Tagebuchbloggen – 7. Oktober 2013

Auf dem Berliner Sofa sitzen und warten, bis die Seele aus dem Oderkaff zurückgekehrt ist. Die hat da wohl noch etwas rumgetrödelt. Der Zustand wurde garniert mit bohrenden Kopfschmerzen hinter Stirn und Augen, die mir einfach nur die Tränen aus selbigen laufen ließen. Seit ein paar Monaten habe ich häufiger einige Tage hintereinander Kopfschmerzen. Tja, in was sich dann der weibliche Zyklus so auflöst, wenn die Zeit gekommen ist.
Gegen Mittag hörte ich auf mit „ein Indianer kennt keinen Schmerz“, warf Ibuprofen ein und legte mich erstmal hin. Danach ging es besser und ich wurde wieder produktiver.

Am Abend gingen der Graf und ich ins Bird, uns war nach Burger. Montag am frühen Abend schien uns eine günstige Zeit. Dachten wir. Aber der Laden war zur Häfte voll und zur anderen Hälfte reserviert. Also wechselten wir zu Yellow Burger. Was ziemlich lecker war.

Den Rest des Abends verbrachte ich hochvergnügt mit V.K. Ludewigs Oper der Phantome.

Tagebuchbloggen – 6. Oktober 2013

Der Tag begann trübe und mit Nieselregen. Wir räumten im Holzhäuschen unsere Sachen zusammen, frühstückten und fuhren in die Stadtwohnung, um ein letztes Mal die Katzen zu bespaßen, die sich schon sichtlich langweilten.
Dann machten wir noch eine große Runde durch die Innenstadt. An der Brücke zum Ziegenwerder, die gerade mal 10 Jahre alt ist, verdient sich irgendeine Holzbaufirma aus Niedersachsen eine goldene Nase bei der Sanierung von etwas völlig intaktem (wahrscheinlich subventioniert). Die Plattenbauten-Staße, die in meinen 20ern der heißeste und neueste Scheiß war, steht leer oder beherbergt Wende-Verlierer. Die Läden sind an gemeinnützige Vereine, die gequirltes Nichts veranstalten und Sozialträger vermietet. Ein  paar historische Gebäude sind sehr teuer saniert und dann mühselig gefüllt und doch halb leer, die Universität hat riesige Bauten bekommen. Zwischendurch immer wieder Lücken, wo vor 30 Jahren viel los war. Der Versuch, schrumpfenden Städten eine Restwürde zu bewahren, schlägt regelmäßig fehl. Überdimensioniertes Gedöns neben schwarzen Löchern, durch das Rentner mit Rollatoren schleichen.

Es ist folgerichtig, dass dieses aufgeblähte Soufflé sozialistischen Fortschritts nach der Wende in dich zusammen fiel. Das war keine gewachsene Struktur, sondern aufgepropft. Eine Stadt, die im späten Mittelalter mal wichtig war, als Hansestadt und Universitätsplatz hatte sich mit Militär, Handel und Verwaltung in die Neuzeit gerettet. In den 20ern saß hier die Reichsbahndirektion Ost und verwaltete alle Schienen, Züge und Bahnhöfe bis Königsberg. Das war 1945 vorbei. In einer Latenz- und Selbstvergewisserungsphase beschloß eine Bürgermeisterin das Alte mit Stumpf und Stiel auszurotten und so wie in Eisenhüttenstadt eine neue Stadt zu schaffen. Mit der neuen Stadt sollten das neue Leben und Denken und der Fortschritt kommen.* Die gesamte zentrale Innenstadt, nicht durch Bomben kriegszerstört (wie später gern behauptet wurde), sondern von jemandem aus einem durchziehenden Flüchtlings-Treck angezündet, lediglich ausgebrannt und in der soliden Bausubstanz erhalten, wurde abgerissen oder gesprengt. Neubaublocks wurden gebaut. Der Grundriß entstand am Reißbrett, in der Draufschau. Breite Straßen und riesige Plätze, durch die im Winter die der eiskalte Ostwind fegte und im Sommer brüllheiße Staubteufel tanzten.
Die Elektronik kam, saubere Arbeit für kluge, sorgfältige Menschen. 8000 junge Leute, die gerade eine Familie gegründet hatten, arbeiteten im Halbleiterwerk. Daran hingen Schulen, Kindergärten, Geschäfte, Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe. Drei Vier große Neubausiedlungen wurden innerhalb von 20 Jahren gebaut, dafür riss man Einfamilienhäuser weg und benutzte zusätzlich die angrenzenden Äcker. Mitten in der Stadt, couvriert von den neuen Straßen und nur zugewuchert, standen noch die Reste alter Fabriken und Gebäude.
Ich erinnere mich als Kind immer an viel Gedöns. Mit großen Worten wurde eine neue Identität beschworen, Menschen mit weißen Kitteln auf Fotos. Jedes neue Haus mit genormten kleinen Wohnungen wurde als einzigartiger Bote der neuen Gesellschaft begrüßt. Nur komisch, dass meine Großeltern, die zu den Mächtigen des Landes gehörten, in einem großen Einfamilienhaus mit Garten am See lebten und meine Oma nichts mehr hasste, als sich mit anderen Leuten in die Straßenbahn zu quetschen…
1990 kollabierte diese Fortschritts-Blase mit einen mehrjährigen schlaffen Pupsgeräusch. Die Generation der Endvierziger, zu der meine Eltern gehörten bekamen mehrheitlich die Kurve nicht mehr. Sie versuchten noch halbherzig, nach außenhin Kapitalismus zu spielen, die glitzerbunte Warenwelt und die neuen Autos nahmen sie ganz gern mit, alles andere war Depression pur. Es ist nicht schön, wenn dir jemand sagt, dass die Werte, nach denen du gelebt hast, nur alberner Dreck waren und dich mit Almosen abspeist, damit du nicht aufmuckst. Aber es ist auch leider nicht zu ändern.
Ich kann dazu nicht viel sagen. Für mich war der Mauerfall lebens- und verstandrettend. Ich ging weg, wie ungefähr 70% der jungen Leute. Der Rest hatte einen Job im öffentlichen Dienst oder lebte von Aufträgen des öffentlichen Dienstes und Aufbau-Ost, später EU-Subventionen, oder kam ganz auf den Hund und wurde von den Leuten im öffentlichen Dienst gepampert. Man verpachtete den nahen Helenesee an irgendeinen Spacken, der riesige Einnahmen und Arbeitsplätze versprach und erhielt umzäunte Leere, man machte Geschäfte mit einem Scheich, um wieder eine Chipfabrik zu bekommen und musste sehen, dass die Subventionen in Dubai landeten, man gründete eine Uni und um Studenten zu ziehen gibt es nun auch eine Fakultät für Gesundbeter.
Jeder Marktplatz einer brandenburgischen Kleinstadt, in den 80ern verfallen und kleinbürgerlich erscheinend, hat heute mehr Charme als die Innenstadt von Frankfurt (Oder). Wer es sich leisten kann, baut am Stadtrand oder zieht gleich in ein hübsches altes Häuschen irgendwo im Schlaubetal.

Wir landeten bei unserem Gang in einem Café in einem alten Speicher, der Ausbildungsrestaurant ist. So eine Art Einstein für die Provinz mit selbstgetöpferten Kaffeetassen. Frequentiert von die „Zeit“ lesenden zugezogenen Wessis und Ureinwohnern, deren in Berlin lebende Kinder sie dort hin schleifen. Der Kaffee wird als Zugeständnis an die örtliche Tradition mit fett Sahne statt Milchschaum serviert und ist ansonsten ganz ok., unglaublich ambitionierte junge Männer fragten ständig, ob wir etwas brauchten und alles gut sei. Wir lasen eine ältere Ausgabe der Märkischen Oderzeitung. Aufmacher ist ein Nachruf auf Otto Sander, weitere Leitartikel befassen sich mit patentierten Arzneimitteln und Generika, der Woche der Notfallmedizin und nochmals mit Gesundheitsthemen. Am Rande geht es um den Sparkurs der Stadt und um einen Menschen, der im brandenburgischen ein kleines Tourismusunternehmen betreibt. Er wollte eine alte Eisenbahnstrecke und eine seit Jahren leerstehende Brücke mit Draisinen befahren. Das wurde ihm, als alles in Sack und Tüten war, kurzfristig verboten, weil auf der Brücke Eulen nisten. Nun sind die vier jungen Eulen weg und es wird lang und breit darüber debattiert, ob der Unternehmer die sie womöglich umgebracht hat, um skrupellos seinen Profitinteressen nachzugehen. In diesen Landstrich Geld zu investieren kann bedeuten, es ansatzlos aus dem Fenster zu schmeißen.

Nachdem ich diese Stadt noch einmal schonungslos mit offenen Augen gesehen habe, ist mir mehr als einmal klar, dass wir knapp hundert Kilometer weiter in Berlin nicht nur auf einem anderen Planeten, sondern in eine anderen Galaxis leben. Unser Leben hat nichts, aber auch nichts mit dem Leben in der Provinz zu tun (und das bezieht sich nicht nur auf Ostdeutschland). Es sind vielleicht 2000 Leute in meiner Filterblase, die andere Gedanken und Werte haben und sich auf dieser Basis hinstellen und allen Ernstes die 5%-Klausel anzweifeln. Die es zulassen würden, auch Rechtsextreme und die AfD ins Parlament zu bekommen, nur um sich vertreten zu fühlen. So ein Schwachsinn.
Es ist ok., daß Eliten von der Demokratie nur begrenzt abgebildet werden. Sind ihre Werte gesellschaftlich kompatibel, werden sie ohnehin vom Mainstream assimiliert. (Siehe die Themen Emanzipation, alternative Energien und Umweltschutz.)
Wer anders sein will, muss auch den Arsch in der Hose haben, exponiert zu stehen. Wer mit der Masse kuscheln will, muss massenkompatibel werden. Alles andere ist „ein bisschen schwanger“.

Nach Berlin zurückgekehrt, waren prompt auch meine bohrenden Kopfschmerzen wieder da. Ich weiß nicht, was das ist. Vielleicht die Luft.

*Hat hier noch jemand Fragen dazu, warum ich Fassadenkosmetik, um Veränderungen herbeizuführen, wenig sinnvoll finde?

Veröffentlicht unter Leben

Tagebuchbloggen – 5. Oktober

Mit Daten habe ich es nicht so, ich bin schon wieder verrutscht…
Der gestrige Tag war sonnig und morgens knackig kühl. In feiertäglicher Verpeiltheit verpaßten wir die Autobahn-Ausfahrt ins Oderkaff (Datsche und Stadtwohnung liegen 10 Landstraßenkilometer oder 2 Autobahnausfahrten voneinander entfernt, die Landstraße ist aber gerade gesperrt) und landeten in Polen. Aus der Not eine Tugend machend, tankten wir und kauften im Supermarkt ein, unter anderem super leckere Piroggen mit Käse-Spinat- und Pilz-Sauerkraut-Füllung, dazu noch Bigos.
Auf dem Weg ins Schlaubetal stoppten wir kurz in Lossow. Ich wollte dem Grafen die Steile Wand (eine Steilwand mit schönem Blick über die Oder) und den Burgwall zeigen. Ich war als Kind mit der Schule dort und hatte kaum noch Erinnerungen. Aber so unspektakulär, wie das, was wir da sahen, war das früher nicht. Eine Schautafel, auf der „bedeutendster Nänänä Brandenburgs“ stand, eine Rundweg um einen Acker, ein paar Trampelpfade und jede Menge Gestrüpp und Unterholz, sonst nix, absolut nix, kein Blick auf den Fluss, keine Geländeformation. Wieder mal ein Beleg für typisch brandenburgisches Understatement. Vielleicht auch, weil ein Teil der Trampelpfade übers Bahngleis führt. Irgendwo fand ich auch einen Zeitungseintrag, dass das Gelände um die Steile Wand mittlerweile zugewachsen ist.

Wir parkten das Auto am Kupferhammer und liefen durchs Schlaubetal. Schon nach drei Schritten fand ich die ersten Pilze, dabei einen Flockenstieligen Hexenröhrling wie aus dem Bilderbuch, aber ich war mir nicht so 100% sicher, weil ich den nicht kannte. Dann kamen  noch ein paar Schirmpilze und Maronen dazu, aber es hielt sich in Grenzen.
Bald wurde es auch sehr dämmerig, im Tal unter den Bäumen sahen wir kaum noch etwas und deshalb kehrten wir um.
Die Gastwirtschaft Kupferhammer mieden wir. Was in meiner Kindheit ein beliebtes Restaurant war, in dem der Gesellschaftssaal an jedem Wochenende ausgebucht war, ist jetzt ein stiller Ort. Ich habe keine Ahnung, warum, denn die anderen Mühlengasthöfe sind voll. Ich war zweimal in den letzten sechs Jahren dort, mißgelaunte Leute servieren einem öden Kaffee und Kuchen, die dunkelgrünen Igelit-Tischdecken gibt es seit Urzeiten, die Wirtsleute scheinen keine begabte Gastgeber zu sein.
An diesem Tag galt das Gesetz der Serie, auch auf dem Rückweg verfuhren wir uns noch einmal kräftig, bevor wir unsere Piroggen essen konnten.

Da bei meinen Eltern die Welt noch in Ordnung ist und das Sofa mit Blick auf den Fernseher steht und Internet nicht ihr Ding ist, ließen wir die Glotze laufen.
Zuerst schauten wir eine Variation zum Thema „bedrohte Unschuld“ an. Ann-Kathrin Kramer gibt die alleinerziehende Mutter, die unschuldig in einem mexikanischen Gefängnis landet. Ok., die ARD, weiß zu variiieren, diesmal ist es nicht Afrika und Vroni Ferres spielt nicht die Hauptrolle. Das ganze Intro bis zu Verhaftung, das die blonde Frau als Unschuldsengel aufbauen soll, ist von einer solchen Einfalt, dass in meinem Kopf immer nur Marcel Reich-Ranicki das Wort DRECK!!! wiederholte. Sie wissen schon.
Eine der Produktionen, bei denen sich alle Beteiligten leicht verlegen grinsend ansehen und sich sagen: „Es gibt gut Kohle dafür und die Quote stimmt!“
Das Machwerk ist von 2007, da war ich noch im Agenten-Job, fünf Jahre später wiederholt man das dann im Hauptabendprogramm am Wochenende, diese Branche tritt auf der Stelle, scheints mir.
Dann zappten wir in dieses Udo-Jürgens-Biopic, das auch an mir vorbeigegangen war. Nach einiger Skepsis verstand ich die Verabredungen, die Regie baute Bilder zur Familiengeschichte, kleine in sich abgeschlossene Szenen mit hohen emotionalen Bögen. Und da war es dann auch völlig egal, das der Vater im Winter nach Kärnten zurückkommt, (alle spielen, sie frieren sich einen Wolf) und die Bäume in vollem Grün stehen und fett mit Kunstschnee bepudert sind. Guter Film, super Schauspieler. Hat mir gefallen.

PS. Tagbuchbloggen und WMDEDGT fallen gerade zusammen, die Linkliste aller Beiträge gibt es hier.

Tagbuchbloggen 4. Oktober 2013

Früh aufstehen und ab ins Oderkaff, zu den Eltern, die Katzen hüten. Was heißt, die Katzen waren in der Stadtwohnung und wir katzenhaarfrei im Sommerhäuschen. – Also, Datsche heeßt det hier.
Nach dem Katzenfüttern machten wir noch eine Runde durch die Stadt, es war zwei Uhr nachmittags, der Graf brauchte dringend etwas Frühstück. Wir strandeten in einem Gebäude, in dem wie ich mich erinnerte, früher mal die Monatskarten für die Straßenbahn verkauft wurden, nun gab es dort ein Café, das Eins Be.
Hübsch eingerichtet, also nicht Gastro-Plüsch und -Plünnen aus der Metro, sondern schlichter und farblich ausgewogener Style in Weiß, Grau und Braun mit ein paar netten romantischen Nippes. Dazu eine okaye Speisekarte und ordentlicher Kaffee. Und doch hatte ich innerhalb von Minuten wieder die Bestätigung, warum ich in dieser Stadt nicht mehr leben wollen würde. Diese etwas, nun ja, sehr rösche Art der Leute – auch im Dienstleistungsbereich.
Ich bestellte Papas Schmalzstulle und bekam – leider – kein Griebenschmalz, sondern ganz normales Schweinefett. Auf Nachfrage hieß es: „Nee, wir können nicht alles aufn Tisch bringen!“. Das mag hier wohl keiner. Ok., so schnell ist man im Sonderwunschbereich.

Dann kam ein richtiger Sonderwunsch reinmarschiert. Ein netter grauer Rentner näherte sich in der üblichen Haltung des gelernten DDR-Bürgers dem Tresen. leicht gebeugt, im Ton sehr sehr bittend:
DerMannso: „Sie haben schon mal für mich ein so ein schönes Sektfrühstück nach Hause geliefert, das war vor ein paar Jahren, ginge das wohl nochmals?“
Chefinso: „Nö, das mach ich mehr, lohnt nicht!“
DerMannso: „Meine Frau hat sich damals so gefreut, ich würde das gern noch mal für sie machen.“
Chefinso: „Nee, ich müßte das ganze Zeug hinschleppen, das ist Quatsch!“
DerMannso: „Aber Sie machen doch noch Catering?“
Chefinso: „Ja, aber so was mach ich nicht mehr! Gehse zu XY, die haben doch nen Lieferservice oder ich mache Ihnen ne Kalte Platte!“
Jedenfalls zog der alte Herr mit hängenden Ohren ab und wir tranken weiter unseren ziemlich guten Kaffee.

Die Chefin verhandelte währenddessen zwei Meter von uns entfernt mit zwei Leuten, die einen Brunch für 40 Leute buchten. „Aber eins muss klar sein, um drei machnwer Schluss, wenn wir das schon am Sonntag machen, da ist sonst zu!“
Wir signalisierten indessen, dass wir zahlen wollten. Räuspern, Sachen zusammenlegen, Portemonnaie auf den Tisch legen, rüber schauen, Blickkontakt suchen. Aufstehen und die Jacken anziehen, zum Tresen laufen, nach der anderen Bedienung schauen, die uns keines Blickes würdigt. (Wir überlegten beide unabhängig voneinander, was wohl passieren würde, wenn wir einfach gehen würden.) Ok., dann störten wir die Verhandlung und baten laut um die Rechnung. Irgendwann kam sie.
Wir sind einfach versaut in Berlin, hier sind zu viele Süddeutsche unterwegs. Vielleicht habe ich auch vom Aufwachsen im Oderkaff meinen Mangel an Socialising-Künsten. Übergroße Freundlichkeit und spontane Unterhaltungen gelten in diesem Landstrich als schleimig und aufdringlich. Für die Dame im Café war ihr Verhalten korrekte Nettigkeit für uns ist es eine Ungehobeltheit auf voller Linie.

Edit: Ich höre gerade per Mail, daß das Café, das wohl mal als Lichtblick am Gastro-Himmel im Oderkaff galt, es auch fertig bringt, ein Hochzeitsbüffet mit mehrstündiger Verspätung zu eröffnen.

Im Schuh- und Schlüsseldienst im Einkaufszentrum drei Straßen weiter gab es auch einen herzerwärmenden Dialog. Wir ließen uns einen Schlüssel nachmachen, den es in Berlin nicht mehr gab. Ein Security-Mann ließ sich die Schuhe besohlen und unterhielt sich derweil mit jemand anderem, der wartete:
„Eydu, ick brauch dat allet nicht mehr, ick hab jenuch hinter mir! Diese janze Scheiße!“, meinte er.
„Du ick ooch nich. Würklich!“, meinte der Andere.
Und dann kam die Ostdeutsche Rolle rückwärts: „Aba schön wart doch““, meinte der Security-Mann.
„Jenau! Geile Zeit!“, bestätigte der Andere. Versteh einer diese Leute. Ich versteh sie nicht mehr.

Am späten Nachmittag streunen wir noch etwas durch den Wald. Leider wagten sich nur noch ganz mutige Pilze heraus. Es ist derzeit nachts zu kalt.

Veröffentlicht unter Leben