12.10. 10

Gott sei Dank ein etwas trüberer Tag, so sah ich mich vorerst nicht unter dem Druck, vor die Tür zu gehen.
Ich verbrachte 2 Stunden mit einem Formular, das mir Geld sparen soll. Das tun wir doch gern. Grmpf. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum ich gern Geld verdiene. Ich muß meine Zeit nicht für solche Bettel-Formulare verschwenden, sondern zücke in aller Freiheit meine Geldbörse.
Am Nachmittag wurde der Hunger dann sehr groß. Wenn ich zu faul bin, mir etwas zu essen zu machen bzw. dann sowieso nur zu Pfennings Geflügelsalat mit extra viel Mayonnaise greifen würde, mache ich mir so einen im Trockenzustand wunderbar nach Fischmehl riechenden Diätshake. Aber einmal am Tag sagt mir das innere Rumoren: Ick will wat Ontliches! Ok., ok., da muß ich dann wohl losgehen, denn Bestellen geht nicht mehr, das Bargeld ist alle, die großen Briefumschläge auch. Olivenöl wäre auch nicht schlecht, denn im Kühlschrank liegen Kartoffeln, im Regal steht das Meersalz von Matteo Tedesco und auf dem Balkon steht ein Rosmarinbusch.
Also brachte ich mich in einen stadtfeinen Zustand und radelte die Akazienstraße entlang. Für Nichtberliner: Die Akazienstraße ist gepflastert mit Eso-Hippie-Fernwehstätten, man könnte fast sagen, sie möchte das Tor zu einer besseren Welt sein.
Ich machte das volle Menopausenprogramm: kaufte eine Hand voll Rosenquarzbrocken für die Aufladung meines Trinkwassers, Käse, Öl und Wein im italienischen Feinkostladen, eine „Brigitte“ mit Herbststrickmustern und setzte mich in ein indisches Restaurant. Leider mußte ich feststellen, daß ich ohne Lesebrille nur noch die Werbeanzeigen sehen kann. Das Dossier „Macht Sex mehr Spaß, wenn man mehr darüber weiß?“ blieb daher leider unstudiert. Aber das Essen war gut.

Zurückgekehrt schlug ich die Flacheisen für die Gardinen, die ich auf dem Weg in einem Old-Fashioned-Gardinenladen gefunden hatte, in die Wand. Ein Desaster. Ich wollte mir ersparen, die schöne gespachtelte Wand mit Bohrlöchern für die Stahlseile aufzureißen und so fielen mir Putzbrocken durch die Hammerschläge entgegen. Dann bügelte ich eine Stunde lang meine selbstgenähten und -gefärbten zartblauen Musselinvorhänge und knüpfte sie auf. Es sah Sch… aus. Aber wahrscheinlich mußten sie sich noch aushängen. Ich würde sie ohnehin nur abends benutzen, bin ja nicht so der Gardinentyp.
Mit dem Vorhang vor dem Bett hatte ich mehr Glück. Die Bettnische des kleinen Zimmerchens hat eine in die Decke eingelassene Vorhangschiene, nachdem ich nun T-Schienen-Gleiter und Stopper gefunden hatte (Nicht zu fassen, die hatte meine Mutter früher kiloweise zu Hause!), hing ich zwei Überschlaglaken an, die noch aus der Weißnäherinnenwerkstatt einer Urgroßtante stammen.
bett
Das sieht allerdings sehr gemütlich aus. Ist es auch, wie ich ein paar Stunden später feststellen durfte.

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11.10. 10

Ein reiner Arbeitstag.
Es lief wie geschmiert, endlich kam ich mit den Internetsachen für den neuen Job voran. Flow muß ich immer nutzen. Ich bin nicht der Typ, der sich hinsetzt und auf Abruf arbeitet, bzw. meine Jobs waren nie danach. Ich stecke schließlich keine Kugelschreiber zusammen.
Am Nachmittag aß ich dann doch mal was vernünftiges, nicht diese Eiweißshakes mit Sojamilch, sondern Scharfes und Fettes vom Chinesen.
Danach haute es mich mal wieder um. Mein Gedanke war: leg dich mal kurz hin (das war kurz vor 18 Uhr) und ich wurde kurz vor 21 Uhr wieder wach.
Ein guter Ansatz für eine zweite Schicht, wie ich fand und bastelte weiter. Gegen zwei Uhr hatte ich dann plötzlich die richtigen Worte in der Navigationsleiste stehen, hatte aber so viele chaotische Dokumente angelegt, daß ich in meiner Navigation nicht mehr durchsah.
So langsam geht es nicht mehr nur um den Text, sondern ich muß mir um das Layout Gedanken machen. Ich bin eine Weißraumfetischistin. Deshalb fuhr ich wahrscheinlich auch auf diese Seite so sehr ab. Aber wenn ich da richtig in den Quelltext geschaut habe, sind das zum guten Teil Grafikblöcke (daher die geile, unbrowserhafte Typografie), die mit Typo3 aneinandergeleimt sind. Hm. Wenn ich so was ähnliches im Look hinbekomme, fände ich das gut.
Nachdem ich spätnachts noch alle Bilder in sämtlichen Netzwerken ausgetauscht hatte (wurde Zeit, fand ich, ich konnte das kleine Mangamädchen nicht mehr sehen) fiel ich gegen 3 Uhr ins Bett. Und ich bekam von jemand anders, der noch wach war, ein kleines Schlaflied getweetet @kittykoma < blink >Schlaf schön< /blink > *hach*

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9.10. 10

Ein relaxter Tag in Kurzfassung:
Kaffee, Zeitung und Schokolade im Bett.
Badewanne.
Rumpusseln.
Mittagsschlaf.
Ringelnatz-Lesung. Kuttel Daddeldu erzählt seinen Kindern Das Märchen vom Rotkäppchen und zeichnet ihnen sogar was dazu ist herrlich und man weiß hinterher, wo Walter Moers seinen Käpt’n Blaubär her hat.
Sushi.
Falling Down auf DVD gesehen. Komisch, daß ich vom Erstsehen in den 90ern im Kopf hatte, daß der Typ mordend durch die Gegend zieht. Was nicht stimmt. Sein einziger Mord ist gerechtfertigte Notwehr. Der Rest Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung und Sachbeschädigung.

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8.10. 10

Endlich Freitag.
Obwohl ich mttlerweile kaum noch in diesen Kategorien denken muß. Was waren das für Zeiten, als ich am Sonntag nachmittag das kalte Grausen bekam und am Donnerstag abend fröhlich wurde. Zur Zeit ist das nicht angesagt.
Diesen Tag widmete ich dem Kapitel „Ordnung im Nestchen“. Ich fand für Sperrgut einen Platz, putzte endlich mal ordentlich durch und baute die kleinen Tischchen auf, die ich bei IKEA im Sonderangebot erstanden hatte. (Man kann sie nicht einmal mehr verlinken, es gibt sie nicht mehr.) Hübsche Teile, groß genug für ein Dinner for One oder einen Tea for Two, aus schwarz gebeiztem Gummibaumholz, einer hoch und rechteckig und zwei niedriger und quadratisch. So gebaut, daß sich die beiden quadratischen Tische nebeneinander unter den rechteckigen schieben lassen. Theoretisch. Wenn nicht die beiden kleinen Tische zwei oder drei Millimeter zu breit wären. Mit verkanten und schieben geht es. Für den akkuraten Menschen heißt dies aber: Schelifen oder hobeln, beizen und polieren. Argh!
Das aufgeräumte Nestchen hat einen kleinen Tanzplatz in der Mitte bekommen. Nun fehlt noch ein gemütlicher, nicht zu großer Sessel zum Beine hochlegen, damit ich in der Freizeit nicht immer in der Horizontalen auf der Tagesdecke des Betts herumlümmele.

Der Abend gehörte dem EM-Qualifikationsspiel. Ich saß mit HeMan in Kreuzberg in diesem netten kleinen türkischen Grillrestaurant, wo das Fleisch noch per Messer haschiert wird. Wenn ich den Hals reckte, konnte ich den Fernseher sehen.
Der größte Tisch war für eine Herde Volksbühnendarsteller reserviert, die nach und nach zum Probenende eintrudelten. Ich dachte mir: Wie nett, die wollen heute alle Fußball schauen. Weit gefehlt. Sie begannen schon vor dem Essen mit ner Pulle Raki einen Geburtstag zu feiern. Laut und ungeniert, wie Theaterschauspieler nun mal sind. Sie erzählten sich mit Stütze in der Stimme ihre ewig gleichen Geschichten: Und als ich Nackt auf der Vorbühne stehe, da sitzt so ein Idiot in der ersten Reihe, der hat damit ein Problem. Das Gegenüber: Nee! Wirklich? Die Erzählerin: Ja, son pensionierter Polizeioffizier, der hat mich hinterher angezeigt. Soller doch nicht ins Theater gehen!
btw. An diesem Tisch saß niemand, den ich hätte freiwillig nackt sehen wollen. Auch nicht als Provokation (Gähn!).
Nun habe ich mit solcher Art Gesprächen acht Jahre verbracht. Mit neunzehn hat mich das noch fasziniert. Drei Jahre später wußte ich, daß diese Themen in einer Endlosschleife vor immer den gleichen Zuhörern laufen.
Nach dem Essen zogen wir weiter. Wir kamen in der Halbzeitpause bis zum Bateau Ivre und fanden tatsächlich einen freien Platz an der Theke. Der größte Teil der Stammgste war schon schwerst in einer Stimmung, die man nur noch als introvertiert bezeichnen konnte, da sie sich vor allem darauf konzentrierten, sich auf den Beinen zu halten und ihre Drinks nicht zu verschütten.
Neben mir stand ein mittelschwer angesoffener Tüp, der ununterbrochen in breitem Hessisch auf ein blondes Mädel einredete, die ihn vorbildlich supportete: Echt? Wirklich! Ja Wahnsinn! und so Zeug. Was ihn zu noch mehr Profilierung anspornte. (Gehts noch? Wir wollen hier alle Fußball sehen!)
Er erzählte Blondie von seinem Privatschullehrerjob. Daß seine Chefs alles dämliche Zonies seinen, die krass autoritäre Sachen von ihm verlangen würden. Er sich dann aber schlichtweg weigere und sein Ding durchziehe und sich niemand traue, ihm an den Karren zu fahren. etc. pp. Ich hatte nicht übel Lust, ihn in seine Zone zurückzuschicken, wo wahrscheinlich alle diesen schlimmen Dialekt sprachen.
Nach dem Spiel brachen einige Türken mit ihren Autos in Richtung Kudamm auf, um dann eben den deutschen Sieg und Özils Tor zu feier und ich war dann doch mittelprächtig bettschwer.

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