2012 im Schnelldurchlauf

Der von mir sehr verehrte André Hermann hat heute einen voluminösen Jahresrückblick geschrieben. Ich weiß nicht, ob ich das auch kann, oder ob der übliche Fragebogen ergiebiger ist. Schaun wir mal.

Januar
Ein Zimmer renovieren. Handwerker beaufsichtigen, die dem Haus die Rohre rausziehen, Baudreck putzen, Umzugskisten packen. Zum Grafen an die Barnimkante ziehen. Von Freunden mit einem Geburtstagsmenü bekocht werden, da im Umzugstreß.
Februar
Umzugskisten von A nach B schichten. Plötzlich geht das mit der Karriereberatung los. Verwundert und Happy sein. Ämterkrieg und Formulare ausfüllen. Mit den Häkelmädels „Flitzpiepe“ am Schloß aufhängen.
März
Pixel schubsen. Seminar halten. Wanddurchbruch andenken. Vor der Vermieter-Abnahme des Nestchens einen bösen, tagelangen Drehschwindelanfall erleiden. Einbauten aus dem Nestchen zerren und einlagern. Nestchen abgeben. Erste Gedanken daran haben, sich damit abzufinden, daß meine Arbeitszeit in Zukunft nicht mehr 40 Wochenstunden betragen wird. – Statt von einem Erschöpfungsanfall in den nächsten zu fallen.
Ein Jahr Liebe feiern und das Gefühl haben, den Mann schon ewig zu kennen.
April
Statt die Wand in der Küche durchzubrechen, wollen wir aus zwei Wohnzimmern eines machen. Wir planen und zeichnen 2,30 mal 2,70 Durchbruch an und entdecken, dass die Mauer zweieinhalb mal so dick ist, wie gedacht.
Dann lassen wir einen Handwerker und einen Bauingenieur kommen. Beide wiegen bedenklich das Haupt und empfehlen Stahlträger. Wir entdecken in der Wand eine zugemauerte Tür, knuspern vorsichtig Stein für Stein aus der Wand, weil uns die Nachbarn schon scheel mustern und verwandeln die Wohnung in eine Bauschuttdeponie.
Die Blogseuche bekommen und durch mehrmaliges Plattmachen des Blogs bekämpfen.
Mai
Meine erste re:publica. Ein ungeheures Erlebnis, massenhaft auf genauso soziophobische und schüchterne Leute zu treffen.
Der Graf trägt eine Tonne Bauschutt mit Ikeatüten die Treppe runter, wir versuchen 40kg Putzmörtel mit einem Rentnerporsche in der Straßenbahn zu transportieren  und ich mauere eine nicht lotgerechte Türfassung, die ich mit poliertem Stucco überziehe.
Existenzielle Weichenstellung für meine Selbständigkeit, die die nächsten Jahre bindend ist. Noch mehr Papierkrieg. Von Mörtelstaub und Birkenpollen krank.
Juni
Boating mit Dick & Strike und danach eine gackerige Querdurchdiestadtautofahrt, naß und halbnackt, in Pareos gewickelt. Erste Fassung Oper der Phantome gelesen und sehr amüsiert worden

Probleme mit den Nebenhöhlen, die ewig nicht weggehen.

Nächster Wanddurchbruch, diesmal ist die Wand nicht so dick, aber wir versauen mit dem Staub der Flex das ganze Zimmer. Etwas demoralisierend, daß wir seit über zwei Monaten auf einer Baustelle leben und meine Umzugskisten immer noch nicht ausgepackt sind.
Juli
Hektik, Jobs im Endspurt, die sommerliche Draussenfestsaison läuft und der Urlaub rückt näher. 3m-Pax-Schrank mit Schiebetüren aufgebaut.
Dann eine schöne Zeit in niederschlesischen Schlössern, mit Wanderungen im Riesengebirge. Kurzer Touchdown in Berlin, Klamotten umpacken. Ab nach McPomm, zur Taufe von LaPrimavera. Danach ein paar schöne Tage mit alten Freunden in ihrem kleinen Paradies.
Ich habe das Schwimmen wiederentdeckt und der Graf ist mit dabei.
August
15 Kilo Augustäpfel verarbeiten. Tür in den zweiten Durchbruch einbauen, Wohnung putzen. Schrank einräumen. Projekt fertig texten. Alles, was sich vier Monate aufgestaut hatte, in einer Woche gemeinsam durchziehen. Dann Besuch in Doppelschicht.
Danach ging es etwas relaxter weiter. Weniger Arbeit. Spätsommerboating mit den Jungs, Schwänchen von Hand füttern. Mit dem Grafen schwimmen und wieder so etwas wie Figur zurückbekommen.
September
Endlich! Nach mehr als 5 Jahren Anlaufzeit bzw. krankheitsbedingter Pause schwimme ich den Schlachtensee längs, der Graf vorneweg.
Recherche und Kauf der besten Dunstabzugshaube der Welt. Dazu: Die Wohnung wird sehr wohnlich. Den ersten Fachvortrag vorbereiten. Besser spät als nie. Dazu gibts wieder ein Präsenz-Seminar.
Oktober
Vortrag halten, mit einigem Erfolg.
Mit dem Kind an ihrer Bachelorarbeit kniffeln, sie steckt in einer Schreibblockade fest. Das Jahr steckt in den Knochen und weil ich für Papierkrieg 3 Jahre Krankengeschichte hochhole, werde ich im letzten Quartal mental etwas kippelig.
November
Wiederholungs-Vortrag, diesmal vor Studenten. Korrektur von des Kindes Bachelorarbeit. Der erste Ball, auf dem der Graf und ich tanzen, wunderbar. Danach eine fette Erkältung, mal wieder mit Nebenhöhlentango und Antibiotika.
Es ist dunkel, das schlägt mir aufs Gemüt.
Dezember
Schnee! Und ein famlienversöhnendes Weihnachten. Dem Gemüt gehts wieder besser.

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Geschafft

Melde jehorsamst, ick hab Weihnachten überstanden!
Und dieses Jahr war es so entspannt wie nie. Ich weiß nicht, was es war, ob nun mein stures Ignorieren des Weihnachtsterrors (ich habe habe nicht ein Mal „Last Christmas“ oder „Power of Love“ irgendwo gehört), das sichtliche Altern meiner Eltern, mein spürbares Altern, das mich vielleicht milder macht oder das vehemente und aggressive Verarbeiten in den letzten Jahren. Es ist vorbei. Ich sitze bei zwei alten Leutchen im Wohnzimmer und freue mich, sie zu sehen. Sie freuen sich auch und haben Klimmzüge gemacht, es uns nett zu machen.
Meine Mutter macht mittlerweile so guten Sauerbraten wie ihre Mutter. Beim Abendbrot fuhr sie für 5 Personen 20 Würstchen auf, wie immer. Ansonsten beschäftigten wir uns diesmal mit Wurzeln. Da der Graf seinen Stammbaum bis 1850 aus dem Kopf kennt und ich jedes Mal ins Stottern komme, wenn es weiter als 1922 zurückgeht, habe ich mal nachgefragt.
Zuerst bei der Oma, die mit 92 noch eine ganze Menge mehr als meine Eltern weiß und dann habe ich Fotoalben von meiner Urgrosstante gewälzt. Meine Vorfahren waren ja – bis auf den Lausitzischen Tapezierer, der ein Kurzwarengeschäft aufmachte – samt und sonders Arbeiter (und vorher wahrscheinlich sächsische, schlesische und böhmische Kleinstbauern). Sie hatten keine Häuser, wohnten zur Miete und gingen schaffen, wo es Arbeit gab. Die einen kamen aus Thüringen in die Zwickauer Gegend, die anderen trafen sich in Leipzig und Dresden, es gab dort genügend Industriejobs für die Männer und Putz- und Heimarbeitsstellen für die Frauen.
Allen war gemeinsam, dass sie arm waren, sehr arm, obwohl sie viel arbeiteten. Zumindest waren sie bereits bemüht, nicht mehr sechs und mehr Kinder in die Welt zu setzen, sonder nur noch eines oder zwei. (Meine Urgroßmutter mütterlicherseits hatte noch zehn Geschwister) Wie sie das hinkriegten, kann man nicht richtig sagen, meine eine Großmutter schlief Jahre mit ihrer Mutter in einem Bett, die hat wohl ihren Mann fast 15 Jahre nicht rangelassen, bis es dann einen Nachzügler gab.
Die Weimarer Republik war eine günstige Zeit für begabte Armeleutekinder. Meine Urgroßtante und ihr Bruder – Kinder eines abgearbeiteten Bergmannes und einer von der Rachitis verwachsenen Hausfrau – waren ungeheuer klug. Sie konnten so gut rechnen und schreiben, dass die Lehrer recht bald in der kleinen Volksschule (6 km zu Fuß, auch bei Schnee) meinten, sie könnten ihnen nichts mehr beibringen. Der Sohn konnte im Elektroladen als Lehrling untergebracht werden, die Tochter, die scheinbar bei einem Gymnasiallehrer in Stellung war (obwohl sie immer vom Professor sprach), wurde von diesem und Verwandten unterstützt, damit sie zur Handelsschule gehen konnte. Nach dem Krieg studierte der junge Mann, der mein Großvater wurde, und wurde Elektroingenieur in einem Kraftwerk. Meine Urgroßtante heiratete einen Schlosser und fühlte sich in der Position als Chefverkäuferin des größten Zwickauer Schreibwarenladens mit acht männlichen Untergebenen nicht wohl ihrem Mann gegenüber. Sie wurde Hausfrau und half nach dem Krieg mal hier, mal da in einem Geschäft aus und machte Urlaubsvertretungen für die Besitzer. Keiner konnte sie mehr überreden, in einen festen Job zu gehen. Schade eigentlich. Kinder hatte sie auch nicht, sie konnten keine bekommen, aber sie half, meine Mutter und mich aufzuziehen.
Die Urgroßtante und mein Großvater waren schön und blitzgescheit, aber dazu mit großer Herzensgüte geschlagen. Durchsetzungsvermögen war nicht so ihres. Die Tante löste alle Kreuzworträtsel, derer sie habhaft werden konnte und pflegte die Alten der Nachbarschaft (ihre Nachbarn lehnten dann, als sie alt und allein war, das „Risiko“, sich um sie zu kümmern, wenn sie mal nicht aus der Badewanne kommen sollte, ab). Der Großvater arbeitete zu viel, weil er nicht Nein sagen konnte, zog ob seiner tuberkulosekranken Frau meine Mutter über Jahre allein und mit Hilfe von Tante und Nachbarn auf, hatte mit 48 einen Herzinfarkt (er trank nicht und war nicht übergewichtig) und starb mit 52 an Krebs. Die beiden waren einfach zu gut für diese Welt.
Mein anderer Großvater wurde ebenfalls recht bald auf die Begabtenschule geschickt, er war präzise und malte und zeichnete sehr gut. Er war aus etwas anderem Holz. Frech, aufstiegsorientiert, sportlich und risikofreudig. Das S-Bahn-Surfen der Jungspunde in den späten 20ern bestand darin, durch die Elbe zu schwimmen, kurz bevor der Kettendampfer die auf dem Grund liegende Kette hochhob. Das war natürlich streng verboten, sonst wäre es auch nicht so interessant gewesen. Im Sonntagsanzug aus dem Stand einen Salto rückwärts zu springen kam cool, um die Mädels zu beeindrucken und ich fischte aus einem Album ein Foto, das den jungen Mann waschbrettbäuchig und noch mit allen Haaren mit den Jungs vom Niedersedlitzer Schwimmverein zeigte. Sächsischer Landesmeister im Abfahrtslauf war er auch mal, Bergsteiger auch, ziemlich freizeitorientiert, der junge Mann. So war auch eigentlich gedacht, dass er den Betrieb des kinderlosen Chefs übernehmen sollte, bei dem er Lithograph gelernt hatte. Aber dann kam der Krieg und alles kam anders und am Schluss landete er beim Militär.
Übrigens, da wir mittlerweile langsam in das Alter kommen, in dem wir uns über die heutige Jugend beschweren. Hier ein antikes Facebook-Foto:
Die Hermann-Gerstner-Gang
Links drei Brüder. Die zwei ersten sind in Stalingrad geblieben, der in der Mitte war Gott sei Dank mit 1,50m zu klein für den Krieg und wurde mein Urgroßonkel, vor ihm sitzt seine Verlobte, die im Text erwähnt Urgr0ßtante und schaut kritisch auf ihren Bruder (mein Opa in spe), der an diesem Tag Bier trinkt.

Dann kramte mein Vater am langen Weihnachtsabend noch Fotos aus den Neunzigern raus. Miz Kitty als androgyne Wasserstoffblondine mit Undercut, dünn wie ein Stecken und ohne Muskeln, das mit dem Sport kam erst später.
Meine Eltern waren damals so alt wie ich jetzt. Kinder, Kinder, wo landen wir in 20 Jahren…

Ach so und da ich hinterher noch auf der Genealogieseite eines Verwandten war, weiß ich nun, dass Martin Luther und der mütterliche Zweig den gleichen Großvater hatten. Ich gehe aber mal davon aus, dass wir diesen Ruhm mit gut drei Millionen Sachsen teilen.

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Countdown

Wie im letzten Jahr prokrastinierten wir die Weihnachtseinkäufe bis zum letzten Tag. Statt dessen machte ich mir in Ruhe Gedanken, was es denn sein sollte.
Heute morgen dachte ich allerdings, das Einkaufen müsse risikoreich auf Sonntag verlegt werden, denn mir fällt die Welt mit einem Tag Verspätung auf den Kopf. Aber ich war schlicht nur verkatert.
Gestern hatte eine liebe Freundin Geburtstag. Wir waren ins Adnan geladen und ich war nach gut zwei Jahren mal wieder abends in C-Burg.
Das Adnan war auch früher nicht so unbedingt meine Area. Ich erinnere mich, dass ich, als ich zum ersten Mal eintrat, sofort zu HeMan sagte: „Hier hat keine der Frauen ihre Klamotten selbst bezahlt.“ Gestern haben wir die Quote dann mal ein bisschen geändert. (BTW., alle Frauen unter 40, mit Ausnahme von uns, hatten künstliche Brüste.) Das Essen war wie immer der Hit und es herrschte allgemein Freude darüber, dass wir uns alle wiedersahen. Das ist wirklich verrückt. Wir haben alle im Dezember, Januar und Februar Geburtstag, da laden wir uns gegenseitig ein und im Sommer schaffen wir es nie, uns zwischendurch zu sehen.
Also herrschte viel Geschwätz am Tisch, wir mussten uns schließlich auf den neuesten Stand bringen. Als die anderen aufbrachen, machten der Graf und ich noch einen Bogen ins Gainsbourg, auf einen Absacker. Aber wo dieser liebenswürdig schrappelige, geißblattbewucherte Eingang war, war NICHTS, außer einer neu hergerichteten Charlottenburger Mietshausfassade. Wir standen wie blöde davor. Daß der Laden umgezogen (worden) ist, lasen wir erst später im Netz.
Also gingen wir ins Florian, Cremant auf Eis trinken. Es war wie früher. Man kommt rein und alle machen lange Hälse. (Könnte ja wer wichtiges sein.) Wir waren mit Abstand die Jüngsten, das hatten wir lange nicht mehr.* An einem Tisch saßen fünf Herren 60+, deren Gesichter sonderbar entspannt und geglättet aussahen. Lassen sich also auch schon die Männer botoxen.

Aber zurück zu heute. Auf meinem Kopf hatte jemand die nunmehr abgelaufenen Maya-Prophezeiungen gestapelt, als ich aufwachte. Aber nach einem Stündchen ging es und wir flanierten durchs Schneegestöber quer durch Mitte.
In der Brunnenstraße ging ich endlich mal zu Nuts & Pearls in den Hinterhof. Ein wunderschön gestalteter Laden mit Sächelchen, die ich mir am liebsten alle in die Manteltasche gestopft hätte. Einziges Problem: Für den ironisch-kargen Style dieser Straße sind die Sachen sehr teuer, weil echt und kein Talmi. Da merkt man schon, dass der Ur-Laden in Hamburg ist.
Dann ging es weiter in diverse Schnupsi- und Schnulli-Läden, über die Hackeschen Höfe bis zum Lafayette. Im Q207 einen Promotion-Rosé-Sekt auf fast nüchternen Magen gekippt, zwischendurch mal versucht, ein Paar Stiefel zu finden, das nicht für Jungmädchen-Storchbeine gemacht ist, dann Momente tiefer Erniedrigung in der Umkleide der Wäscheabteilung erlebt, weil ich glaubte, eine Größe kleiner gehts auch mit dem BH (muss ich halt ins KaDeWe, da sind sie besser sortiert).
Aber vor allem haben wir alle Weihnachtsgeschenke bekommen.
Auf dem Rückweg kehrten wir bei Fräulein Burger ein. Man muss wissen, dass der Graf seit Wochen lauerte, dass der Laden endlich eröffnete. Also erstmal ist er nett und stylisch. Die Burger, Pommes und Soßen sind alle Bio und aus der Region, die Servietten Recyclingware, man muss das Fleisch nicht durchgebraten nehmen und alles schmeckte sehr gut. Der Dezember-Burger mit zartrosa gegrilltem Rindfleisch, Ziegenkäse und Preiselbeersauce war phantastisch. Das hat seinen Preis. Zwei Burger-Menüs (Fräulein- und Dezember-Burger, kleine Pommes rot/weiß und Zitronenlimonade) kosteten stolze 22 Euro. Die Preisgestaltung des Menüs war nicht so richtig durchschaubar.
In der Küche spielten drei sehr junge und sehr müde Leute „Jugend forscht“ und standen sich ziemlich auf den Füßen, so richtig routiniert sieht das alles noch nicht aus. (Und Frauen mit langen blondem Pferdeschwanz brauchen was aufm Kopp in der Küche!)
Das wird top oder hopp. Entweder das wird ein gehypter Laden, dann muß mehr Routine in die Küche oder das war alles nur gut gemeint. Die Frage ist, wer wird dauerhaft bereit sein, für eine gute, aber schnelle Mahlzeit in einem nett eingerichteten, aber engen Gastraum, mehr als 10 Euro auszugeben?
Man wird sehen.

 

*Bei der Feurzangenbowlenparty Mitte der Woche war das Publikum Mitte 20 und Internetunternehmer. Ich kam mir vor, als hätte man mich in die Zeiten des Neuen Markts zurückgebeamt.

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Augen zu und durch

In diesem Jahr bekämpfe ich mein dezemberliches mentales Unwohlsein einfach durch komplettes Ignorieren des Weihnachtsterrors. Das funktioniert hervorragend.
Dazu gehört auch, Weihnachtsmärkte weitgehend zu meiden, aber derzeit habe ich es sowieso nicht so mit Alkohol, dann gibts eben keinen Glühwein.
Und die Plätzchen, die ich backe, mache ich, weil es im Winter erhöhten Kohlehydratbedarf gibt etc.
In den nächsten Jahren haue ich vielleicht wieder nach Nordafrika ab, den Grafen im Bunde, Marokko steht immer noch auf der Wunschliste. Oder es gibt irgendwann ein Enkelkind. Ha! Dann gibt es wieder einen Weihnachtsbaum und ich werde Stollen backen und ihn bis zum 4. Advent bewachen, denn vorher darf er nicht angeschnitten werden, sondern muss reifen. Aber den Weihnachtsbaum wird es erst am 24. geben. Ich weiß gar nicht, wie man auf die Idee kommen kann, sich vorher einen in die Wohnung zu stellen. Das ist doch wie auf dem Postamt!
LaPrimavera war da und wollte auf den Ökoweihnachtsmarkt am Koppenplatz. Der Graf und ich waren neulich schon einmal vorbeigekommen und wir hielten die ganze Veranstaltung für ein improvisiertes Nachbarschaftsfest. Also mit Umwelt hat es nur in dem Zusammenhang etwas zu tun, daß dort ein Öko-Stromanbieter Verträge feilbietet und Greenpeace Mitglieder wirbt. Ansonsten ist das normales Berliner Niveau von Kunsthandwerk und Plünnen. La Primavera war zwar glücklich, ist sie doch von Schwerin nicht gerade verwöhnt, dort gibt es nur Fressbuden und Billigsocken, aber an den Gendarmenmarkt und den Markt vom Schloss Charlottenburg kommt das nicht ran und den Nischenbonus haben sie auch nicht genutzt.
Es ist übrigens immer mal gut, zu merken, wie wir hier im differenzierten Überangebot schwimmen. Wir saßen dann noch für Torte im Victoria und das ist etwas, das gibts halt nicht in McPomm.
Wir haben in Laufweite der Barnimkante eine Auswahl an Ideen, Waren, Design, Dienstleistungen, Menüs und Lebensstilangeboten, ohne das sie verpflichtend sind, das ist einmalig. (Sagt aber auch viel über die Härte der Konkurrenz.)

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