Das war heute morgen nicht von schlechten Eltern. Ich wache um halb fünf auf. HeMan schauft friedlich neben mir, auf der Seite liegend wie immer, sieht er aus wie ein Gebirgsmassiv. Ein Schutzwall.
Die Nacht war hart. Der Abend zuvor härter. Die hoffentlich letzte Runde gegenseitiger Verletzungen und Revierkämpfe hat Muskelkater in Kiefer, Schultern und Fäusten hinterlassen. Ich rotiere etwas, schiebe mein Kissen hin und her und schlafe doch wieder ein.
Bin in einem Traum in einer chaotischen, riesengroßen Wohnung. Mitschüler aus der Abiturklasse blättern plötzlich Kinderfostos von mir auf. Ein semmelblondes Mädchen mit Puppenwagen und Pudel, sepiabraunes Seidenglanzpapier.
Ich wundere mich, wo die Fotos herkommen. Jemand zeigt auf den pensionierten Schuldirektor, der in einer Reihe Kinosessel sitzt. Ich sehe ihn nur im Profil. Er hat lange weiße Haare, die nach allen Seiten abstehen.
Und dann wird mir noch sein Hund gezeigt. Ein hellblonder Cockerspaniel, der sehr komisch läuft. Als der Hund sich umdreht, hat er zwei Köpfe. Ich fachsimpele mit jemandem über die seltene siamesische Zwillingsrasse. Doch dann sehe ich, daß der Hund sich teilt. Der obere springt ab, der untere läuft weiter, zu mir, um sich streicheln zu lassen. Er ist warm, kuschlig und ganz dick.
Ich begreife, daß er trächtig ist und habe Angst davor, daß ich ihm nicht helfen kann, die schnell einsetzende Geburt zu bewältigen. Der Hund legt sich in die Badewanne, unter fließendes warmes Wasser. Blut spült in den Ausguß.
Ich laufe weg. Irgendwas scheint interessanter. Vor der Tür treffe ich HeMan, seinen Freund S. und dessen kleine Tochter, auch meine Tochjter kommt dazu. Ich verspreche ihnen, daß etwas ganz tolles zu sehen sein wird, wenn sie mit mir mitkommen. Wir rennen eine lange, gebogene Showtreppe hoch. Ich habe S. an der Hand genommen und ziehe ihn hinter mir her. HeMan bleibt zurück, weil wir so schnell rennen.
In der Wohnung setze ich meine Begleiter in den Kinosesseln ab und suche den Hund. In der Badewanne ist er nicht mehr. Ich finde nur eine alte Lady, die unter dem Wohnzimmertisch liegt. Eine zierliche, einstmals schöne und elegante Frau Sie ist betrunken und kann deshalb nicht aufstehen. Sie wälzt sich auf der Erde herum und zieht sich eine Feinstrumpfhose nach der anderen aus. Mir ist das peinlich, ich gebe ihr die Strümpfe, damit sie sich wieder anzieht. Extravagante, teure Teile in schwarz und creme, die Strapse kopieren. Sie trägt drei, vier übereinander und dazu schwarze Kniestrümpfe, deren Löcher in den Zehen mit Tapetenkrepp und Papier verdeckt sind. Weil sie ewig braucht und dabei herumlamentiert, schiebe ich sie ganz unter den Tisch.
Den Hund entdecke ich schlafend im Bett. Unter einem weißen Handtuch fiept und bewegt sich etwas.
Ich nehme den winzigen, blonden Hundewelpen in die Hand. Er paßt genau rein. Ist ganz warm und weich und hat etwas Milch am Schnäuzchen.
Emotional Overload
Wenn ganz harmlose Ereignisse einem plötzlich die Seele aufschrammen bis runter aufs Fleisch.
Bevor ich loslege: ich hasse theatralische Gefühle, weine nicht gern und noch weniger gern bin ich auf andere Menschen angewiesen. Theoretisch. In Wahrheit bin ich natürlich ein bedürftiges Kuschelmonster, das Zuspruch braucht wie Balkonblumen Wasser.
Seit zwei Wochen drehe ich am Zeiger. Die Physiotherapie nimmt mir meine geliebten Muskelverspannungen weg und baut mich neu wieder auf, anders. Ich fühle mich, als wäre mir der Panzer weggerissen. Dünnhäutig, empfindlich, nicht in der Lage, unangenehme Dinge abzublocken. Habe nah am Wasser gebaut und heule wegen des geringsten Problems. Gute Güte.
HeMan steht kopfschüttelnd da, wenn ich ihm das Hemd naßheule und Rotz und Blasen schluchzend erkläre, ich würde sowieso alles falsch machen, würde mich sooo alleingelassen fühlen und hätte das Gefühl, er könnte mich jede Sekunde verlassen.
Kinderkram. Und scheinbar muß ich da doch durch.
Jeden Tag
ein Pfund Erdbeeren gegessen, seit es die aus Deutschland und vom Freiland gibt dieses Jahr. Und bei meinem türkischen Superspar stehen noch Körbchen mit Roten Johannisbeeren und echten Heidelbeeren (nicht dieses geschmacklose Kulturzeug). Aber ich kann einfach nicht mehr…
Mein Lieblink
ist immer noch die Initaitive gegen die Bebauung des Sparbiersportplatzes.
Ich dachte erst, das wäre ein Witz. Aber die meinen das ernst.
Vielleicht solte ich ein Nebenblog aufmachen. Es sollte unbedingt den Titel Betroffenenvertretung tragen. Das ist so ein geiles Wort. Wer vertritt wen und wer ist wovon betroffen?
Ähnelt den Betriebsnamen in der DDR: 20. Jahrestag des Sieges. Von wem über wen? Und wann? Es ist alles relativ.