19. Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest

Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Proust hebe ich mir für die Rente auf, nachdem ich zweimal dran gescheitert bin, den Zauberberg aus den gleichen Gründen.
Da ich wirklich süchtige Leserin bin, stehe ich vor sehr vielen Büchern und juchze: „Das wollte ich schon immer mal lesen!“ Wie das Kind im Spielzeugladen.
Was mir fehlt, da ich einige englischsprachige Autoren sehr schätze, ist, diese im Original lesen zu können. Ich hasse es, wenn durch die Übersetzungen das Gerüst eines fremden Satzbaus durchschimmert. Noch schlimmer ist es, wenn seltene Begriffe falsch übertragen werden. von unübersetzbaren Wortwitzen mal ganz zu schweigen. Aber auch in Französisch und Russisch bekomme ich das nicht hin. Ich kann zwar lesen und verstehen, da ich aber kursiv lese und in einer Geschichte quasi schwimme, fühle ich mich in der fremden Sprache wie ein Fisch auf dem Trockenen.
Der ganze Fragebogen.

18. Das Buch mit dem schönsten Cover, das du besitzt

Es sind zwei, zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann.
Zu einen eine sehr schöne Strindberg-Ausgabe:
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Der Einband scheint nachträglich für eine Bibliothek gebunden zu sein. Das konstruktivistisch gemusterte Einbandpapier ist nicht maschinen- sondern handbedruckt:
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Das andere hat mir eine schlaflose Nacht bereitet, als ich es zuerst in meinen Umzugskisten nicht fand, denn ich hätte es sehr vermißt. Es ist wieder ein Exemplar „Zukunftsliteratur“:
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Der Einband ist in Feinleinen gebunden, in das die Blümchen eingewebt sind. Auch hier machte man die Bindung scheinbar nachträglich für eine Bibliothek.

Es gibt noch das eine oder andere Buch, das ich in Studentenzeiten ins Antiquariat trug, wenn das Geld knapp war. Es war sogar ein großer Doppelband eines Volksarztes mit buntem Jugendstileinband dabei, den ich in einem Prager Antiquariat aufgestöbert hatte, der mir (für DDR-Verhältnisse) recht viel Geld brachte, so daß ich wußte, hier habe ich gerade etwas sehr Wertvolles fast weggeschenkt.
Der ganze Fragebogen.

20.10. 10

Ich grub mich weiter durch Steuerbelege und verließ um die Mittagszeit das Haus, um meine frierende Seele mit indischem Essen aufzuwärmen. Außerdem brauchte ich noch ein paar Sachen aus dem Biomarkt. Buchweizenmehl, Öl und Reiswaffeln. Natürlich packte ich bei dieser Runde prompt noch einen Kürbis ein und dies und jenes, um am Donnerstag abend Kürbissuppe kochen zu können.
Die Pinnwand am Einpacktisch war der Horror. Im Gegensatz zu Biomärkten im Prenzlauer Berg, wo Yoga, Kurse für gesunde Ernährung und Geburtsvorbereitung angeboten werden, geht es in Schöneberg bei der vorwiegend weiblichen und postklimakterischen Klientel nur um Esoterik. Beziehungsarbeit per Gedankenlesen, auch Fernheilungen möglich. Kartenlegen. Tarot. Edelsteinheilen. Wiedergeburten. Man hat das Gefühl, ins Mittelalter versetzt zu sein. Ich packte mein Fahrrad voll und verließ diesen Ort, bevor jemand auf die Idee kam, im Eingangsbereich eine Teufelsaustreibung vorzunehmen und radelte durch den Regen Richtung Heimat.
Dort schlug auch bald wieder der Hausmeister auf, der eine weitere Stunde schraubte. Das Ergebnis: Die Flexschläuche sind wieder dicht, ich habe jetzt sogar einen Waschmaschinenanschluß, aber der Einhebelmischer tropft abwechselnd oder ist verstopft und der Durchlauferhitzer produziert neuerdings in der Warm-Einstellung kaltes und in der Heiß-Einstellung warmes Wasser. Aha. Scheinbar handelt es sich bei dem Problem eher um wandernes schlechtes Karma.
Auch den Abend verbrachte ich mit Steuerbelegen. Dann las ich viel zu lange im Bett, einen Martini an der Seite, um ein ungutes Telefongespräch zu vergessen.

Bemerkung am Rande: Es gibt komische Menschen. Vorgestern klickte ich jemanden auf Xing an, weil mir sein Name bekannt vorkam und am nächsten Tag hatte ich eine Kontaktanfrage im Postfach mit der Formulierung: „Was kann ich Schönes für Sie tun?“.
„Äh… Nichts! Tun sie so, als hätte mein Besuch auf Ihrem Kontakt nie stattgefunden!“, hätte ich ihm schreiben sollen. Ich beschränkte mich aufs Ignorieren.
Bei so viel Distanzlosigkeit kann ich mich nur schütteln. Als würde man einen Menschen in der U-Bahn ansehen und hätte sofort seine Telefonnummer in der Hand.
Urgs.

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