Stöckchen vs. Sollbruchstelle

Bevor ich hier langes Gejammer ausbreche über meine desertierte Bandscheibe, die sich als fieser, ekliger Bandscheibenvorfall mit Entzündung von allemmöglichen outete, klau ich mir ein Filmstöckchen. Ist allemal unterhaltsamer.

Ein Film, den Du mehr als zehnmal gesehen hast:
Im Zeichen des Zorro
Die drei Musktiere
Ich liebte damals Mantel- und Degen-Filme, die natürlich mit ein paar Jährchen Verspätung in die Ostkinos kamen.

Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast:
Dutzende. Ich bin Cineastin, die ihren Anspruch gern mal tieferlegt.
The Blade Runner hier bin ich immer noch auf der Suche nach dem ultimativen Kinosaal für diesen Film
All that Jazz
Blue Steel
Apocalypse Now, den directors cut mag ich allerdings nicht, der läuft auseinander wie ein Pudding
Terminator 2
Spiel mir das Lied vom Tod
Das Leben des Brian
Der Himmel über Berlin
Zabriskie Point
Stalker
und, ja!:
Dirty Dancing

Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen:
Hm. Keanu Reeves, früher Al Pacino, mittlerweile auf jeden Fall Daniel Craig (endlich mal wieder ein Mann!). Dann noch zwei Europäer: Jens Albinus, Mads Mikkelsen und Gael García Bernal
Ich gehe eher in Filme von RegisseurInnen. Kathryn Biegelow, Robert Altman, Matl Findel

Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen:
Meg Ryan. Aber da konnte die arme Frau nix für. Ich hasse romantische Komödien.
Tom Cruise. Obwohl er in Krieg der Welten und Minority Report zumindest gut gecoacht war.

Ein Film, aus dem Du regelmäßig zitierst:
Mittlerweile aus keinem mehr, es sei denn, es unterläuft mir ein Loriot-Zitat. Die Sätze eines langjährigen Lebensgefährten waren montiert aus Das Leben des Brain, Loriot, Ottofilmen und ein paar Italowestern. Und das nervt.

Ein Film-Musical, von dem Du alle Texte der darin gesungenen Songs auswendig weißt:
Funny Girl, obwohl ich stimmlich Mrs. Streisand nie das Wasser reichen konnte.

Ein Film, bei dem Du mitgesungen hast:
The Sound of Music, das übe ich seit drei Jahren im Gesangsunterricht
Fame

Ein Film, den jeder gesehen haben sollte:
Schwierig. Das geht ja so in Richtung moralische Botschaft. Doch: Manche mögens heiß, um zu wissen, was eine gute Komödie sein kann und La Dolce Vita, um zu wissen, wie stylish und cool Schwarzweiß-Film sein kann.

Ein Film, den Du besitzt:
Die letzte Neuerwerbung war Don Giovanni ansonsten habe ich nicht so viele, trotz Besitz eines Beamers (mir fehlt noch das dolby-surround-system, die Filme klingen stereo Scheiße).

Nenne einen Schauspieler, der seine Karriere nicht beim Film startete und der dich mit seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat:
Grade eben hatte ich noch einen Namen… Jetzt isser weg. Irgendwie hatten sie ja früher alle mal einen richtigen Beruf und die Mädchen waren Model.
Vielleicht Arnold Schwarzenegger? Schauspielerei konnte man das in Conan der Barbar (einer meiner Lieblingsfilme!) nicht nennen, später hat sich das Reden und die Gesichts- und Körperpräsentation doch merklich verbessert.
Heike Makatsch auf jeden Fall. Wobei ich ihr in England gebautes Image immernoch sonderbar finde. Dieser Sprung vom Girlie zur sophisticated lady…

Ah, jetzt fällt es mir wieder ein. Gojko Mitic, Sportlehrer, hat mit Komparsenrollen in Italo-Western begonnen. War dann jahrelang Indianer-Hauptdarsteller der DEFA. (Und hatte eine supergeile Oberweite…) Der hatte so eine wunderbare, unverzickte Art, einfach nur präsent zu sein.

Hast Du schon einmal einen Film in einem Drive-In gesehen?
Nee, aber ein ausverkauftes Ostdeutsches Zeltkino aufm überbuchten Ostseecampingplatz bei Gewitter hat mindestens ebenso viel Flair…

Schonmal in einem Kino geknutscht?
Hab ick drei Ti**en?
Ich bin jahrelang ins Kino gegangen, damit sich einer neben mich setzt, mich gut findet und mich küßt und dann mein Freund wird. Ich war doch so dick, trampelig und schüchtern. So habe ich zwischen 11 und 15 mein gesamtes Taschengeld für mehrmals wöchentliche Kinobesuche ausgegeben. Das hat mir dann blöderweise Weichen fürs Leben gestellt.
Und dann irgendwann haben die Attacken der Typen gestört, weil sie mich vom Film ablenkten.

Ein Film, den Du schon immer sehen wolltest, bisher aber nicht dazu gekommen bist:
Berge von Filmen. Die gesamte Schwarze Serie. Italowestern. Iltalienische Filme der 60er. Amerikanische der 70er. Die Joseph-Sternberg-Filme. Leni Riefenstahl als Schauspielerin. Luis Trenker…
Und die Internal-Affairs-Trilogie vollständig sehen.

Hast Du jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?
Ich glaube nicht. Manchmal sind die Filme grottenschlecht und ich bin als offizielle Person da, dann geht das nicht.
Der Himmel über der Wüste hab ich bis auf die ersten fünf Minuten komplett verpennt, da war ich allerdings in der Woche vorher nie zum Schlafen im Bett. Und als ich unter Schilddrüsenunterfunktion litt, habe ich ganze Festivalrogramme nur über die Tonspur rezipiert und bin eingeschlafen sobald das Licht ausging.

Ein Film, der Dich zum Weinen gebracht hat:
Das ist selten oder ich verdränge es sofort. In Nach der Hochzeit habe ich geweint. Die Angst des alternden Mannes vor dem Sterben.

Popcorn?
Weder Popcorn (hab den ganzen letzten Star-Wars-Teil neben zwei raschelnden, quatschenden Popkornfressern verbracht) noch stinkende Nachos.
Früher Bottermelk-Zitroneneis von Lagnese, aber das gibt es nur noch in der Sahnevariante, das boykottiere ich.

Wie oft gehst Du ins Kino?
Einmal wöchentlich mindestens. Bei Festivals können es auch vier Filme täglich sein.

Welchen Film hast Du zuletzt im Kino gesehen?
Alle Zeit der Welt von Matl Findel

Welches ist Dein Lieblingsgenre?
Subtil komponierte Dramen und HauSchießPrügelundVergewaltigungs-Film

Was war Dein erster Film, den Du im Kino gesehen hast?
Die Schneekönigin ein russischer Animationsfilm von 1957

Welchen Film hättest Du lieber niemals gesehen?
Auch wenn es politisch unkorrekt ist und ich zu den offiziellen Unterstützern gehöre: GG19, der Film zum Grundgesetz. Gute Idee, ein paar gute Episoden, der Rest ist dümmlicher Amateurfilm.

Was war der merkwürdigste Film, den Du mochtest?
Schwarze Schafe. Einer witzigsten, konsequentesten und schrägsten Berlin-Filme, den ich in der letzten Zeit gesehen habe.
Und Die Wächter der Nacht / Die Wächter des Tages. Vergiß den Hollywood-action-Scheiß!

Was war der beängstigendste Film, den Du je gesehen hast?
Psycho Ich hatte nächtelang Alpträume, obwohl ich schon 14 war.
Und Der weisse Hai. Wir waren 14 und in einem polnischen Ferienlager. Unsere Betreuer gingen mit uns ins Kino und sagten uns, wir sollten uns überraschen lassen, das wäre ein Tierfilm. (Wenn dem Lagerchef der Inhalt bekannt geworden wäre, hätten wir wahrscheinlich nicht gehen dürfen.) Ich habe von Wasserleichen geträumt.

Was war der lustigste Film, denn Du je gesehen hast?
Hm, als Kind hat man über so viel gelacht. Luis de Funes, Otto, Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten. Das ist selten geworden. Der Partyschreck hat die Zeit überdauert, Manche mögens heiß und Das Leben des Brian

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Das Fossil tanzt

Spätestens am Mittwoch trudeln in meinem Postfach – wie es sich für jeden Hauptstädter gehört, der noch so etwas wie ein Nachtleben pflegt – die Partyeinladungen ein.
Einige, sehr schlichte Mails sind offenbaren solche Geheimtipps, daß ich mich nicht hintraue, weil ich fürchte, die einzige Uncoole/Alte/Schlechtangezogene/Falschangezogene/Zufrühkommende (Nichtzutreffendes bitte streichen) zu sein. Und die Anfangszeiten: 0 Uhr steht da, das heißt vor 3 wirds nicht interessant. Damit kann man den Tag danach vergessen bzw. im Bett verbringen. Da steht meine preußische Natur dagegen stramm.
Vieles ist unsäglicher Schrott. Warum bitte muß neuerdings in Berliner Clubs gepokert werden? Und die Angebote von Wodka-und Champagnertischen richten sich an eine sehr andere Klientel. Bestimmte Clubs gehen sowieso sowas von so garnicht mehr, egal, was dort stattfindet. Im Felix dürfen die geilen alten Säcke und die Teenager aus den Einfamilienhausrandbezirken gern unter sich bleiben. Das 90 Grad (gibts das noch?) habe ich das letzte Mal zu einer Michael-Ammer-Party besucht. Das war eine surrealistische Tat. Das Sage, eineinhalb Jahre in meiner Laufnähe gelegen, hatte in dieser Zeit die Atmosphäre eines Friedenauer Nachbarschaftsheims. Für das White Trash bin ich – ich gestehe es – zu unhip, auch wenn ich problemlos am Türsteher vorbeikomme. Ich war entsetzt über ein paar bedröhnte Pete Doherty & Kate Moss-Verschnitte, die sich auf der Erde rumwälzten und hoffte, nie meine Tochter so sehen zu müssen. Da sind sie mir zu gewollt in, das interessiert mich nicht.
Bestimmte Namen wecken in mir die Edelzicke, die es mag, als VIP am Volk vorbei in einen Laden einzuziehen. Thomilla, Timbaland, Mousse T. oder wie gestern Falcon. Da diese Herren nicht mehr für ein paar Freidrinks am Pult stehen, sind die Parties meistens vom Hort des Bösen finanziert. Was mir egal ist, ich fürchte, in diesem Leben lerne ich keine Lungenzüge mehr.

E-Werk wie in alten Zeiten und doch ist alles anders. Zunächst: alle, die anstehen, stehen auf der Gästeliste (hmpf!). Drinnen dann sind nur der DJ und noch zwei, drei Menschen in meinem Alter. Die schicken jungen Menschen stehen mit ihren Drinks da und schreien sich an. Ab und zu wippen sie ein bißchen.
Der Sound ist zu leise, richtig laut geht ja nicht mehr, ist mittlerweile sogar sanktioniert, glaube ich. Ich gehe nach vorn. Tanze. Alles nicht mehr so wie früher. Sie tanzen paarweise, mit dem Rücken zum DJ. Kaum einer schreit, wenn die Bassline einsetzt. Mir egal. Ich zappele, springe, fuchtele und habe Spaß. (Gab es da nicht irgendein Problem mit der Bandscheibe?)
Irgendwann mache ich mich auf die Suche nach einem Drink und treffe meinen jüngsten, und erfolgreichsten Klienten. Die Haare kleben naß am Kopf, der Schweiß läuft mir zwischen die Brüste und der Junge springt mich an, sichtlich erfreut darüber, daß er seinem Kumpel so ne coole Alte vorstellen kann.
Wir tanzen ein Weilchen zusammen, aber so ganz ist das nicht seine Musik und für mich geht Techno nicht mit einem Tanzpartner – vor allem nicht, wenn man noch geschäftlich verbandelt ist. (Außerdem klemme ich sowieso völlig, wenn wir uns privat über den Weg laufen, er ist wirklich süß. Aber Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps. Aber das nur am Rande.)
Gegen fünf Uhr wird es leer, einmal geht (als Rausschmeißer?) sogar das Hauptlicht an. Es ist hell draußen, die Vöglen singen und beim Gespräch mit dem Taxifahrer merke ich, daß ich doch ein paar Shooter zu viel hatte, überspiele dezent Artikulationsprobleme. Interpretiere in der Wodkalaune seine Fragen nach meinem Alter, ob ich allein unterwegs wäre und seinen Satz, er würde nicht noch mal losfahren sondern jetzt Schluß machen mit seiner Tour plus ein paar Komplimente für mich natürlich in die Richtung, daß ich sogar noch bei hübschen türkischen Studenten Chancen habe, die fast 20 Jahre jünger sind als ich.
Der Kater heute war schlimm, noch schlimmer war das Gefühl, für Tage übermüdet und gaga zu sein. Und der Rücken tut auch wieder etwas weh…

Ach so und an der Garderobe habe ich mich endgültig ins jugendzielgruppengesellschaftliche Aus geschossen. Indem ich den jungen Mann im Gedränge neben mir, der seine Zigarette in Hüfthöhe hielt, in 1A-Mutterton abwatschte: Paß auf, sonst brennst du jemand Löcher in die Sachen! Der hat nicht schlecht gekuckt. Und als er dem ersten Chick neben sich die Glut aufs Polyestertop schnippste, schaute er mich schuldbewußt an. Und ich hab strafend zurückgeschaut.

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Alles so schön bunt hier

Mein Fernseher, HeMans guter, alter Loewe, scheint mir zu verübeln, daß ich ihn kaum benutze. Nach 10 Minuten Laufzeit hat er eine grüne Ecke rechts unten und eine violette rechts oben.
Der Grand Prix wird damit zu einem Erlebnis der Sonderklasse.
Ich bin happy. Sie geben sich alle so viel Mühe. Und können alle noch viel schlechter englisch als ich. Hihihi. Für einen englischen Muttersprachler muß das doch gruseligst klingen.
Und diese schwedische -Schwuppe- also dieser Glitzerlätzchenträger ist auf der Brust besser rasiert als im Gesicht. Muß das so sein?

P.S. Ich gestehe, ich habe in der zweiten Strophe des serbischen Beitrags die Glotze ausgeschaltet. Den kessen Vater fand ich fürs Macholand Serbien revolutionär. (Sie erinnerte mich an meine frühen Zwanziger, da hatte ich zwecks sexueller Orientierungsfindung auch immer mal nen Anzug an.) Als es dann aber immer emotionaler wurde und sich die Backgroundfriseusen enger um die Lady scharten, hab ichs nicht mehr ausgehalten…
Ich hatte noch nie eine Nase für Gewinner.

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Traumfalle

Ich öffne die Augen. Lähmung und Schwärze. Irgend etwas fällt auf mich, ein gewichtsloser, tiefschwarzer Lappen oder ein Schattenwesen – ich weiß es nicht.
Dann werde ich wach. Oft im Bett sitzend oder auf dem Rücken liegend. Den Mund weit geöffnet, hyperventilierend, den Puls bei zweihundert, die Stimmbänder wund und schmerzend. Es dauert lange, bis ich mich wieder beruhige und weiterschlafen kann.
Schlimmer ist das alles für Menschen, die womöglich in meiner Nähe schlafen. Bevor ich wach werde schreie ich. Lange und laut. So laut, wie ich am Tag nie werden könnte. Bis mich dann jemand weckt, zu Tode erschrocken oder ich von allein wach werde.
Was mich dann am Wiedereinschlafen hindert und so beunruhigt, ist das Nichts, das völlige Fehlen von Erinnerung an einen Trauminhalt, einen Auslöser. Nichts. Absolute Amnesie.

Veröffentlicht unter Leben