Nachmittags 4 Uhr. Das Telefon schweigt. Ich schleiche mich in Richtung Bett. Behalte mein Fuerte-Kuschelfleece an, ziehe mir sogar noch die Kapuze über den Kopf und rolle mich unter meiner Decke zusammen. Eine Stunde seliger Schlaf.
Natürlich habe ich sie zu Büroschluß doppelt am Schreibtisch nachgesessen. Das ginge sonst gegen meine protestantische Arbeitsmoral.
Archiv des Monats: Januar 2007
Die Tage nach dem Sturm
Die Virenmails gehen mit der Zeit. Gerade erhalten: Saddam Hussein alive! im Betreff, the_full_story.exe im Anhang.
Und Solveig Dommartin ist gestorben. Man soll Toten nicht noch Böses hinterherwerfen. Aber ich verstehe es nicht. Haben die Leute, die Nachrufe schreiben eine Wahrnehmungsstörung oder lügen sie elegant? Der Tagesspiegel macht heute den vorsichtigen Versuch, sie auf die mitarbeitende Lebensabschnittsbegleiterin von Wim Wenders zu reduzieren. Und das ist – brutal – ihr Platz.
Als ich Der Himmel über Berlin gesehen hatte, kam ich tief bewegt aus dem Kino, konnte mir allerdings die Frage nicht verkneifen Warum hat er die Frauenrolle so unter Niveau besetzt?. Daß die Dame seine Gefährtin war und somit ein Recht auf die weibliche Hauptrolle hatte, habe ich erst später erfahren.
Es nutzt nichts, von den Krümeln zu leben, die von den Tischen der Kunst machenden Männer fallen, ehrlich.
KKM geht es schlecht. Sie ist zum zweiten Mal aus der Reha zurück ins Krankenhaus gebracht worden. Die Knochen sind mürbe, halten die künstliche Hüfte nicht. Und mit jedem dieser Rückschläge wird es unwahrscheinlicher, daß sie in Haus und Garten zurückkehren kann. Jahrelang haben wir Szenarien im Kopf durchgespielt. Was machen wir, wenn? Und jetzt ist es da. Und das Schlimme daran ist, dass sie mit ihrem eisernen Willen daran festhält, dass alles wieder so wird wie früher.
Gestern im Senti überm Kaninchenbraten den Spiegel gelesen. Nichts weltbewegendes, ein Artikel über Poetry Slam. Dann der Satz einer alten Dame, die sich unter die Turnjackenträgerszene gemischt hatte: Ich bin 70 ich habe nur noch 15 Sommer. Das hat gesessen. Ich habe noch viel mehr Sommer. Und trotzdem frage ich mich jedes Jahr im Oktober, was ich überhaupt geschafft, ob ich meine Zeit nicht wieder nur vertan habe.
happyness is a warm bed
es war busfüllend, aber leicht: vor 4 stunden habe ich ein nagelneues entendaunenbett plus kissen nach hause geschwebt.
und nun in die badewanne mit netten zusätzen und dann hinein ins vergnügen. und niemand zieht mir die decke weg…
Die wilde Jagd
Was für ein Tag. Da passiert wochenlang so rein garnichts und da muß der Stoiber ausgerechnet an dem Tag den Hut nehmen, wo alle Mannen und Technik an der Orkanfront sind.
Ich habe zum ersten Mal seit dem 10. Dezember wieder den Fernseher angeschaltet. Er hustete und knurrte ein bißchen, Ignoranz bekommt dem alten Loewen nicht. Später habe ich dann den Beamer genommen. Es war zu schön, mit anzusehen, wie sie die Korrespondenten an den unmöglichsten Stellen in Deutschland ins Mikrophon (das sie mit beiden Händen festhielten) brüllten, es sei Sturm. Das das ZDF hatte auf dem Brocken ganz oben eine 1,50 m – 50 kg-Frau postiert, das kam besonders gut. Vielleicht hatten sie sie festgebunden. (Mal abgesehen davon, daß es selbst an ganz normalen Tagen dort tierisch windig ist…)
Aus Bayern kam spärlich nur wirres, schien mir. Ein Riesenkaspertheater muß dort stattgefunden haben. Die Jungs haben sich geschubst, ins Schienbein getreten und noch schnell über die anderen gepetzt: _Der hat aber eine Geliebte in Berlin und die ist schwanger!_
Tja Horst, das macht man einfach nicht, wenn man aus Ingolstadt kommt und verheiratet ist. Wir eingeborenen Hauptstadtbewohner haben zwar ein Verständnis für Menschen, die aus sexuell unterversorgten bayerischen Landstrichen kommen. Aber was sagt der Papst dazu?