Der Sonntag danach

Auf HeMans Balkon blättere ich in der Morgenpost, die immer noch auf Order der Vormieterin kommt. (Keine Ahnung, ob sie immer noch zahlt oder aber die Orderänderung nicht an den Zusteller übermittelt wurde.)
Neben den CSD-Paradiesvögeln, die die Zeitung reichlich illustrieren fällt ein Foto auf: ein knappes Dutzend ältere, linksalternativ gewandete Herrschaften haben sich an einen Baum gekettet. Sie dürfen endlich wieder protestieren, es gibt wieder einen Grund für Flugblätter, Klebeaktionen und den kategorischen Imperativ.
Der Grund? 12 Bäume am Landwehrkanal. Es ist absurd. Sobald die Kettensäge anspringt, rasen die Leute auf die Straße und rufen das geht doch nicht!!! Städter. Wenn sie einen Garten hätten, wüßten sie um die unziemliche Vermehrung der Biomasse, vor allem in einer Stadt wie Berlin, in der es verboten ist, Äste und Laub zu verbrennen. Ich kann nur klugscheißen. He! Das wächst wieder nach. Und zwar ziemlich schnell. Der Tiergarten war Ende der 40er auch so gut wie kahl, heute geht man wieder durch den Urwald.

Barcelona. Geniale Stadt. Kochend, schnell, jung und amüsierwütig. Und sauber. Berlin bräuchte nur die Hälfte der Putztruppen, um aus dem Siff rauszukommen. Den ersten Hundescheißeschock habe ich nach dem Aussteigen aus dem Taxi schon hinter mich gebracht.
Ich Einzelgängerin im Gruppenpulk unterwegs! Zeitweise waren wir sieben. An einem Tisch an den Markthallen, der sich unter Muscheln und Krabben bog. Ich habe noch nie so schlicht und gut gegessen. Dazu die Menschen. Der zweite Teil des Dolce & Ciabatta-Teams, der Sternekoch, ist bodenständig, sanft und doch voller Kraft. Seine Freundin ebenso. Sie erzählt ganz nebenbei vom Wellenreiten und ihren Jahren in Amerika, wo sie nicht Kellnerin war sondern Snowboardlehrerin.
HeMan, der immer wieder nachfragt, was diese Menschen antreibt.
Irgendwann kommen die ersten Ideen für das nächste Event. Ein fauler Nachmittag, wir haben uns ins Arts-Hotel eingeschlichen, wird zum Brainstorming.
Als ich heute morgen in den Spiegel sehe, sage ich mir, vergiß die dicken Augen, vergiß das draufgefressene Kilo, vergiß die zickende Kundschaft, die mich am Donnerstag und Freitag im Büro vermißt hat. Diese Zeit war wertvoll.
Es hängt ein leichter moralischer Kater in der Luft. Der Alltag hat uns wieder. Unsere beidiroderbeimir-Problematik ist wieder da. 30 cm Post warten auf mich. Termine.

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