Kanye West: Two Words (feat. Mos Def)
Hat das Kind auf meinem MP3-Spieler hinterlassen. Daß ich mal Hipf-Hüpf höre und auch noch Spaß dran habe…
Déja vu
Ich radele in Sturm und Regen zum Hermannplatz. Mein Regencape bläht sich und knattert Tropfen fort. Ich sprühe Wasser wie ein sich schüttelnder Hund. An der Kreuzung steige ich ab, mir kommen zu viele Leute entgegen, die zusammengekrochen über die Pfützen steigen.
Hinter mir plötzlich Hände: Warten Sie mal, ihr Rucksack wird naß. Jemand zieht mir das hochgerutschte Cape zurecht. Eine angenehme Stimme, kurze blondierte Haare, zwei silberne Ohrringe. Ein Mann wie aus einem Visage-Video.
Ups.
Es ist sonderbar, einem flüchtigen Sexualpartner wiederzubegegnen. Noch dazu dem einzigen meiner wenigen One-Night-Stands, von dem ich nicht mehr weiß als den Vornamen. Ein vages Bild an einer Straße in Schöneberg gibt es da noch.
Ich verkrieche mich in meiner Kapuze, doch der Mann hat mich nicht erkannt. Er ist schon weitergegangen, die Ampel ist grün. Ich radele erleichtert hinterher.
Nicht, daß ich die Tätigkeiten dieser Nacht in unangenehmer Erinnerung zurückbehalten hätte. Im Gegenteil. 1+, in Anbetracht des Umstandes, das wir uns zwei Stunden kannten. Sonst nicht so mein Fall, aber mein Hormonpegel ließ mich meine übliche Distanz verlieren. Wir hatten viel Spaß, die halbe Nacht lang.
Als aber der Morgen graute, schlug die Stimmung um.
Du bist doch nur so eine Lady, die sich mit ihrem Typen verkracht hat und ein bißchen Spaß sucht.
Nein! Mein großäugiges Kopfschütteln glich dem eines verhaltensgestörten Eisbären. (Ja natürlich, verdammt noch mal!)
Laß uns das Wochenende miteinander verbringen.
Ähm… (Ach du Scheiße.)
Wir könnten ins Museum gehen.
Nee, du, ich muß arbeiten, meine Buchhaltung muß am Montag fertig sein. (Können wir nicht einfach nur vögeln? Das macht ihr Männer doch ständig so.)
Er schlief ein. Ich bedankte mich innerlich bei diversen Frauenzeitschriften, die mich mit dem Rat versorgt hatten: immer zu ihm, dann mußt du ihn am nächsten Tag nicht rausschmeißen, nahm meine Sachen und ging.
Ich blickte ihm an der Ampel hinterher. Ein mittelgroßer Mann mit schmalen Schultern und einem Fußballergang. Danke, dachte ich ihm hinterher. Auch dafür, daß du mich nicht erkannt hast.
——
Ich sitze schreibend beim Spanier. Am Nebentisch sitzen zwei fette, naturbelassene Ökoschnepfen und sprechen schier unverständliches Schwäbisch. Nur der Satz: ich mit meiner durchschnittlichen Intelligenz fühle mich überfordert schwebt im Bereich des Verständlichen.
Heute nacht
bis drei Uhr Marmelade gekocht. Klassisch 1:1, rote Johannisbeere und Aprikose. Und mangels Übung (meine letzte wirklich göttliche schwarze Johannisbeerkonfitüre wurde vor 20 Jahren aufgegessen) völlig versaut. Sie ist zu fest und einen Tick karamelisiert, war wohl irgendwann zu heiß. Ich könnte sie, in Würfel geschnitten und in Kokosraspel gewälzt, als Fruchtkonfekt verkaufen. Aber ich hab sie lieber wieder aus den Gläsern gestemmt.
Jetzt gehe ich neue Aprikosen kaufen ud eine Waage. Heute abend wird das Tante-Lisbeth-Kochbuch von Regal geholt. Da stehen alle Pasen des Zuckerkoches drin: wie die Blasen aussehen müssen, wie es klingt, wenn sie zerplatzen und wann es gefährlich wird.
Wär doch gelacht, wenn ich das nicht hinkriegen würde.
Neid
HeMan schickt eine mms aus den Dolomiten:

Sie frieren sich zwar ihren A… ab da oben und gestern gab es Gewitter und Schnee, was in den Felsen nicht grade witzig ist, aber solche Ausblicke!
Und im Herbst ist der Mann einen Monat in Nepal. Und ich sitze hier am Schreibtisch. Grummel. Nicht, daß mich solche Bergwanderungen reizen würden, ich werde zu schnell höhenkrank.
Aber meine Vorhaben kann ich dieses Jahr knicken wegen des Bandscheibenvorfalls. Das Roxy-Ladies-Camp ist Anfang September, bis dahin bin ich nie im Leben wieder fit und noch darüber hinaus in Form.
Und für Finnland nächstes Jahr im März fehlt mir immer noch jemand, der mitkommt.
MistMistMist!
edit: Nicht daß ich die Illusion hätte, nach einer Woche auf dem Board stehen zu können…