16.10. 10

Fauler Samstag.
Das heißt, zuerst ging seit langer Zeit mal wieder den Kudamm entlang und versuchte mich in Shopping.
Wie jedes Jahr träumte ich von einem smarten schwarzen Strickkleid und erfuhr wie immer eine prompte Ernüchterung in der Umkleidekabine. Ich bin hüftmäßig noch nie ein Strickkleidtyp gewesen. Mal abgesehen davon, daß Stefanel für Italienerinnen gemacht ist. Die haben schmale Schultern und hohe Taillen. Bei Tommy Hilfiger hatte ich wie immer den Eindruck, mich in die Kinderabteilung verlaufen zu haben. Dort werden prinzipiell nur XS- und S-Größen rausgehangen. Aber ich fand einen coolen Strickpullover in der Männerecke.
Dann verlief ich mich in einen Laden, den ich sehr mag, in den ich mich aber selten reintraue. Das Geschäft ist winzig, aber voll mit raffinierten, sehr erwachsenen Klamotten. Die Inhaberin, eine resolute ältere Dame, läßt einen erstmal ablegen und dann zieht sie einen wieder an. Und das ist jedesmal der Hammer. (aber auch ein Preishammer!) Diesmal konnte ich mich nur inspirieren lassen, denn die Sachen, die sie mir vorschlug, die mich in einen abgeklärten Blaustrumpf mit japanischem Anstrich verwandelten, hätten um die tausend Tacken gekostet.
Dann hielt ich etwas Mittagsschlaf, denn für den Abend war Party angesagt. Danach hübschen: Haare schönmachen, Gesicht aufmalen, irgendwie verhüllen (das macht derzeit keinen Spaß!) und das Geburtstagsgeschenk einpacken.

Ich lief mit HeMan beim Freundekreis auf. Ein schöner, wenn auch für diesen Kreis erstaunlich kurzer Abend. Ich war aber die ganze Zeit unzufrieden mit mir, weil ich ständig falsche Töne anschlug. Spöttelte, zu laut lachte oder in Schweigen versank. Ich lag innerlich quer, warum auch immer. Aber ich stand nicht auf der Bühne, deshalb war es ok.

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15.10. 10

Watt’n fieser Regentag. Ich machte mich auf den Weg, ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Aber das, was eigentlich gedacht war, war sehr kompliziert zu besorgen. So bestellte ich einen meiner Lieblingsfilme gleich in mehreren Exemplaren, für mich und zum Verschenken.
Beim Gang den Tauentzien entlang erstand ich auch noch eine Yogamatte (Motivation!) mit Tragetasche aus Leinen in 70er-Jahre-Lindgrün und aufgesticktem Mandala. Das Teil würde ich als erstes Schwarz färben müssen, bevor ich mich damit auf die Straße traue.
Dann motivierten mich Regen und Kälte zum einzigen MUSS-Kauf dieser Saison. Ich brauchte dringend warme, wasserfeste Schuhe, die lange Strecken durchhielten. Bin schließlich keine Autofahrerin mehr, die die Strecke vom Parkplatz zum Haus mit dünnen Sneakers bewältigen kann. Aber auch die waren schnell gefunden. Rot sind sie.

Ins Nestchen zurückgekehrt, drückte ich mich vor den eigentlichen Anforderungen des Lebens, indem ich im Bad werkelte. Da noch Mittagsruhe war, zeichnete ich zunächst alle Bohrlöcher an. Sehr sorgfältig, unter Zuhilfenahme von Wasserwaage, rechtem Winkel und Zollstock.
Für das Duschrollo hatte mir HeMan Federklappdübel gegeben. Nette Sache, solange man schaut, ob nicht ein paar Zentimeter über der Bohrung in die Decke ein Balken liegt. Ich schraubte und schraubt und schraubte und wunderte mich, warum die Decke Risse bekam. Ganz einfach, ich drückte sie mit dem Dübel brutal vom Balken weg nach unten. Deshalb leimte ich in die eine Seite Gipskartondübel ein und reparierte die Risse in der Decke ebenfalls mit „Kleben statt Bohren“. Das ist tolles Zeug, zumindest bis zum Auszug. Ich sehe jetzt schon das Loch in der Decke vor mir.
Dann waren die Glasborde dran. Bohren, Dübel einschlagen, Beschlag festschrauben und feststellen, daß einer von Sechsen so schief hängt, daß man heulen möchte. Nachbohren und Korrektur mit ins Loch geschlagenen Streichhölzern ändert auch nicht viel… Ach F…, so lange die Glasplatte reinpaßt, gehts, da wird einfach eine Shampooflasche davorgestellt.
Der Spiegel war ein Kinderspiel und nun die Lampe. Hübsches Teil, minimalistisches Design, für Möbelschwedenverhältnisse nicht ganz billig. Die Aufhängung war schnell angeschraubt, auch das Kabel klickte sich gut ein. Ich meißelte noch ein bißchen Platz frei, um das Kabel hinter der Lampe nach oben zu führen und öffnete die Feuchtraumverteilerdose. Man muß wissen, daß dieses Bad nur zwei Kabel hatte, die aus der Wand kamen, um eine Lampe zu versorgen. Dann hatte jemand über Putz sehr korrekt, aber mit gräßlich häßlichen Teilen, noch eine Steckdose installiert (die natürlich nur funktioniert, wenn im Bad das Licht brennt). In dem Verteiler lag ein Wust von Kabeln. Mit Plastikfolie eingeschlagene, deren Farbe ich nicht erkennen konnte und Normalfarbige. Eine grün-gelbe Ader steckte mit einer blauen zusammen in der Lüsterklemme. In mir trötete ein Alarmsignal: *Error*Error*Error* Das darf nicht sein! Masse auf Phase!
Andererseits rief ich mich zur Vernunft, denn weder der Fön, noch die Zahnbürste hatten sich nach Strom auf dem Gehäuse angefühlt. (Ich bin ein lebendiger Kriechstromdektektor, hatte ich das schon mal erwähnt?) Mein Phasenprüfer hatte sich nach jahrzehntelanger Dienstzeit verabschiedet. Argl! Mit meinem Vater wegen eines Ratschlags zu telefonieren hätte bedeutet, daß er mir einen mindestens halbstündigen Vortrag über Elektroinstallation ohne für mich brauchbare Informationen hielt und mich dann mit den Worten verabschiedet hätte: Mädel, laß die Finger davon!
Ich warf das bei Twitter in die Runde, und siehe da, Texas-Jim gab den richtigen Hinweis: Altes Haus? Nur zwei Leiter verlegt? Klassische Nullung. Also sortierte ich das Kabelchaos, die dumme Frage hätte ich mir nämlich sparen können, wenn der Phasenprüfer funktioniert hätte. Es hatte jemand einfach beim montieren des Lampenkabels braun und blau vertauscht, was ja beim Endgerät auch eigentlich egal ist.
Das hätte ich dann mal. Jetzt nur noch die Lampe festmachen mit dem in der Gebrauchsanweisung beschriebenen „Click!“ in Pfeilrichtung. Was für ein Wunschtraum. Ich versuchte es längere Zeit, dann schraubte ich die Halterung noch mal ab und testete das Einklicken erst einmal so. Aha, auf sehr energischen Druck tat sich da auch was. Ich schraubte das Teil wieder an und positionierte die Leiter so, daß ich mein derzeit doch beträchliches Körpergewicht voll auf die Halterung verlagern konnt. Siehe da, nach nicht mal einer Stunde und einigen energischen Schlägen, bei denen ich betete, daß die Lampe sie aushielte, gab es ein leises „Zapp“, die Lampe hielt und ich war happy.
Die Installation der Waschmaschine verschob ich auf Montag, denn ich hatte einen Bärenhunger. Ein schnelles Curry beim Tubi wurde eine Riesentafelei, weil der Meister hier noch eine Kostprobe und dort noch ein Teechen brachte, denn ich war die einzige Frau allein am Tisch. Ich rollte Richtung Heimat und plumpste ins Bett, um das Essen in isolierendes Fett zu verwandeln. Denn bald würde es Winter sein.

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14.10. 10

The Day After.
Nach diesem unguten späten Abend, der mich um Mitternacht auf dem Fahrrad wütend quer durch die Stadt trieb, war mir nach etwas, das nur mit mir zu tun hatte.
Mein MacBook schaltete sich im Minutentakt eigenmächtig in den Ruhezustand (das macht es öfter), ich interpretierte das als Streik, nahm meine Handtasche und fuhr zu IKEA. Das Nestchen ist fast perfekt, nur das Bad hat noch den Charme eines Jugendherbergswaschraums aus den 50ern. Ich kaufte Borde, eine Lampe und statt eines Duschvorhangs, der den ohnehin winzigen Raum noch mehr verkleinert hätte, nahm ich ein Duschrollo. Natürlich fand auch jede Menge Krimskrams den Weg in den Korb. Eine recht solide kleine Pfanne, Rührschüsseln, Bratenwender, Spülbürste und jede Menge Energiesparlampen. Bei den zu erwartenden Energiekosten wollte ich wenigstens im Vorhinein sparen (owohl ich Ersparnis bezweifele, angesichts der Preise der Leuchten), denn mein Heißwasser kommt aus dem Elektrodurchlauferhitzer.
Damit war der Arbeitstag dann auch so gut wie um. Ich erledigte noch dies und das, schob die restlichen Texte für die Homepage auf den Abend und fuhr nach C-Burg. HeMan hatte auf Pflaumenpfannekuchen eingeladen. Die Pflaumen sind dieses Jahr nicht so super und ich dachte mit Wehmut an die vielen Kilo, die im sardischen Nachbargarten auf den Boden fielen. Aber man sollte auch nicht um verschüttete Milch weinen. Außerdem waren die Teilchen, trotz saurer und wenig saftiger Pflaumen sehr lecker. Man mußte nur ein paar Löffel Zimtzucker mehr draufstreuen.
Dann cshrieb ich endlich die letzten zwei Homepageseiten fertig. Es hört sich so an, als würde ich einen Roman verfassen, aber in Wahrheit ist wenig, gut und treffsicher schreiben sehr viel schwerer als endlos Seiten füllen.
Gegen Mitternacht gingen der Laptop und ich dann schlafen.

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13.10. 10

Was für ein Herbsttag. Blauer Himmel, warme Sonne…
Ich sah zu, daß ich meine Arbeit so schnell wie möglich erledigte und schwang mich mittags aufs Rad. Am Winterfeldplatz setzte ich mich ins sonnigste Restaurant, das war das Amrit.
Ich blinzelte in die Sonne und beobachtete die Leute. Die schwulen Paare, die vom Markt kamen (die hier in der Gegend um die 60 sind). Die Menschen an den Tischen. Einige, die ihre Mittagspause machten, Touristen mit Reiseführern und Rucksäcken, einige Paare mit sichtlichem Altersunterschied (er über 70 mit sichtbaren Gebrechen, aber noch mit dem Habitus des Rudelführers, sie um die 50, agil und attraktiv). Die Frau neben mir antwortete dem Kellner auf das rituelle „Hats geschmeckt?“ mit einer längeren Geschichte. Daß sie es jetzt endgültig lassen würde, sie hätte es oft genug versucht. Der Kellner machte große Augen und sie konkretisierte: Das Fleisch im Essen schmecke nicht. Das wären sicher keine glücklichen Hühner, sondern welche aus Intensiv-Haltung. Der Kellner stotterte etwas. Ich schämte mich fremd. Schließlich sprachen wir über ein Mittagsmenü mit Suppe, Brot, Salat und Hauptgericht zwischen 6 und 7 Euro. Sie blieb noch etwas sitzen und las Zeitung. Dann sprach sie einen vorbeieilenden jungen Mann an: „Könnten Sie mir eine Zigarette geben?“ Der junge Mann bremste ab. Er habe nur Tabak. „Das macht nichts.“ Da müsse er ihr erst eine drehen. „Das können Sie gerne machen.“ Was er machte und dann weiterraste. Sie bedankte sich nicht einmal. Zweites Mal fremdschämen.
Auf dem Rückweg machte ich noch einen Gang über den Markt und erstand Herbstfrüchte, Pflaumen, Trauben, Äpfel. Der Käsemann telefonierte und es war ihm so peinlich, daß er die Damen, die bei ihm kaufen wollten, so ignorierte, daß er der Stammkundin vor mir den Einkauf komplett schenkte und mir noch was draufgab im Werte dessen, was ich bezahlte.
Ich war von diesem wunderbaren Wetter so glücksüberflutet, daß ich das Gefühl hatte, der Rest des Tages könne nur schlechter werden. Mein Gefühl trog mich nicht.
Ich ging am Abend nach Monaten mal wieder in die Muckibude. Eine Dreiviertelstunde auf dem Crosstrainer machte Spaß und brachte mich ins Schwitzen. Die paar Übungen auf der Matte, die ich danach machte, waren weniger spaßig. Das waren Sachen, die ich noch im Winter zwar mit Anstrengung, aber ohne Qual absolvierte. Ich machte einen Termin bei einem Trainer aus. Denn in den Monaten, in denen ich mit Abwesenheit glänzte, hatte das Studio völlig neue Maschinen bekommen. In der Umkleide passierte plötzlich etwas mit mir. Als hätte mich jemand in diese chilenische Rettungskapsel gesteckt und ich wäre sehr schnell auf dem Weg nach unten ins Schwarze. Das kam nicht vom Kreislauf sondern war eher eine mentale Sache. Ich machte langsam, nahm zu Hause ein heißes Bad, aber ich blieb dünnhäutig. Das war mir im Zusammenhang mit Sport noch nie passiert, da fühle ich mich eher gepusht.
Vielleicht ist es nicht an der Zeit, an Kraftmaschinen rumzupowern, weil ich dann gern wieder über die Grenze gehe. Ich sollte es mal mit Yoga versuchen.

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