18 Jahre

Vor zwei Stunden rauschte eine Mail in mein Postfach, die mit „Lange her“ überschrieben war.
Klassenkamerad (die meisten Namen habe ich längst vergessen)? Kommilitone (dafür waren wir zu wenige)?
Kulinarische-Kurzzeit-Affäre (O.m.G.)!
Ich war jung, verfressen und neugierig auf die Welt und er war gut situiert und brauchte Gesellschaft beim Essengehen und plaudern. Nachdem ich ihn von meiner Freundin, die in die Schweiz ging „geerbt“ hatte, saßen wir jeden Mittwoch in einem anderen Restaurant. Mit ihm aß ich Rucola, als er noch seltener italienischer Import war und trank meinen ersten Champagner. Ich pickte im Elsaß einen Zweig Rosmarin aus dem Lammcarree und fragte ihn: „Muß ich die Tanne mitessen?“ Da er jegliche Delikatesse für normal hielt und ihm Belehrungen abgingen, habe ich erst hinterher rekonstruiert, was ich eigentlich aß und wie es zu bewerten war, außer, daß es genial schmeckte.
Es war eine wunderbare Zeit, bis er sich in mich verliebte. Denn diese Sinnlichkeit lag für mich auf der falschen Wellenlänge. Wir verbrachten ein recht spannungsgeladenes Wochenende im Tessin, zusammen mit der Freundin, die einerseits in ihn verliebt und andererseits gerade lesbisch geworden war. Bei den nächtlichen Fahrten um den Luganer See hörten wir Vivaldi, die Freundin dirigierte weinend auf den Beifahrersitz und ich saß hinten und überlegte verzweifelt, wer denn jetzt in wessen Bett schläft, ohne daß Tragödien ihren Lauf nehmen würden.
Zurückgekehrt, schlug ich sein Angebot, eine Wohnung für mich zu mieten, aus und zog mich komplett zurück. Wir hörten nichts mehr voneinander, bis er heute über meine Homepage stolperte.
Auf der ein vier Jahre altes Foto zu sehen ist, auf dem ich viele Kilo weniger wiege. Er wiederum war schon damals alt in meinen Augen und nun muß er einiges über 60 und noch immer kleiner sein als ich.
Mittlerweile habe ich an vielen Orten hervorragend gegessen und kaufe Wein nicht nur nach Etikett.
Ich glaube, ich antworte nicht. Alles hat seine Zeit.

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Fotos aus der Produktion I

Jetzt aber!
Zunächst eine von unseren Werktätigen, rep. der Bestarbeiterin Kitty gestrichene dezent graue Wand:

wand1

Weiters eine dezent sandfarbene (rechts im Bild die verputzte Wand):

wand2

Und dann die Diva, der Stuccolustro, pompejanisch rot:

wand3

Das dunkle Quadrat zeigt den pigmentierten Kalk geseift vor der Trocknung, rechts daneben ist er trocken und auf Glanz poliert. Unten rechts, wo das Werkzeug steht, ist er dazu gewachst und gebügelt.
Meine Hände sind voller Blasen, aber es lohnt sich.

(Wobei ich mir den Rotton eher kräftiger vorgestellt habe, nicht so ähm … muschelrosa.)

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Immer noch Endspurt

Die längste Wand gestrichen. Eine Mischung aus Kreide, Umbra-Erde und dunklem Ocker sieht nach Sand aus, wer hätte das gedacht.
Der Stuccospachtel ist wunderschön, aber kapriziös, vor allem an so heißen Tagen wie dem gestrigen. Heute muß er poliert werden. Mit heißem Eisen. Ich hab jetzt schon Blasen an den Händen.

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