im Urlaub war ich an einem Abend mit einem Berufssschullehrer unterwegs. Seine Macke: eine Frage stellen, meine Antwort abwarten und dann mit seiner Variante des Themas als alleingültiger Wahrheit kontern. Einen zweiten Abend hat es deshalb nicht gegeben.
Oder der Verflossene. Als gewesener Gastwirt grüßt er automatisch alle, die in der Kneipe, in der wir sitzen, zur Tür hereinkommen und es kommt durchaus vor, daß ihm Gäste ihre Mäntel in die Hand drücken, wenn er nur in der Nähe der Garderobe steht.

Auch das noch: