Es war warm und feucht. Seit Herbst ist hier Holzfaulwetter.
Wir arbeiteten heute draußen. Der Graf zersägte die kaputte Linde in schöne Klötze, ich stapelte weiter die Rundmiete auf und harkte Laub.
Die Katzen kletterten heute zu ersten Mal vom Fensterbrett in den Garten und der Dämmerung wieder zurück, ich hatte ihnen einen kleinen Baumstamm angelehnt. Mimi hatte etwas gebraucht, zu kapieren, daß es rauf genau so geht wie runter. Sie hatte sich unmittelbar unters Fenster gestellt und schaute mich mit großen Augen an. Erst als ich intensiv am Holz kratzte, kapierte sie, daß sie ein Stück zurück zum Anfang des Stamms gehen muß, um hochzukommen.
Ansonsten jagten sie sich den ganzen Tag gegenseitig. Meine Urgroßtante hatte ein Schlafzimmerbild, auf dem eine Mutter mit ihrem Kind spielt und um sie herum toben kleine Kätzchen. So ungefähr sah heute unser ländliches Idyll aus.
Der Abend war Stricken und Fernsehen.
Archiv der Kategorie: Leben
07.01. 2020
Scheinbar bin ich durch durch den Hänger, was immer auch die Ursache war. Heute Morgen war es noch blöd, fühlte sich vergrippt an, wurde mit Ibuprofen verprügelt und dann wurde mir zusehends besser zumute.
Vormittags holte der Graf den Schmuck vom Baum und schnitt ihn klein. Ich machte auch irgendwas, erinnere mich aber nicht mehr. Ach doch, ich heizte den Ofen im Saal, leerte unter Katzenassistenz die Bütt voller Sand aus, in der der Baum gestanden hatte (Mimi mußte selbstverständlich einmal reinspringen) und setzte Wäsche an.
Dann sortierten wir die Einzelteile der Küche, die wir vor 11 Monaten mal in einer Wohnung in Berlin Buch abgebaut hatten. Wir hatten fast keine Fotos gemacht und es dauerte eine Weile, bis wir wieder in Erinnerung hatten, wie was zusammen kam.
Dann war es schon fast dunkel. Ich sammelte die Katzen ein, die grade vom knuddeln von den Nachbarn kamen und ging hoch zum duschen und Ofen anheizen. Dann telefonierte ich noch etwas und wir aßen Suppe.
Den Rest des Abends verbrachte ich vor einem James Bond-Film vor dem Fernseher strickenderweise und wunderte mich bei den Nachrichten, wie sommerlich und zivil der Stoff der Uniformjacke des Generalinspekteurs der Bundeswehr aussah. Also bei meinem Opa hätte es das nicht gegeben.
Nachtrag: scheint die normale Generalsuniform der Bundeswehr zu sein.
06.01. 2020
Das war sowas von nicht mein Tag.
Aufgestanden, Katzen versorgt, gefrühstückt, gefroren und irgendwie immer kraftloser und kleiner geworden. Um 12 Uhr alle Probleme mit der Selbstachtung drangegeben und für zweieinhalb Stunden ins Bett gegangen.
Ich darf das.
Dann wieder aufgestanden, zum Laub harken rausgegangen, bis zur Dämmerung gearbeitet und lange mit dem Kind telefoniert, das eine Entscheidung fällen und alles, was daraus resultiert, planen mußte.
Die Katzen tanzten um mich herum. Shawn stieg auf Bäume und ausgerechnet auf einer alten Linde, die dicke Maserknollen ohne Ende am Stamm hat, hatte er plötzlich Schwierigkeiten, aus zweieinhalb Metern Höhe herunterzukommen.
Dann völlig verfroren reingegangen. Es war nicht kalt. Ich war ausreichend angezogen.
Zum Warmwerden in die Badewanne gegangen. Dort mehrmals eingeschlafen. Rausgegangen, ins Bett gelegt und eine Stunde geschlafen. Dann noch gelesen. Als hätte mich jemand auf dem Laken festgeklebt.
Aufgerafft, Suppe warmgemacht, mit dem Grafen gegessen, die Katzen schlafen gelegt und wieder ins Bett gegangen.
Keine Ahnung, was das ist. Biorhythmus, Schilddrüseneinstellung, Vitamin D-Mangel, simpler Ausruhbedarf, Wintertief. Donnerstag habe ich einen turnusmäßigen Arzttermin. Mal schauen.
WMDEDGT Januar 2020
Heute ist wieder der Monatsfünfte, Frau Brüllen fragt, was wir den ganzen Tag gemacht haben.
Ich wachte in der allerfrühesten Morgendämmerung auf, der Himmel wurde gerade etwas heller und drehte mich noch mal um, weil Sonntag war. Als ich das nächste Mal aufwachte, schien mir die Sonne ins Gesicht und es war 10 nach 10.
Ich sprang auf, schaltete erst mal die Elektroheizung an, zog die Arbeitsklamotten über, in denen ich auch Katzenkontakt habe und ging hinunter zu Mimi und Shawn. Die schnurrten mich zwar an – klar, sie hatten Hunger – hatten aber schon eine Protestnote wegen zu späten Dosenöffnens hinterlassen. Draußen war es gut kalt, aber sonnig. Ich ließ die beiden raus, füllte vor dem Hochgehen einen Korb mit Holz und Anzündholz und heizte den Bullerjan in unserer Wohnung und den Kaminofen im Herrenzimmer an.
Dann frühstückte ich erst einmal in Ruhe und machte mir anschließend eine Sonntagsfrisur. Nachdem ich die Öfen nachgelegt hatte, weckte ich den Grafen und heizte den großen Ofen unten im Saal mit Kohlen.
Wir räumten das Herrenzimmer auf, ich fegte und wischte den Eingangsbereich im Saal, was ich seit Wochen aufgeschoben hatte und der Graf holte Holz, während ich den Tisch im Herrenzimmer mit Kaffeegeschirr deckte und den am Vortrag gebackenen Kuchen aufschnitt. Ein Schokokuchen mit karamellisierten Walnüssen, der nur zwei Drittel der Backzeit gebraucht hätte, hätte ich meiner Nase getraut. So war er hart wie ein Keks. Er hätte sich sicher gut mit Vanillepudding in Schichten im Glas gemacht, aber dazu fehlte die Zeit.
Da die Gäste auf der Autobahn langsamer vorankamen als gedacht, drehte ich mit den Katzen noch ein Runde durch den Garten. An der Terrasse wächst viel Baldrian. Bisher war das noch keiner Katze aufgefallen, aber heute scheuerte sich Shawn intensiv dort, wo im Sommer eine Pflanze steht. Nicht mal Futter konnte ihn weglocken.
Dann saß ich mit dem Grafen im Herrenzimmer und strickte, bis der Besuch kam. Große Wiedersehensfreude.
Wir plauderten, tranken Tee und aßen den zwar harten, aber doch recht wohlschmeckenden Kuchen. Ich freute mich sehr über die Begegnung. Der Besuch, der auf der Durchreise war, fuhr weiter und ich sammelte die Katzen ein, denn es war inzwischen dunkel.
Mimi kam mit etwas Verspätung. Sie ist zwar erst vier Monate alt, aber in den Büschen jammert es nachts schon und ich würde es nicht so prickelnd finden, wenn einer der hier rumstreunenden Gangsterkater sie demnächst schwängert. Da muss ich einen Blick drauf haben. Für eine Kastration ist sie jetzt noch etwas klein.
Der Graf und ich saßen noch ein bisschen am Ofen und danach fuhr er nach Berlin, um nach dem rechten zu schauen und ich räumte den Kaffeetisch ab.
Den Abend verbrachte ich strickend vorm Fernseher und unterhielt mich nebenher der Chat mit der Family* und dem Herrn Spontiv. Ich aß etwas Suppe und ein Brötchen und fror, obwohl das Thermometer sagte, das sei jetzt wohl etwas übertrieben. Eine Decke brachte Abhilfe und ich glaube, mich zu erinnern, das war letztes Jahr genauso. Januar und Februar sind meine Tiefpunktmonate.
Nachdem ich die Katzen schlafen gelegt hatte, ging ich auch ins Bett und stalke nun den Grafen auf seinem Rückweg hierher per App.
*Das Enkelkind hatte nach einem Sturz so was ähnliches wie „ich binne nicht tot gesagt“ :)
Die anderen WMDEDGT-Tagebucheinträge finden sich übrigens hier.