Ich habe bei meinem Berufs-Switch immer gesagt: Ich will in Zukunft Menschen zu Technik beraten, sprich: an der Schnittstelle zwischen Individuum und Internet. Ich habe neben meinem Beruf viel und mit großer Leidenschaft in diesem Bereich gearbeitet. Das will ich nutzen.
Nun ploppt immer wieder das Coaching hoch. Potentielle Auftraggeber wollen Angebote und Konzepte von mir. Ich habe 15 Jahre Karriereberatung gemacht. Mit allen Details. Von konkretem Bewerbungstraining bis hin zu langfristigen Lebens- und Berufsplanungen, incl. Analyse und Strategieentwicklung.
Argh!
Ich finde einfach keine Worte dafür. Ich habe weder Personalmanagement studiert oder Psychologie, noch habe ich einen esoterisch-ganzheitlichen Ansatz. Dafür habe ich aber 15 Jahre Berufserfahrung in einem knallharten Bereich.
Verkauf das mal einer.
10.10. 10
42. ich weiß. Ich ließ das Handtuch trotzdem zu Hause.
Irgendetwas hatte mich geritten, ich wollte unbedingt das Berliner Art Forum sehen.
Da ich einige Jahre mit einem als Ausstellungsmacher und Kunstjournalist tätigen Menschen verheiratet war, kenne ich diese Bühne ein wenig. Und habe irgendwann beschlossen, daß es mich nicht mehr interessiert, solange es kaum noch um Inhalte, sondern um konzeptionelle Kaleidoskopspiele geht. Beim Theater ist das ähnlich.
Ich habe vor allem Sperrholz- und Laubsägearbeiten im Kopf behalten. Manche chaotisch und manche akkurat geleimt.
Es gab sogar ein konservativ gemaltes Ölbild auf Leinwand und ein großformatiges Aquarell. Bei letzterem wunderte ich mich, daß nicht wenigstens die Erklärung angeheftet war, daß der Künstler die Farbe mit seinem eigenen Pipi angerührt hat.
Ein Werk hat mich gepackt. Es war auf der abc zu sehen. Via Lewandowski läßt Schwarzfilm in einer Endlosschleife von einem Tonabnehmer-Diamanten zerkratzen. Das Ergebnis dieser langsamen, behutsamen Zerstörung wird sichtbar und hörbar gemacht. Das gefällt mir, weil es ist, was es ist. Nicht mehr und nicht weniger.
Der Abend gehörte dem besten Freund. Wir waren lange nicht mehr so entspannt. Was aber auch zum Ergebnis hatte, daß wir nicht durch die Themen jagten. Ihm geht es gut, der Job ist mehr als ok., die Beziehung, das, was er für erreichbar hält, die Mädels wohlgeraten. Mir geht es gut, ich bin auf dem richtigen Weg und alles weitere kommt wie es kommt. Ich gewöhne mich an meine alleinige Existenz und das Kind geht seinen Weg. Also saßen wir zwei Stunden im Berkis und grinsten uns entspannt an.
7.10. 10
Postfotografischer Kater: Man fühlt sich immer so leer, wenn man erst mal so viel geballte Aufmerksamkeit hatte. (man=ich)
Ich pusselte seit dem frühen Moregn am Schreibtisch rum und räumte noch etwas im Nestchen. Aber so richtig was stemmen konnte ich heute nicht. Aus dem letzten Karton fielen mir noch Schmuckstücke entgegen. Unter anderem ein Fußkettchen mit winzigen Schellen, das ich mir im Alter von 36 Jahren gekauft hatte und tatsächlich trug. Naja so für zwei Tage, bis mir diese hohen Töne extrem auf die Nerven gingen. Außerdem sind meine Knöchel nicht fußkettchengeeignet, zu sehnig und knochig. Dafür braucht man sicher eher glatte Patschfüßchen.
Meine Shivas-Eye-Kette bleibt dagegen verschwunden. Schade, ich wollte sie endlich reparieren lassen.
Von allen Sachen, die ich zu Tage geförtdert habe, bleibt eine unverstaut, weil ich sie eigentlich nicht brauche, aber um Himmels Willen nicht wegwerfen will.

Zur Erklärung: das sind zweimal gut ein Meter oder mehr feiner Baumwollbesatz mit eingewebten quasiexpressionistischem Dekor. Stammt aus dem Oberlausitzer Kurzwarenladen meiner Urgroßeltern und ich würde es mal auf 30er Jahre datieren. Bei Interesse bitte melden (yes ät kittykoma.de), dann packe ich es in einen Briefumschlag.
Irgendwie komme ich nicht umhin, obwohl ich mir in der Hinsicht einen Maulkorb verpaßt habe, laut über meine komische Existenz nachzudenken. Ich würde es mittlerweile als Berliner Beziehung bezeichnen. Die Berliner Beziehung ist immer dann zumindest für einen Partner interessant und zugewandt, wenn sie entweder noch nicht als Beziehung definiert ist oder das Trennungsgespräch in beiderseitiger Übereinstimmung stattgefunden hat.
Einer sagt sich: Was soll der Sch…, ich mach jetzt mein Ding, es reicht mir und macht sein Ding und der andere ist daraufhin aufmerksam und liebevoll. Nachdem er vorher Jahre geleugnet hat, Bedürfnisse wie Liebe und Nähe überhaupt zu empfinden.
Ich werde den Verdacht nicht los, daß es hier nicht um mich geht, sondern um ein Bild von mir und eine Projektion von Beziehung. Sorry, ich lasse mich ungern als Lichtdouble besetzen.
Am Nachmittag killte mich das Sandmännchen für zwei Stunden und so blieben geplante Arbeiten liegen. Die alte Homepage muß einen Abspann bekommen und ein Konzept muß geschrieben und verschickt werden.
Herrgottsakrament!
Am Abend folgte ein Bügelexzeß, gepusht von 3 Folgen Die Nanny.
Gestern hatte irgendein Depp auf Twitter ellenlang mit Kierkegaard oder einem anderen Philosophen begründet, warum Frauen nicht witzig sein können. („weil sie ihre Anmut verlieren“)
Frauen sind dann nicht witzig, wenn Männer nicht mögen, daß sie ihnen die Schau klauen.
Sieh dir „Die Nanny“ an und geh sterben. Die Frau ist urkomisch, weil hübsch und anmutig – für die Begriffe ihrer Figur. Ausnahmsweise mal eine Komikerin, die nicht fett und/oder häßlich sein muß, um als witzige Frau akzeptiert zu sein.
Und man kann Bügeln dabei, ohne sich die Pfoten zu verbrennen. Das ist wahre Qualität von TV-Programm.
Oktober
Da ich nun so einen schönen Hofausblick habe, gibt es (wenn ich daran denke) 12 Monate lang ein Foto.
