Mehr als für ein Update reichts grad nicht

Denn das Leben rast mal wieder und Kitty schnauft etwas hinterher.

Als denn da war: Flitzpiepe kam zu Ehren. Ein fast ausgestorbener Begriff, dem wir dem Bewohner des Schlosses im Hintergrund nicht vorenthalten wollten:

Flitzpiepe vorm Schloß Bellevue(läßt sich mit drücken vergrößern)

In tiefer Dunkelheitund Kälte  kamen die, die bei Bier und Spätzle knibbelten, und hängten die Würdigung für unser Staatsoberhaupt auf. Es hieß, es hing zwei Tage.

Und dann ging es weiter im Kitty-Programm. Kisten packen. Noch immer hustend und schnaufend, denn auch ich durfte derzeit an der wunderbaren Husten-Schnupfen-Halsweh-Nebenhöhlen-Erkältung teilhaben, die allerorten unterwegs ist. Am Wochenende eine sehr inspirierende Arbeit und am Montag der Umzug an die Barnimkante.
Für alle, die weise das Haupt schütteln: Bei der Entscheidung be mir oder bei dir gewinnt in der Regel die nicht das Einzimmernestchen sondern die Fünfzimmerwohnung. Und das Nestchen hat ab-so-lutes Untermietverbot. Leider. Oder Gott sei dank und schön für uns beide. Wie man es so sieht. Wir kleben ohnehin manchmal zusammen wie die feucht gewordenen Gummibärchen.
Also schleppten drei Jungs Kisten und Möbel vier Treppen nach oben und obwohl ich mich in den Dingen schon zenmäßig reduziert habe, waren sie hinterher völlig fertig und ich vom Zuschauen auch.
Dann, einen Tag später hat es mich erwischt. Ich wurde ein Jahr älter. Da der Graf und ich in der Wohnung über Kisten und Kästen krabbelten, hatten Freunde eine reizende Idee. Sie kochten ein Menü und wir mußten uns nur noch mit mächtigem Hunger zwecks Einnahme dessen nach C-Burg begeben, was in unserer Situation nicht schwer fiel.
Und am Morgen war das Kind da und wir frühstückten in der Weinerei und am Mittag schenkte mir der Graf einen beleuchteten Kosmetikspiegel, damit ich mir nicht immer so komische omihafte Bögen statt Augenbrauen ins Gesicht male, weil ich doch immer blinder werde und es schwierig ist, sich mit der Lesebrille zu schminken.
Glückwünsche gab es zwischendrein zu Haufen und brachten mich zu Hachs und fettem Lächeln. Ich arbeite alle Antworten derer, die mich nicht erreichten, gerade ab.

Also: Alles ist gut!

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Alte Kamellen 3

Polizeiruf 110 „DerUnfall“ 1982, Regie Manfred Mosblech

Wieder eine von den Folgen, in denen eigentlich von vornherein alles klar ist, eine genretypische Dramaturgie deshalb nicht existiert und eigentlich geht es auch nicht um ein Kapitalverbrechen. Ein Mann ist nach einem Ehestreit durch den Wind, fährt deshalb ein Kind an und haut ab. Der Täter ist klar, er windet sich in Gewissenskrämpfen, die Festnahme wird nur verzögert durch eine Reise des Ehepaares und einige retardierende Tricks – Fahnder und Täter fahren mit Schiffe aneinander vorbei, es scheint auf Hiddensee weder einen Dorfpolizisten noch Telefone zu geben. Alles geht so langsam wie in der Zeit der Postkutschen und in der Zwischenzeit wird bürgerliche Tragödie gespielt.
Die Personnage teilt sich in die Bodenständigen (diesmal keine Arbeiter sondern Bauern und Fischer) mit dem Herz auf dem rechten Fleck, in deren heile Welt und Familie die Tragödie hereinbricht und die auf hohem Niveau unzufriedenen, deshalb fehlbaren Intellektuellen (ein Schiffskonstrukteur, der gern Flugzeuge bauen würde und eine Fotografin, die soviel arbeitet, daß sie ihr Kind zu Großmutter geben).
Mosblech baut Bilder. Jede Menge Natur, Pferde, Apfelbäume, ein vor Fröhlichkeit platzendes, Äpfel schmatzendes blondgelocktes Kind, eine wunderbar optimistische Mutter auf dem Trecker. Wie aus dem Auschneide-Bilderbogen „Unser schönes Land“. Auch nach dem Unfall bleibt alles holzschnittmäßig. Die starr dastehenden Eltern des angefahrenen Kindes im Sonntagsstaat, er mit Jackett und sie mit Spitzenkragen, der geballte Haufen trauernder Bauern. Das sieht alles aus wie auf Bildern des sozialistischen Realismus.
Dagegen als Schattenrisse im Dunkeln die Szenen einer Ehe der beiden Intellektuellen. Wie sie davon reden, daß sie sich verloren haben und sich trotzdem im Kreis drehen. Emotionale Brücke ist die Großmutter, die den beiden einfach Fisch in die Hände packt zum Saubermachen und Falstaff, Gastwirt und Säufer, den den tragischen Helden mit einem riesigen Tritt in den Hintern dazu bringt, sich zu stellen, die Narrenrolle im Stück.
Die Geschichte ist den Machern des Films ein willkommer Anlaß, das Thema zerüttete Ehe und gescheiterte Träume zu verhandeln. Man erinnere sich, Frank Beyers „Geschlossene Gesellschaft“ wurde nach einer widerwilligen Sendung verboten. Von alldem sind aber nur (noch?) Andeutungen zu sehen. Der Schiffskonstukteur will eigentlich Flugzeuge bauen. Der Flugzeugbau in der DDR wurde 1961 eingestellt. So bastelt der Mann des Nachts Modellflugzeuge und ist tagsüber neben der Kappe und mutiert zum Eigenbrötler. Die Frau dagegen macht Karriere, was sie fotografiert, davon ist nicht die Rede. Aber sie ist ein Fischerkind, nah an der Basis. Also wahrscheinlich recht linientreu. Im Ganzen ist der Film eine tief in der Tasche heimlich geballte Faust.

Manfred Mosblech Regie, nach dem Mauerfall ging er erfolgreich in die Serienroutine bei SAT1 und dem ZDF. Er hat jede Menge Folgen „Für alle Fälle Stefanie“ und „Der Landarzt“ gedreht. (BTW, sehr interessant, daß die Serienredaktion von SAT1 in den 90ern aus Ost-Theatermachern bestand. Ein ordentlicher Fernseh-Wessi ging damals doch nicht zu den Igitt-Privaten.) Sein Assistent Udo Witte war später die Institution für anspruchsvolle Serien-Pilot-Filme der Privaten.
Einfach interessehalber habe ich mal zu Marianne Wünscher nachgeschlagen, Mutter der Nation, die hier die Fischersfrau gab. Frappierend. Die Frau war damals 42. Ich habe sie immer mittelalt und in Mütterrollen in Erinnerung. Dabei war sie erst 60, als sie 1990 starb.
Ach und dann dise Narrenfigur Falstaff, ein hinkender Typ mit langem Vollbart. Ich sagte mir: Kitty, den kennste doch. Aber woher? Bis ich mir dann rausrecherchierte: Von einem Abend in Görlitz. Es war Roman Silberstein, damals Intendant des Dreispartentheaters Zittau-Görlitz. Ein Kollege hatte mich mitgenommen, um eine Inszenierung anzusehen und am Abend zeigte er mir im Dunkeln die Görlitzer Altstadt, damals nur aus Ruinen bestehend.

So. Nähkästchen zu.

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