Der Sachverständige oder Kommich jetzt im Fernsehn?

Am Mittwoch war es, glaube ich mich zu erinnern, als spätabends die Glotze lief und ich an einem neuen Buchstaben häkelte. Ich weiß garnicht mehr, welcher Sender es war, denn leider produziert good old TV ja keine History, irgendein Privater war es wohl. Jedenfalls lief eine Reportage über Onlinedating und diesen Typen, der Frauen über knuddels.de zum Umbringen gesucht hat.
Ich knibbelte so vor mich hin und plötzlich denke ich: „Sach ma, die Stimme kennst du doch!“, schaute auf und das dazugehörige Gesicht kannte ich auch. Mein Prof von damals äußerte sich als Internetexperte über Menschen, die Privatkontakte im Netz suchen.
Was  mich zum Lachen bringt, denn so 1993/1994, als ich bei ihm studierte, war er äußerst stolz darauf, keinen Computer bedienen zu können. Das war für ihn (unausgesprochen) neumodischer Scheiß für Leute, die kein Personal hatten. Zu Hause hatten seine Frau und er je eine Schreibmaschine und nicht mal ein mal ein Powerbook oder ein anderer Mac fand sich.
Sein Smartphone – wenn man die Analogie benutzen darf -war eine attraktive und gestreßte Doktorandin, die immer hinter ihm herlief und mehrere Aktenordner und seinen Terminkalender trug.
Nun hat er also den Sprung in die neue Zeit geschafft. Er empfiehlt seine Studentinnen als Event-Hilfen im Base Camp und weiß über Internet Bescheid und erklärt kluge Sachen darüber. So kanns gehen.

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Orrr, Handwerker ey!

Seit 10 Tagen ziehen sie dem alten Haus an der Barnimkante die Adern und Därme raus und legen neue. Eine wirklich gruselige Aktion. Denn als das Haus hier als eine der ersten am Platze gebaut wurde, irgendwann zwischen 1870 und 1880, gab es wahrscheinlich keine Wasserleitungen und Kanalisation ganz sicher nicht. Die Pumpe war unten vor dem Haus und der Rinnstein tat das seine.
So ist das Rohrsystem eine verfrickelte, krampfadrige Angelegenheit, zudem in den 50ern die Wohnungen in zwei bis drei Parteien mit gemeinsamer Klo-, aber getrennter Küchenbenutzung aufgeteilt wurde. Es geht immer mal eine Leitung in den anderen Strang rüber, um sich dort zu entleeren oder Wasser zu zapfen und einen scheinbar toten Strang gibt es auch noch in einer Wand (fast da, wo die Wand durchgebrochen werden soll, das hätte eine Überraschung gegeben).
Als Vorhut kam ein taubstummer Riesenmann mit einem Bohrhammer, der die Decken und Fußböden durchbrach. Ich weiß nicht warum, ich hab ihn Dunderklumpen getauft. Die Konversation ist Dunderklumpen läuft schriftlich, denn Gebärdensprache kann ich nicht. Geht aber.
Danach fiel ein Heer von Klempnern über Küche und Bad her. Sie wiegten bedenklich den Kopf, spachen von „dreizehner Muffe“ und „Fünfer“ und kündigten an, da es am nächsten Tag ab 8 weder Wasser noch Klo geben würde. Dann kamen sie morgens und zogen im Bad die Rohre von oben nach unten raus, um sie von unten nach oben wieder einzubauen. Irgendwann am Mittag meinte der Vorarbeiter, es sei schon blöd, daß wir als einzige Partei überhaupt anwesend seien, denn man schaffe es wahrscheinlich nicht. Worauf ich augenklimpernd entgegnete, es sei doch garnicht schlimm, wenn es länger dauere. Wir würden auch bis 22 Uhr arbeiten. Also zogen sie die Sache bis 20 Uhr stöhnend durch. Am nächsten Tag kam Dunderklumpen und machte die Löcher zu und dann war erst mal frei. Gleiches sollte nach dem Wochenende mit dem Küchenstrang passieren.
Ich putzte inzwischen dreimal das Bad. Die Schüttung in der Decke ist aus Schlacke und der Dreck ist durch den Zug und die Arbeiten in jeden Winkel und auf jede Wand gezogen wi-der-lich!
Als es am Montag weiterging, war bei den Jungs scheinbar die Luft raus. Janee, man würde doch von unten anfangen, es wäre alles so kompliziert, da müsse man langsam vorgehen. (und vor allem um 16 Uhr den Hammer fallen lessen) Ich stehe nun seit drei Tagen um 7 Uhr auf und decke die ausgeräumte Küche mit Planen ab, die Herren könnten ja ab 8 Uhr kommen und arbeiten wollen.
Heute kamen sie dann, aber so richtig voran geht es nicht. Die Wiederherstellung des Ausgangszustandes ist auch so ein Problem. Ständig wird festgestellt: „Dit jeht doch so!“ Ach und Duschen geht grade auch nicht…

Das sind doch nicht wir!

Wir haben doch gerade mal den Unicampus verlassen, hangeln nach einem Job, haben das erste richtige Geld auf dem Konto, denken über ein Kind nach und drehen doch noch mal eine Runde im Unglücklichverliebtsein…
Wir haben doch erst vorgestern unseren Vierzigsten gefeiert und hatten die Ahnung, so langsam könnte es ernst werden. Daß bestimmte Entscheidungen unser Leben längst zementiert haben. Den Frauen war es klarer. Kein Kind bleibt kein Kind in dem Alter. Die Männer zuckten mit den Jahren leicht resigniert die Schultern und verabschiedeten sich von dem Gedanken, demnächst von ihren Millionen leben zu können. Dafür waren die Goldadern doch zu dünn, an denen sie schürften.
In den letzten 10 Jahren waren dann doch merkliche äußerliche Anzeichen von Etabliertheit dazugekommen: Hier ein Haus, dort eine komplett sanierte Eigentumswohnung, die von den Kosten her auch ein Haus sein könnte, da ein rarer Sportwagen. Große Dienstwagen, die die einstigen Schrottkarren ersetzten, Kunst an der Wand und Elektronik vom Feinsten in jedem Zimmer. Ach ja und graue Haare und die ersten Zipperlein.
Bei Familie und Kindern scheiden sich die Geister. Für die einen ist der Zug eh abgefahren, die anderen wollten nie und auf keinen Fall und bekommen langsam Beklemmungen, wie sie ihr ganzes bei exzessiver Arbeit verdientes Geld verpulvern sollen bzw. wer es einst erbt, ergo mit ihnen den langen Lebensabend verbringt. Das Modell Familie ist selten und wenn dann richtig, unter drei Kindern und überanstrengter Vollzeit-Helicopter-Mom geht nichts.
LebensgefährtInnen kamen und gingen. Nichts wurde so heiß gegessen wie es gekocht wurde und so trennte man sich ob des Ungemachs, nun die lauwarme Suppe auslöffeln zu müssen, die man sich eingebrockt hatte. Daß eine tägliche lauwarme Suppe einem die Kraft erhält und Magengeschwüre verhindert, begriffen wir dann doch langsam. Die Partner kamen und gingen langsamer und schließlich blieb jemand, der es wohl lange sein wird.

Das war also der erste Fünfzigste Geburtstag im Freundeskreis.

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Berlin ist eine Ansammlung von Dörfern

Gestern Kaffeetrinken in Neukölln, in einem der letzten Altbaugebäude am Flughafen Tempelhof. Alt-Westberliner Idyll.
Die Besitzerin der 210 qm-Wohnung, wo im Berliner Zimmer eine Art-Deco-Wohnzimmereinrichtung steht, deren Schrank 5 Meter lang ist und die einen auf 8 Meter ausziehbaren Tisch hat, hat seit kurzem einen Job am Alexanderplatz. Sie ist erstaunt bis entsetzt über die Massen an Menschen, die sich durch Berlins Mitte bewegen. 80 Meter vom Columbiadamm merkt man davon nichts. Hier ist alles noch so wie früher, nur die Flugzeuge fliegen nicht mehr.

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