Verstehen

Grade lese ich in der Zeit, pflaumenmusbrotkauend. Ein Artikel von Lebert Vater und Sohn über die Vater-Sohn-Beziehung. (Leider nicht zu verlinken.)
Manchmal passiert es noch, daß es über mich hereinbricht, so wie gerade eben. Daß mir das Pflaumenmusbrot auf den Teller zurückfällt und die Buchstaben verschwimmen.
Ich bin dankbar für die Tochter. Diese kleine, spröde, zarte und doch so geerdete Elfe mit ihren Honiglocken. Die mich immer wieder beschämt, weil sie viel natürlicher, grader, achtsamer und selbstverständlicher in die Welt geht als ich damals.
Und dann schwebt irgendwo da draußen der Sohn. Den ich nicht empfangen habe. Der fehlt. Jetzt hätte ich den Vater dafür. Der erste wirkliche Mann nach all den Jungs. Aber das Messer war schneller und hat mir diesen Weg abgeschnitten. So ist es.

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ich habe

mich auch ins 2nd life gewagt.
wem in den letzten tagen ein dickes wesen namens sweetlady oh mit mißfarbenen haaren und einem unförmigen rock auffiel, das da durchs virtuelle trampelte, das war icke.
hab mich extra häßlich gemacht, damit mich auch niemand anmacht, frau hört ja via glam, was dorten alles passieren kann.
die koordination der maustasten muß ich noch lernen, laufen kann ich das noch nicht nennen.
und: wunderliche welt. sex sells. und glücksspiel auch. die adult-content-bereiche und die pokerhöhlen sind überfüllt.
bei ibm dagegen im house of horizons herrscht gepflegte leere. dasselbe bei einem hdtv-anbieter. bei sony ericsson dagegen treten sich die dienstleister beflissen auf die füße: hostessen, berater, roboter. heute früh 10 uhr schien ich die einzige am virtuellen messestand zu sein…
warum? liebesdienst. heman war zeitgleich in echt auf der cebit.

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Ich bekenne

Wir haben eine neue Sucht, sagt zumindest die Süddeutsche. Wir sind süchtig nach Sonne.
Ja. Mit dem Rauchen habe ich so meine Probleme, ich habe einfach zu spät angefangen. Beim Saufen stören mich die dicken Augen am nächsten Tag. Sex kann frau auch nicht ständig haben. Beim Fressen stoße ich spätestens nach der zweiten Schokoladentafel an meine Grenzen und Arbeiten mag ich auch nicht dauernd. Zu Rauchendes und zu Schnupfendes lasse ich mal ganz außen vor, das ist mir zu albern (Kontrollverlust!) und zu teuer.
Also Sonne. Natürlich. Sobald sie scheint, krieg ich ein fettes, unnatürliches Grinsen ins Gesicht. Werde euphorisch und schlafe weniger. Reiße mir die Klamotten bis zur Anstandsgrenze vom Leibe. Aber ich muß nicht braun werden. Wozu? Das gibt Falten.

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Fleischlust

Eigentlich ist Fastenzeit. Ich jedoch steige aufs Rad und fahre nach Rixdorf. In der dortigen Fleischerei haue ich mir den Ranzen voll: ein Kilo Hackepeter (das Kind lernt heute Kohlrouladen machen), vier große Blutwürste, sechs Monsterrouladen (damit sie demnächst Rouladen machen lernt) und zwei Stücke Kaßlerrippen für HeMans Grünkohlexzesse.
Das Rindfleisch dort ist gut abgehangen, das Kaßler wird aus der Räucherkammer geholt und die Würste sehen aus wie aus Ebenholz geschnitzt. Es ist alles wesentlich billiger als beim italienischen Feinkostladen oder diesen Beutelschneidern von Butter L*ndner. Und ich bin froh, daß meine Oma und meine Großtante noch die Geduld hatten, mir die gutbürgerliche deutsche Küche beizubringen. Und ich gebe sie gern weiter, denn ich fürchte, sie stirbt sonst aus…

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