15. Das 4. Buch in deinem Regal von links

Es geht mir wie vielen, die diese Frage beantworten. Welches der Regale? Ich habe zwar nicht mehr 7 Laufmeter Bücherregale wie früher, aber zwei sind immer noch.
Ok. Jurek Becker, Aller Welt Freund. Ein Buch, zu dem ich kam, wie die Jungfer zum Kind. Ich mochte Becker sehr als Drehbuchautor, als Romancier habe ich ihn nie richtig wahrgenommen.
Dann kam der Freund, der mich so wunderbar fotografiert hat und fragte mich, ob ich nicht für ihn die dramaturgische Beratung für ein Drehbuch zum Roman machen wollte. Jurek Bekcers Witwe hätte ihm die Rechte überlassen.
Ich sagte ja. Er gab mir das Buch, ich las und konnte damit über-haupt-nichts anfangen. Das war mir natürlich peinlich, denn er lachte immer laut auf, wenn er über das Buch erzählte.
Ich sagte mir: Kitty, ob ein Dramaturg einen Stoff mag oder nicht, analysieren sollte er ihn schon können. Nur bin ich keine Literaturwissenschaftlerin. Und ich hielt das auch nicht für einen Roman, sondern für eine längere Erzählung. Jedenfalls kam ich damit nicht hin und nicht her und schwafelte nur Schwachsinn über „Entwicklungsgeschichte“ etc. Für mich war es einfach ein Buch mit einem Helden mit Westberliner Pseudoproblemen, die einem eigentlich nur leid tun können.
Wir haben das Projekt dann begraben. Was heißen will, ich habe es stillschweigend unter den Teppich gekehrt.
Der ganze Fragebogen.

14. Ein Buch aus deiner Kindheit

Geschichten aus der Murkelei von Hans Fallada. Ein Geschichtenbuch für seine Kinder, das 1938 erschien, Zeichen seiner inneren Emigration, weiß ich heute. Für mich als Kind war es spaßig, weil die Erwachsenen in den Geschichten genauso verrückt waren wie die Kinder.
Es ist eines der Bücher meiner Mutter, das ich auf Nimmerwiedersehen verborgt hatte (sorry, Bruderherz!) und so mußte ich es mir als Erwachsene noch mal anschaffen.
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Dann die Hundegeschichten und Märchen von Friedrich Wolf. (Der Wikipedia-Link zu seiner Biografie ist leider sehr nichtssagend einseitig. Der Mann war Reformarzt, einer von diesen Licht-, Luft-, Sonne- und Vegetarismus-Predigern und radikalisierte sich politisch. Einer seiner Söhne wurde ein begnadeter Regisseur, der andere Chef der Spionageabteilung der DDR, ein dritter, geboren im Jahr seines Todes, ist Physikprofessor. Gute Gene.) Die Hundegeschichten Kiki und Cora Buntauge waren anrührend pathetisch-sentimental und ich zerdrückte so manches Tränchen beim Lesen.

Das Handyobjektiv scheint den letzten Inselaufenthalt tatsächlich nicht überlebt zu haben. Ich muß wohl auf die Kamera umsteigen.
Der ganze Fragebogen.

19.10. 10

Logorrhoe-Tag.
Ich weiß nicht, warum ich gestern so viel Text in der Welt schleudern mußte, aber ich ahne es. Belege sortieren stand an und noch ein paar andere Sachen, die mit dem wahren Leben zu tun haben.
Also haute ich seit dem frühen Vormittag munter in die Tasten. Immer dann, wenn ich wieder einen Monat abgearbeitet hatte. (Nach Monaten sortieren, in die Bankbelege einsortieren, Kasse ordnen, Kasse einhacken, das wird demnächst alles übersichtlicher.)
Merken für später: Laß mich mit ein paar Schuhkartons Belegen und etwas zu schreiben längere Zeit allein und ich schreibe einen Roman.
Mittags redete ich mit meinem Ex, wer denn Ansprechpartner für Reparaturen im Haus sei und siehe da, ich mußte nicht mit der Fetten Elke telefonieren. Es reichte dem Hausmeister, einem grumpy middle-aged man, Bescheid zu sagen.
Der Ex machte mir nach der Frage „Wie läufts denn bei dir so?“ zum wiederholten Mal das Angebot, daß ich bei ihm Geld verdienen könnte. Indem ich auf Erfolgsbasis Kaltakquise mache für ein Produkt, das nicht einmal er in drei Sätzen beschreiben kann und dessen Nutzen, nun ja, vage bzw. eher in die Zukunft orientiert ist. Wobei ich als Hauptproblem orte, daß er alle anfallenden Arbeiten allein erledigen möchte, auch die laufende Instandhaltung und Funktionalität am Ort der jeweiligen Installation der Anlage. Denn er macht jetzt schon den Eindruck, daß er bis kurz vor dem Zusammenbruch ausgelastet ist.
Das kränkt mich immer ein wenig. Er kennt mich schließlich sehr gut und weiß, daß ich keine Verkäuferin bin. (Allerdings eine bessere als er.) Und wenn ich an meinem nächsten Laden bastele, dann verschwende ich doch nicht meine Zeit mit einer so vagen Verdienstmöglichkeit. Warum versucht er mich immer wieder als Hiwi anzuheuern? Egal, er war schließlich auch angefressen, als ich ihm schon etwas vehementer absagte.

Am Nachmittag legte ich dem Hausmeister einen Zettel vor die Tür, in dem ich mein Problem beschrieb und keine Stunde nach der Heimkehr von der Arbeit stand er selbst samt Werkzeug vor der Tür. Ich hatte es ja schon ein wenig befürchtet, wenn man die Installationen in diesem Haus etwas fester anpackt, sieht man Sachen, die man nie gesehen haben möchte. Zur Hälfte mit Rost zugesetzte Rohre zum Beispiel. Er schraubte tapfer eine Stunde lang und machte es zumindest möglich, daß ich wieder fließendes Wasser ohne Seen auf dem Badezimmerboden hatte. Die Restarbeiten folgen heute.

Das mit dem Schlafen war so eine Sache. Ich las bis zwei Uhr nachts, aber dann klappte es.

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