Heute meinen monatliches Sündensoll in Sachen Essen aufgefüllt (Trinken war schon – Barcelona – to much spanish brandy und n Tag lang Kopfschmerzen und Kotzgelüste), Curry mit Pommes rot-weiß an dem kleinen Büdchen an der Brücke Glogauer Str. Wollte sogar noch einen Milchreis im Senti hinterherschieben und sagte mir dann: das geht nun wirklich nicht.
Da klingelt das Telefon und HeMan übermittelt mir, er hätte grade sein letztes Geld für Würstchen ausgegeben, er würde dann heute abend grillen und ob ich nicht… Klar! Null Problemo! Leider habe ich grade keine Zeit mal eben prophylaktisch ne Stunde um den Block zu rennen. Ich ziehe einfach die weite Hose an.
Der Sonntag danach
Auf HeMans Balkon blättere ich in der Morgenpost, die immer noch auf Order der Vormieterin kommt. (Keine Ahnung, ob sie immer noch zahlt oder aber die Orderänderung nicht an den Zusteller übermittelt wurde.)
Neben den CSD-Paradiesvögeln, die die Zeitung reichlich illustrieren fällt ein Foto auf: ein knappes Dutzend ältere, linksalternativ gewandete Herrschaften haben sich an einen Baum gekettet. Sie dürfen endlich wieder protestieren, es gibt wieder einen Grund für Flugblätter, Klebeaktionen und den kategorischen Imperativ.
Der Grund? 12 Bäume am Landwehrkanal. Es ist absurd. Sobald die Kettensäge anspringt, rasen die Leute auf die Straße und rufen das geht doch nicht!!! Städter. Wenn sie einen Garten hätten, wüßten sie um die unziemliche Vermehrung der Biomasse, vor allem in einer Stadt wie Berlin, in der es verboten ist, Äste und Laub zu verbrennen. Ich kann nur klugscheißen. He! Das wächst wieder nach. Und zwar ziemlich schnell. Der Tiergarten war Ende der 40er auch so gut wie kahl, heute geht man wieder durch den Urwald.
…
Barcelona. Geniale Stadt. Kochend, schnell, jung und amüsierwütig. Und sauber. Berlin bräuchte nur die Hälfte der Putztruppen, um aus dem Siff rauszukommen. Den ersten Hundescheißeschock habe ich nach dem Aussteigen aus dem Taxi schon hinter mich gebracht.
Ich Einzelgängerin im Gruppenpulk unterwegs! Zeitweise waren wir sieben. An einem Tisch an den Markthallen, der sich unter Muscheln und Krabben bog. Ich habe noch nie so schlicht und gut gegessen. Dazu die Menschen. Der zweite Teil des Dolce & Ciabatta-Teams, der Sternekoch, ist bodenständig, sanft und doch voller Kraft. Seine Freundin ebenso. Sie erzählt ganz nebenbei vom Wellenreiten und ihren Jahren in Amerika, wo sie nicht Kellnerin war sondern Snowboardlehrerin.
HeMan, der immer wieder nachfragt, was diese Menschen antreibt.
Irgendwann kommen die ersten Ideen für das nächste Event. Ein fauler Nachmittag, wir haben uns ins Arts-Hotel eingeschlichen, wird zum Brainstorming.
Als ich heute morgen in den Spiegel sehe, sage ich mir, vergiß die dicken Augen, vergiß das draufgefressene Kilo, vergiß die zickende Kundschaft, die mich am Donnerstag und Freitag im Büro vermißt hat. Diese Zeit war wertvoll.
Es hängt ein leichter moralischer Kater in der Luft. Der Alltag hat uns wieder. Unsere beidiroderbeimir-Problematik ist wieder da. 30 cm Post warten auf mich. Termine.
Auf den ersten Blick
Wir sind uns am Wochenende begegnet. Auf einem Künstlerfest in Hessen, er stand unter vielen anderen, die viel größer, ausdrucksvoller und schlanker waren.
Ich war mit HeMan mitgefahren, der den Künster seit langen Jahren fördert, einige Werke von ihm um sich und die Gelegenheit nutzen wollte, noch etwas zu finden.
Ich trabte so mit, wurde vorgestellt, lächelte, klaubte mir am Buffet die Erdbeeren zusammen und ging immer wieder hoch ins Atelier und warf verstohlen einen Blick auf ihn.
HeMan war es irgendwann zu bunt. _Mach doch, los, frag!_ Ich war mir nicht sicher, ob er nicht vielleicht ein Problem damit hätte.
Nun ja. Nun ist er hier bei mir.
Steht noch etwas fremd herum und doch ist mir, als wäre er schon immer da gewesen. Ein Riß über der Brust wird noch durch die Ortsveränderung aufspringen. Und sonst? Groß, lange Flanken, ein verhaltener Schwung im Körper, ein bißchen Oberweite und harte Nippel. So, wie ich es mag.
Und ich sage immer er. Männer sehen eine sie. Ich manchmal auch. Eine hagere, zähe und große Frau. So wie ich aussehen würde, wenn Gott in meine Seele gesehen hätte und mir nicht dieses 08/15Modell Mama übergestülpt hätte.

Und der Schöpfer heißt Stephan Gruber, hat mit Internet nix am Hut (doch mittlerweile ja, 2012…) und lagert seine Kettensäge und seine Pinsel in Geiß-Nidda im Wetteraukreis.
Hekkkktickkk
Bügeln, Nägel zuende lackieren, packen und bloß nicht zu viel. Das kleine Schwarze faltenfrei legen. Und irgendwie die Aufregung bezähmen, die die Angst ersetzt hat, die mich jahrelang flugunfähig machte.
Barcelona, ick komme! Und hab den HeMan im Schlepptau und den begnadesten jungen Pianisten Deutschlands. Weil eigentlich gehts ja um ihn. Aber das alles später.