Nach diesem Winter hätte ich nie gedacht, daß ich einen leicht bewölkten Himmel einmal genießen würde.
Nachdem ich mit meiner morgendlichen Tasse Kaffee aus dem Koma geholt wurde – ich kann die Kaffeemaschine in diesem Zustand nicht bedienen, das wäre lebensgefährlich – bastelte ich einen dramatisch bunten Obstsalat aus Pfirsich, Blaubeeren, Kirschen, Kiwi und Ananas fürs Frühstück und radelte ins Büro.
Dort legte ich zunächst eine Liste an, was ich diese Woche noch tun würde. Das klingt lächerlich, aber mir hat das nie jemand beigebracht. Meine Eltern lebten nach der Maxime: das Genie beherrscht das Chaos und machten nur das Dringendste oder das, was sie interessierte. Ich bin da nicht anders und so fallen immer wieder ungeliebte, aber wichtige Dinge ins schwarze Loch Vergessen in meinem Kopfuniversum.
Dann nahm ich mir einen riesigen, in 5 Monaten gewachsenen Stapel Arztrechnungen und Krankenkassenkorrespondenz vor. Da die Kasse sich noch immer weigert, den Klinikaufenthalt zu zahlen, hängen viele Rechnungen in der Warteschleife und müssen gestundet werden.
Außerdem gibt es noch einmal ein neues Gutachten, ob der Krankenhausaufenthalt nötig war. Wenn ich mir die Unterlagen, die die Klinik dafür bereit gestellt hat, ansehe, wird es wohl wieder eine Ablehnung geben. Ich fürchte, es liegt an mir. Ich war für mein Empfinden schon im dramatischsten aller Zustände und habe das auch auszudrücken versucht. Bei den Ärzten kam an: hat wirtschaftliche Schwierigkeiten, ist enttäuscht von ihrer Beziehung und trauert um ihre Großmutter. Da würde ich als Kasse sagen: Und in China fällt ein Sack Reis um!
Es ist immer das selbe. Ich kann im Grunde nur schriftlich kommunizieren. Unmittelbar zeigen, wie es mir geht, kann ich selten, deswegen verschätzen sich die Leute oft in mir.
Nachdem ich diesen Stapel mit wachsendem Stolz abgearbeitet hatte, fuhr ich zum Essen zum Winterfeldplatz. Ich war zwar neugierig auf den neuen Perser in der Goltzstraße, landete dann aber doch wieder bei Habibi.
Danach, wie sollte es anders sein, folgten fast drei Stunden Komaschlaf
Wieder erwacht, kippte ich als erstes meinen Abendtermin, denn ich wollte in Ruhe an der Website arbeiten. So langsam komme ich wieder in meinen alten, kreativen Zustand. Dann wirke ich zwar etwas fahrig und entrückt, bin aber hochkonzentriert und nach und nach kullern die Sätze und Ideen aus mir heraus.
Ich hätte noch weitermachen können, radelte aber nach acht Uhr doch in Richtung C-Burg, um ein weiteres Mal vor der Glotze zu versacken. Damit mir das nicht noch einmal passiert, nahm ich mir vor, statt dessen in die Muckibude zu gehen und irgend etwas stupides auf dem Laufband anzustellen.