Als distanzierter und zurückhaltender Mensch hat man es mitunter schwer. Vor allem, wenn man sich aus dem Fenster lehnt und zu kommunizieren beginnt.
Die Menschen aus meiner Blogroll sind bis auf wenige (von ihnen aber auch im credo angekündigte) Ausnahmen mit Humor und Ironie gesegnet, auch was den Selbstbezug betrifft.
Und da stolpere ich bei Blogsurfen über eben jenen schon verlinkten Artikel einer jungen Frau, den ich, ohne meinen Senf abzugeben, so nicht stehen lassen wollte.
Und stehe mitten im bierernsten Diskussionssumpf.
Es ist vielleicht wirklich eine Frage des Alters. So weit bin ich nun schon gekommen, daß ich anfange, über jugendliche Hitzköpfe mein müdes, von ersten Silberfäden durchwirktes Haupt zu schütteln. Es gab ja auch durchaus Zeiten, an der Uni, wo ich eine bedenkliche Neigung zu rhetorischen Flachwichsereien hatte, besonders auf Gebieten, die mir nicht ganz einsichtig waren und vor denen ich auch ein bißchen Angst hatte. Also eher laut lostrompeten statt verdruckst in der Ecke zu stehen. Funktioniert in Fächern wie Theaterwissenschaft immer.
Ich überlege gerade, wie ich mich äußere, ohne der jungen Dame zu nahe zu treten…Fuck!
Ich war einfach entsetzt über diesen altklugen Scheiß, den ich da zu lesen bekam. Vor allem über diese Mischung von Feministinnensprech und erzkonservativer, lustfeindlicher Lebenshaltung. Und letztendlich konnte ich dann nur noch eines dort hinterlassen: Mädel leb erst mal, quatsch nicht so viel.
Die Antwort war noch besser: Es wird im allgemeinen sowieso zu viel gehandelt und zu wenig geredet.
AH JA.
Und dann gibt es noch so Rhizome. Ein ellenlanger Exkurs, den ich nur fassen kann indem ich kursiv von quer nach links die Stichworte rausfiltere, sonst erschlägt mich der Wust von Worten.
Und Holgis Frage, warum für Frauen nur unbequeme Schuhe gebaut werden, ist wiederum Anlaß für Konfrontation zwischen Menschen, die auch mit einem Augenzwinkern durch die Welt kommen und der moralinsauren feministischen Kampfguerilla.
Rettet mich jemand? Ich möchte mit bastelnden Bloggern bauchtanzend durch Kreuzberger Lokalitäten ziehen und Spass haben. (So richtig rheinländisch ausgesprochen.)
Nun
halte ich es doch für nötig, dem untenstehenden Zitat so etwas wie einen Kommentar hinzuzufügen.
Als ich mich mit Mitte 30 von einem langjärigen Lebenspartner trennte, nahm meine Oma mich beiseite und sagte: Mädel, das ist dumm. Sieh zu, daß du schnell wieder einen richtigen Mann bekommst. Ab 40 bekommst du ein Problem, da ist vorbei mit den Männern. Meine Reaktion war klar: Hmpf! Oma! Ich doch nicht! Hatte ich doch nie!
…
Oma hat letztlich nur zum Teil recht bekommen. Vorbei ist es nicht. Ich mußte aber zu meinem großen Ärgernis bemerken, daß ich ernsthaft Konkurrenz von Frauen bekam, die ich nicht für voll nehmen konnte. Babes, Chicks, Lolitas, Debütantinnen, Mädchen.
Aha. Das war also über lange Zeit auch mein Bonus gewesen, den ich überhaupt nicht wahrgenommen hatte. Ich mußte bemerken, daß Selbständigkeit, Überlebensfähigkeit, Kompetenz und Erfolg vor allem bei jüngeren Männern und, na sagen wir, Softies extrem positiv ins Gewicht fallen. Die Männer auf meiner Augenhöhe hatten dann eher Schiß. Und sie blühten auf, wenn sie einem kleinen Greenhorn die Welt zeigen konnten.
Bei der einen oder anderen Gelegenheit durfte ich auch erleben, daß es wirklich so ist, daß eine Frau ab einem bestimmten Alter nicht mehr wahrgenommen, in ihrer Geschlechterrolle ignoriert wird. Oder, anders formuliert, sie wird neutral und ebenbürtig behandelt und nicht angeschaut, angelächelt, begafft, komplimentiert. Damit muß eine Frau auch erst mal fertig werden.
Ein Freund von mir stellte zu diesem Thema mal fett grinsend fest, das sei die ausgleichende Gerechtigkeit der Natur, schließlich würden dafür Teenagerjungs von den Mädchen nicht für voll genommen. Mädchen werden früher reif, dafür altern Frauen eher.
Und dieser Alterssprung ist frappant. Mit 14, 15 piepsen die Jungs rum, spielen noch und sind einen Kopf kleiner als die kleinen damenhaften Biester, die stolz ihre ausgestopften BHs vor sich hertragen. Ein Mann ist mit 50 immernoch passabel dabei während eine Frau wesentlich älter wirkt. Hormone, Körperfetisch, Machtaura.
Ein Weg ist, mit diesem Phänomen zu hadern und es zu ideologisieren. Das gibt dann so einen Diskurs: die kleinen dummen Schlampen und die großen g**len Böcke tun es und eigentlich gehört es verboten und wenn nicht das dann sollte es moralisch sanktioniert werden. Und ideologisiert wird auch mit dem fiesen Argument, daß jeder, der das Problem nicht als solches erkennt, angepaßt und hirngewaschen sei.
Beim Anblick eines kleine, puschligen Eisbären juchzen alle „süß“. Hat sich einer hingestellt und Vorträge darüber gehalten, daß das nicht ginge, weil man große, starke bissige Eisbären dann genauso lieben müßte?
Herrgott, es ist so. Männer sind ziemlich oft hin und weg, wenn ihnen eine Elfe durchs Bild flattert. Und Elfen werden von großen starken Leuchttürmen angezogen.
Ich kenne eine ganze Menge Leute, die so eine Phase im Leben hatten. Männer, die glauben, daß sie noch einmal von vorn anfangen und nun glücklicher werden könnten. Mädchen, die denken, endlich den guten und begehrenwerten Vater getroffen haben. Das geht vorüber.
Ich bedaure eher die, die dich aus dieser Fixierung nicht lösen können. -Was aber alle anderen Fixierungen auch betrifft. Wer einen Fetisch liebt, statt eines Menschen – seien es nun T*tten, Ä*sche, Macht, Geld, Muskeln, Autos, Diamanten, ein bestimmter BMI, eine Haarfarbe, eine Hautfarbe – ist ziemlich arm dran. Oder opfert für die Erfüllung seiner Obsession viel. Das weiß jeder Mann, der über Jahre eine Studentin finanziert hat, der er irgendwann zu alt war. Und das weiß auch jede Mädchenfrau, deren letztes Liftig auch nichts mehr half.
Das Leben ist so. Leben wir es. Mit seinen wunderbaren und seinen beschissenen Seiten. Ein anderes bekommen wir hier leider nicht.
Biologie
Hier der ganze Text. (via Ariadne)
Und hier ein Auszug:
Aber seltsam an der Geschichte war, dass ich so lernte, dass die Liebe eines Quasimodo wertlos war, während nur die Liebe eines Prinzen Wert hatte.
Ein Einserpasch beim genetischen Roulette ist eigentlich ja kein Mensch mehr.
Ein Gespräch blieb bei mir hängen.
“Ich habe mein Leben lang nach jemandem wie dir gesucht.. leider ist jetzt alles zu spät.“
“Wieso ? Wie, nach jemandem wie mir ?“
“Wie du aussiehst, wie du dich selbst beschreibst, dein Blick, deine Einstellung zum Leben.“
“Und zu spät ist es weil.. ?“
“Ich bin 38, verheiratet mit einer Frau, die ich nicht liebe, habe zwei Kinder mit ihr, mit denen ich nichts anfangen kann.. es war einfach eine dumme Idee. Mein Leben ist Müll, mein Job wird demnächst gestrichen, ich habe kaum noch Haare auf dem Kopf. Kurz gesagt: ich bin jämerlich.“
“Aha.. und was soll ich da genau machen ?“
“Mit mir reden.. ich habe mich in dich verliebt, weil du genau so aussiehst, wie die Frau, die ich immer kennen lernen wollte. Vielleicht können wir uns einmal treffen, keine sorge, ich will dich nur anschauen, um zu wissen, was ich verpasst habe.“
“Ich bin keine Frau.. ich bin sechzehn Jahre alt, ich bin ein Mädchen und wen auch immer du in mir siehst, ich bin nicht diese Person.“
“Das würde ich gerne selbst herausfinden, wenn du mich lässt.“
“Du willst dich mit mir treffen ?“
“Ja. Ja, oh ja, das würde ich gerne.“
Wer hat an der Uhr gedreht?
Und wusch! da sind fünf Tage vorbei. Auf dem Schreibtisch stapelt sich das Liegengebliebene, das Telefon klingelt vorwurfsvoll und ich hoppele nur noch hinterher.
Und ich bekomme die Abende kaum noch zusammen.
* Mittwoch: Robert Altmans letzter Film, danach im Nu Disput über Sinn und Unsinn des Bloggens und wie persönlich so etwas eigentlich ist
* Donnerstag: Klaus Beyer zu sehen war eine Enttäuschung, danach Totentanz im leeren Rheingold (Touris, ein nach Öffentlich-Rechtlichen aussehender alter Sack mit Callgirl, müde Barkeeper), ins Weekend nicht reingekommen (Der Türsteher: Ej, wir erwarten hier wischtige Leute! Ah ja? Dann fickt euch ins Knie!)
* Freitag: worst Absturz ever, zumindest für HeMan und einen alten Bekannten, dabei begann der Abend im Horvath genial (das war was für Mutters verfressene Tochter) und endete mit Cocktails bis Oberkante Unterlippe im Riva, ich hab mich dann damit gerettet, daß einer von dreien einen klaren Kopf behalten und Auto fahren muß
* Samstag: Schneckengrillen auf der Dachterasse, HeMan, meinereinem und noch zwei Ladies, Flugwurstgefahr, weil der Grill so dicht am Rand stand
* Sonntag: nur noch Rumhängen in der Sonne, der verlorenen Bikinifigur hinterhertrauern (absurd, zu Weihnachten war ich schlanker!), Reste kochen, Knutschflecke zählen und neue machen
Das Leben ist schön.