Nichts ist peinlicher für eine Frau, die mitten im Leben steht, als ständig Hormone zu haben.
Als würden vier Kilo östrogenbedingte Speck-Wasser-Mischung nicht reichen, die mir der Hormonkoller des letzten Vierteljahres gebracht hat.
Nein, jetzt stehe ich grade vor einem Migräneanfall. Dem ersten seit ungefähr fünf Jahren.
Lieber Gott, hast du eigentlich gepennt, als du damals dieses Weibchen aus mir gemacht hast? Hast du zufällig nach der falschen Seele gegriffen? Ich möchte bitte einen drahtigen Modellathletenkörper, den es maximal in den Muskelfasern zieht, weil gestern der Kampf mit dem Mammut eine Stunde zu lange dauerte.
Aber so wat, nee!
Prokrastination für Fortgeschrittene
Immer mal wieder überkommt mich der Gedanke, daß ich morgens einfach nicht aufstehe, höchstens um alle Telefone endgültig zum Schweigen zu bringen. Daß ich mich ausschlafe, um dann in aller Ruhe in einem Straßencafé zu frühstücken, die Zeitung zu lesen und zu überlegen, was ich als nächstes tue.
Vielleicht auf eine Wiese legen und noch etwas schlafen. Oder lange in einem kühlen See schwimmen, bis mich die Haubentaucher für einen Wasservogel halten und knapp neben mir auftauchen. Dann durch eine Stadt flanieren, ohne Ziel. Etwas essen. Leicht und würzig, dazu Weißwein.
Dann ein kurzer Nachmittagsschlaf in einem kühlen Zimmer mit weißen Vorhängen. Vielleicht mit jemand zusammen, der warme, glatte Haut hat und gut riecht.
Und weiter reicht die Phantasie gar nicht. Nur für den Wunsch nach dem Befreiungsschlag: Keine Mails checken. Niemandem einen Rückruf versprechen. Nicht fassungslos vor Vergessenem stehen. Keine Bilanzen, keine Kontostände, keine Termine, keine toDo-Listen, keine Korrespondenzstapel.
Ich bin so müde, so müde.
Diese Studenten
Ich war der Meinung, daß es sich langsam herumgesprochen hat,. daß für Bewerbungen eine seriöse Mailadresse ganz sinnvoll ist.
Heute trudelten bei mir eine bibomaus und zwei as_twins ein…
Gardinen
Die andere Oma (die für mich auch immer „die andere“ hieß) lebt ja noch. Und das, obwohl sie seit 38 Jahren sterben will. Bei jeder Gelegenheit verteilt sie das Erbe, beschimpft das Leben, sich selbst und ihre langwierige Existenz auf Erden. Es ist immer wieder herzerfrischend, ihr zuzuhören.
Seit ich meine erste Wohnung mein eigen nannte, haben wir eine Diskussion über das Aussehen meiner Fenster. Ich hänge prinzipiell nur Gardinen vor die Scheiben, wenn mich Leute bei Intimitäten sehen könnten. Oma wird das wohl nie begreifen:
Sie: Mädel, du brauchst Gardinen.
Ich: Brauche ich nicht.
Sie: Aber das sieht doch aus wie bei den Russen. (in holländische Fenster konnten wir leider nicht sehen)
Ich: Mir doch egal.
Sie: Ich bezahl sie dir auch.
Ich: Das ist nicht nötig.
Sie: Aber ich schäme mich doch so!
Ich: Also, ich habe nichts zu verbergen.
An richtig guten Tagen sprang die Diskussion wieder auf den Anfang zurück.
Nun ist die gute Oma ins betreute Wohnen gezogen. Und meine Mutter drängelt (wir erinnern uns, sie kann auf keine Leiter mehr steigen), daß ich komme und mich um die Anpassung der Gardinen kümmere. Ich, um Gardinen. Hervorragende Idee.