Ich bekenne

Wir haben eine neue Sucht, sagt zumindest die Süddeutsche. Wir sind süchtig nach Sonne.
Ja. Mit dem Rauchen habe ich so meine Probleme, ich habe einfach zu spät angefangen. Beim Saufen stören mich die dicken Augen am nächsten Tag. Sex kann frau auch nicht ständig haben. Beim Fressen stoße ich spätestens nach der zweiten Schokoladentafel an meine Grenzen und Arbeiten mag ich auch nicht dauernd. Zu Rauchendes und zu Schnupfendes lasse ich mal ganz außen vor, das ist mir zu albern (Kontrollverlust!) und zu teuer.
Also Sonne. Natürlich. Sobald sie scheint, krieg ich ein fettes, unnatürliches Grinsen ins Gesicht. Werde euphorisch und schlafe weniger. Reiße mir die Klamotten bis zur Anstandsgrenze vom Leibe. Aber ich muß nicht braun werden. Wozu? Das gibt Falten.

Veröffentlicht unter Exkurs

Fleischlust

Eigentlich ist Fastenzeit. Ich jedoch steige aufs Rad und fahre nach Rixdorf. In der dortigen Fleischerei haue ich mir den Ranzen voll: ein Kilo Hackepeter (das Kind lernt heute Kohlrouladen machen), vier große Blutwürste, sechs Monsterrouladen (damit sie demnächst Rouladen machen lernt) und zwei Stücke Kaßlerrippen für HeMans Grünkohlexzesse.
Das Rindfleisch dort ist gut abgehangen, das Kaßler wird aus der Räucherkammer geholt und die Würste sehen aus wie aus Ebenholz geschnitzt. Es ist alles wesentlich billiger als beim italienischen Feinkostladen oder diesen Beutelschneidern von Butter L*ndner. Und ich bin froh, daß meine Oma und meine Großtante noch die Geduld hatten, mir die gutbürgerliche deutsche Küche beizubringen. Und ich gebe sie gern weiter, denn ich fürchte, sie stirbt sonst aus…

Veröffentlicht unter Leben

Berufskrankheiten

Ich checke ja alle Leute darauf, ob sie ihr Alter gemogelt haben. Registriere Altersflecke auf den Händen, Hautkonsistenz beim Lächeln und den Reifegrad im Blick bei jüngeren Exemplaren.
Außerdem scanne ich immer intensiver nach Schönheits-OPs. Aufgespritzte Lippen, gebaute Brüste, Fettabsaugen am Bauch, Lidkorrektur, da entgeht mir nichts.
Mein Vater hat – ganz Kernphysiker – immer eine Formel parat, um die jeweilige Situation zu erklären.
HeMan braucht perfekte Glätte, die alte Werbermacke eben. (Dann gibt es wieder Momente, wo er von diesen wunderbaren Gesichtern der Menschen in Indien und Italien und überhaupt anderswo schwärmt.)
Filme sehe ich als dramaturgisches Skelett. Kurz vor Schluß rutsche ich im Kino auf meinem Sitz herum und murmele: Junge krieg endlich die Kurve! Oder plappere heraus: Die Frau stirbt sowieso noch. Schrecklich. Ich möchte endlich wieder nur einen Film sehen!
Im Urlaub war ich an einem Abend mit einem Berufssschullehrer unterwegs. Seine Macke: eine Frage stellen, meine Antwort abwarten und dann mit seiner Variante des Themas als alleingültiger Wahrheit kontern. Einen zweiten Abend hat es deshalb nicht gegeben.
Oder der Verflossene. Als gewesener Gastwirt grüßt er automatisch alle, die in der Kneipe, in der wir sitzen, zur Tür hereinkommen und es kommt durchaus vor, daß ihm Gäste ihre Mäntel in die Hand drücken, wenn er nur in der Nähe der Garderobe steht.

Veröffentlicht unter Exkurs

und sonst

immer noch krank. oder schon wieder. die stunde mondfinsternis in bremen hat mir den rest gegeben. 20 stunden komaschlaf gestern. heute geht es so einigermaßen.

***

eine cd dreimal hintereinander hören, das ist selten bei mir. die neue air hat es verdient. und zum ersten mal finde ich, daß hemans überdimensioniertes soundsystem nützlich ist.

Veröffentlicht unter Leben