23.04. 2021

Der Wind war abgeflaut und nun war es in der Sonne recht warm.
Morgens hatte ich es geschafft, haarscharf an einem Twitter-Scheißegewitter vorbeizuschrammen. Ich wurde gefragt, was ich von #allesdichtmachen halte. Ich so Hä? und suchte nach dem Hashtag, sah mir ein paar Filme an, in denen sich Schauspieler sarkastisch über die Corona-Maßnahmen äußern und wohl auch die Regierung kritisieren und fand mich wieder in der Kommentierung des Doublebinds, daß Kontaktsperre gut für das soziale Wesen Mensch ist und dann bald alles vorbei ist – oder auch nicht. Ich pendele in meinen Überlegungen seit Wochen zwischen: Alles zumachen für drei Wochen, komplett die Füße still halten, alle. und: Wir werden uns in den nächsten Jahren von Mutante zu Mutante hangeln und das geht nicht weg. Ich fand mich mit meiner Gefühlsverwirrung und meinen Zweifeln wieder.
Und ansonsten zuckte ich die Schultern. Daß Leute auf der Regierung rumhauen, ist in den sozialen Medien doch Tagesgeschäft. Daß das nun ausgerechnet Schauspieler machen, macht es für mich politisch nicht ernstzunehmender.
Als ich mich in der Richtung auf Twitter äußerte, kam Widerspruch, der durchaus auch mal imperativ wurde. Dann bekam ich mit, daß Tout Twitter scheinbar schon stundenlang am Schreien war.
Ich blende den ganzen Empör schon seit Wochen durch Überlesen aus und hänge absichtlich 24 Stunden in meiner Timeline hinterher. Seelenhygiene. Irgendjemand schrieb neulich auf Twitter, man könne grade ein paar Leuten beim langsamen Verrücktwerden zusehen. Die Situation ist für alle, jeden auf seine Weise, schwierig. Da muß man den Kopf klar halten und so was nicht reinlassen.
Das ist nicht meine Tasse Tee. Ich habe letztes Jahr kaum über meine sehr frühen Vorsichtsmaßnahmen geschrieben, weil meine Peergroup da noch der Meinung war, so etwas wie das Bundesseuchengesetz, das heute abgestimmt wurde, wäre Naziteufelswerk. Jetzt hat es sich gedreht, jetzt ist man Nazi, wenn man Probleme hat, daß es per Gesetz zentrale Beschränkungen und eine strikte Ordnung gibt.
Ich habe keine Probleme mit Einschränkungen. Ich bin in einem autoritären Staat aufgewachsen. Solche Ordnung von oben beruhigt mich in schweren Zeiten.

Wir gingen mittags raus und spalteten das Holz fertig. Es sah nicht so aus, aber die Stamm- und Kronenbasis war noch einmal eine Menge Holz. Es sind ca 10 Raummeter, vielleicht sogar noch etwas mehr, weil wir trockene Scheite schon seit zwei Wochen verheizen und noch Teile von drei jungen Eschen dazu kommen, die auf dem Grundstück gefällt wurden.
Die Arbeit ist anstrengend, auch wenn die Aussicht auf Heizmaterial fürs nächste Jahr gut ist, nochmal machen wir das nicht. Es hält uns von unserer eigentlichen Arbeit ab.
Abends war ich zu müde zum Kochen und aß nur eine halbe Tüte Chips und einen Schokoriegel. Ich hoffe, ich werde nachts nicht hungrig.
In den letzten tagen hatte ich mir im Fernsehen The Movies angesehen, eine Dokumentation über die Geschichte Hollywoods.
Ich merke, daß mir doch manchmal etwas fehlt. Kino, daß mit großen Bildern erzählt wird, der dunkle Saal, die Konzentration auf den Film.
Ich habe mal auf meine Liste geschrieben, daß ich in einem flachen amerikanischen Haus in einer wüstenähnlichen Landschaft leben und meine Tage im Swimmingpool und im Kinosaal verbringen wollte. Nun lebe ich in einem barocken Haus mit Park in einer irisch anmutenden Landschaft und habe zwei große Fernseher zur Verfügung.
Kino kommt später. Auch im Jenseits gibt es Kinosäle, da bin ich mir sicher.

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22.04. 2021

Noch ein Tag mit diesem konstanten, sehr starken Wind. Es fühlte sich an wie am Meer.
Heute Morgen kurz nach dem Aufstehen: Herzklopfen, Rauschen in den Ohren, Druck im Kopf und in den Halsschlagadern. Das Berlin Drama schlug wieder auf den Körper durch. Im Zuge dessen aber eine sehr sonderbare Stimmung. Melancholie, dünnhäutig und sehr open minded. Plötzlich kamen Erinnerungen hoch an alte Schuld in der Zeit als junge Mutter und Ungerechtigkeiten und Streit in der Vergangenheit. Es fühlte sich alles sehr fragil, sensibel, wund und offen an. Am Sonntag war es mir schon einmal so gegangen.
Am Vormittag widmeten wir uns wieder dieser Endlos-Serie Berlin-Drama.
Dann gingen wir raus, sortierten die letzten Holzstücke und ich fegte viele Schubkarren Sägespäne zusammen. Dann haute ich mit dem Vorschlaghammer zu, um letzte Klötze zu zerkleinern (wunderbare Aggressionsbewältigungsübung). Der Graf stand am Holzspalter. Bis er nicht mehr ging. Er wechselte zur Motorsäge und wir schauten abwechselnd, ob wir den Holzspalter nicht wieder zum Laufen bringen könnten. Bis die Nachbarin per WA fragte, ob wir auch keinen Strom und kein Wasser hätten.
Der Strom kam erst wieder, als es dämmerte, das Wasser schon eher.
Abends gab es Aufgewärmtes und wenn ich so müde bin, produziere ich beim Stricken Fehler.

Ach und aus den Mails des Nachmittags zu schließen, gab es heute einen sehr wichtigen Plot Point im Berlin-Drama. Wenn das tatsächlich ernstzunehmen ist, ist eine Menge Konfliktpotenial aus dem Raum gekehrt. Beendet ist die Sache noch lange nicht, aber das Thema Nepotismus und Intrigenstadl ist durch. Hoffentlich.

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21.04. 2021

Kälter, mit einem konstanten starken Wind aus Nordwesten. Wie ein Gebläse.
Vormittags Berlin-Drama, nachmittags Holz spalten und etwas Gartenarbeit zwischendurch.
Wir sind mit dem Holz fast fertig. Was jetzt noch da ist, ist knorrig und hat Äste.
Dann gekocht und zu müde zum Stricken.
(Der kleine Kauz sitzt noch immer im Baum.)

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20.04. 2021

Schön warm und sonnig.
Ich holte mir zum Frühstück noch einmal wilden Schnittlauch für mein Rührei, bald blüht er, dann ist es vorbei.
Der Vormittag gehörte wieder einmal dem Berlin-Drama. Ab Mittags waren wir draußen. Ich machte Gartenarbeit, der Graf spaltete die letzten riesigen Stammabschnitte, eine Basis, die über der Wurzel sitzt und einen Ansatz der Baumkrone. Alles voller Drehungen und Knorzen.
Wir setzten uns relativ früh auf die Terrasse und heizten den Grill an. Es gab die ersten Bratwürste des Jahres. Die Katzen hatten eine Hand voll Futter bekommen, damit sie nicht versuchten, etwas abzubekommen und sie schliefen um uns herum in der Sonne.
Die Sonne zog hinter die Lebensbäume und hat sie transparent gemacht. So konnte ich die ganze Zeit den kleinen Kauz beobachten, der auf einem Ast saß und sich putzte.
Abends fuhren wir kurz zu den Freunden ein Dorf weiter und gaben etwas ab. Andere Menschen sehen, das ist man fast nicht mehr gewöhnt.
Es wird trotz strahlender Sonne sehr früh kalt, ich war durchgefroren, heizte den Ofen an und ging in die Badewanne.

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