Ruhetag wg. Freitag dem 13. Nur ein Amtstermin konnte nicht warten.
12.4.
Es konnte losgehen. Die Wand wurde freigeräumt und wir malten mit der Schlagschnur 2,4×2,2m an, dann korrigierten wir die Position noch einmal optisch, denn obwohl die Markierung mittig war, sah sie nicht mittig aus. Dann die Probebohrung, um zu schauen, wie dick die Wand denn wirklich ist, 12 oder 14 cm. Der Graf setzte den großen Bohrer an, versehen mit einer 12 cm-Markierung und bohrte und bohrte und bohrte. Ich lief zweimal nach nebenan, der Bohrer war noch nicht zu sehen, das Häufchen Ziegelstaub auf der Erde war inzwischen fast 5 cm hoch. Dann, endlich, war es geschafft. Nach 28 cm. Eine Querversteifungswand also. Na Bingo.
Ich lief fluchend ins Arbeitszimmer, um den Grundriß zu holen, war ich doch diejenige, die immer behauptet hatte, das sei eine dünne Trennwand, die nichts zu tragen hätte. Auf Grundriß 1, der für mich ohne Lesebrille benutzbar war, war das auch so. Auf Grundriß 2, den ich manchmal mit der Lupe konsultiert hatte, um die winzigkleinen Maßzahlen zu erkennen, war die Wand dicker eingezeichnet. F…ck!
Also verabschiedeten wir uns zügig von dem Gedanken, die Sache selber zu machen und der Graf telefonierte erst einmal mit einem am Hause beteiligten Architekten. Der meinte, alles nicht so wild. Es bliebe ja genug Wand stehen, ein ordentlicher Träger drunter, dann ist das ok. Ich berechnete inzwischen die Schuttmenge neu. Nix mehr zierlich-elegant PingPingPing die paar Steine weg und peu à peu in den Hausmüll verklappen oder die Onkels auf der Baustelle nebenan fragen, ob wir mal etwas in den Container werfen dürfen. Auch nix mit einem schlichten Holzbalken, den man mal eben zu zweit aus dem Baumarkt heim trägt, weil er nicht ins Auto paßt. Gna…
Am Samstag kommt dann der Superman aus der bosnisch-kroatischen Freundesfraktion, der sich mit Bau die Brötchen verdient, schaut sich das mal an und sagt, was es kosten wird.
Immer noch besser, die retardierenden Momente so eines Projektes kommen gleich am Anfang, finde ich. Um mir das jetzt mal schönzureden.
Dann waren wir am Abend noch auf einer Kinopremiere und sahen Einer wie Bruno. Ich kann garnichts großartig kritisches dazu sagen, weil ich mich einfach nur amüsiert habe. Christian Ulmen darf Forrest Gump spielen. Die jugendliche Hauptdarstellerin ist großartig besetzt. Ansonsten ist der Film mal wieder ein Fernsehbastard und entsprechend weichgespült ist er auch. Im letzten Drittel wird aus dem heftigen Konflikt, daß ein erwachsen werdendes Mädchen mit einem geistig behinderten Vater zusammenlebt, der das Niveau eines 10jährigen hat, einfach nur ein Konfliktchen. Beide brechen aus, brüllen sich eine Runde an, betrinken sich und wollen doch weitermachen wie bisher, weil sie sich so mögen. Das ist der Tribut ans ZDF-Hauptabendprogramm, aber kein Kinoniveau.
Das war dann wohl der letzte Film, in denen eine Danksagung an mich in den Credits steht. Und ich war tatsächlich im Premierenpublikum anwesend, als wäre ich zufällig hineingeraten. Nach 1 1/2 Jahren bin ich nun auch innerlich raus aus der Branche.
11.4.
So schnell schießen die Preußen nicht. Gestern erstmal Bau- und Holzmärkte. Ich bekam übrigens das Kompliment, daß ich die erste Frau sei, mit der man richtig in Baumärkte gehen könne. *feix*
Dazu gab es dann den fürchterlichen Bob der Baumeister-Fraß an der Bäckertheke.
Aber es wird. Mein Bambus bekam nebenbei endlich wieder einen Untersetzer, damit ich ihn ordentlich gießen kann und er nicht mehr darben muß und Post habe ich aus dem Nestchen auch mitgebracht.
KVH ist übrigens Konstruktionsvollholz. Nur so zum Merken. Kann man in Männerdisputen sicher gut anbringen.
10.4.
Das war dann wohl am Abend vorher doch ein bißchen viel Durcheinander beim Alkohol. Dann noch der Wetterumschwung und Hormone hatte ich auch noch. Was heißen will, Miz Kitty schrammte den ganzen Tag am Migräneanfall. Meine Laune war dementsprechend.
Dazu wälzte der Graf dann auch noch Probleme. Man muß wissen, wir haben völlig gegensätzlich Entscheidungsmuster. Ich trage eine Sache länger mit mir herum, kreise um sie, wälze sie in Gedanken, lege sie wieder beiseite und dann irgendwann handele ich. Für Außenstehende ist das oft sehr kurz entschlossen, weil ich wenig drüber rede. Im Handeln bin ich dann Trial and Error. Ich bin kein Mensch für Details, also plane ich nicht detailliert, sondern habe nur eine Zielsetzung und ein paar Landmarken. Das heißt, ich mache mitunter auch haarsträubende Dinge. stemme mit einer Hilti Fliesen aus einem Zementbett und bekomme hinterher mit, daß die Wand, an der sie hingen, 6 cm Rabitz war, mir hätte auch die ganze Wand in den Nebenraum klappen können. Nicht selten geht mir auch was schief und ich versenke eine Menge Energie im Meer der unerschöpflichen Möglichkeiten für ein paar Plätscherwellen.
So was hat der Graf beim Planen schon im Kopf. Er formuliert ein Ziel, ein gräfliches Ziel, noblesse oblige. Dann beginnt die Problemdiskussion unter Beachtung aller Aspekte, wie Erdbeben, spontane destruktive Interferenzen, plötzliche Geldentwertung und menschliches Versagen. Ich sitze daneben und mir wird das Blut grün, weil ich glaube, diese Probleme müßten alle vorher gelöst werden. Müssen sie aber garnicht. So isses halt wenn jemand zugleich Ingenieur und Designer ist. Dann passiert erst einmal eine ganze lange Weile nichts. Ich denke ok., Prokrastination galore, vergisses. Und dann, ich hab die Sache schon zu den Akten gelegt, gehts plötzlich los.
Und deshalb machen wir heute einen Wanddurchbruch.