Roadster verleihen ihren Fahrern einiges an sex appeal. Man kann aber unmöglich Sex darin haben. Es sei denn, man ist Zwerg, Schlangenmensch, aus Gummi oder nimmt jede Menge Unbequemlichkeit und blaue Flecken in Kauf.
Anfang Juni
Die Tage, in denen es auf Mittsommer zugeht, addieren sich für mich Jahr für Jahr auf dem Konto „Schönste Zeit des Lebens“. Diese Zeit ist elektrisierend, positiv geladen und auratisch, so als wäre ich eigens dafür geboren worden. Ich schlafe wenig und wenn, dann tief und fest. Ich bin zwar manchmal müde, aber es ist nicht diese Trägheit, gegen die ich den größten Teil des Jahres ankämpfe. Sonne und Wärme tun das ihre. Es ist wunderbar, sich morgens einfach etwas anzuziehen, ohne sich Gedanken um die Außentemperatur zu machen.
Die Beobachtungen des Wochenendes.
Der Club der Visionäre ist viel viel voller als der Freischwimmer. Das hab ich noch garnicht mitbekommen. Letzterer ist nur noch dröge Gastronomie. Ersterer hat noch die Impro-Siff-Atmo des hippen Berlin.
Wenn die Seele weg ist, dann ist das Haus eines toten Menschen nur noch Herberge für seelenlose Dinge. Komisches Gefühl. Auch der Garten, der eine Woche vor und nach ihrem Tod geflaggt hatte: Rhododendron, Apfelblüten, Tulpen, Rosen, Vergißmeinnicht, ist nur noch eine trockene Wüste.
Drei Mokkaservices! Drei!
Eine Hauseinweihung. Ein Greifswalder Studienjahr Geologie der 90er, mittlerweile in alle Winde zerstreut, kam aus Norwegen, Schweden und der Schweiz wieder zusammen. Sie hatten Frauen und Kinder dabei und bauten sich Zelte unterm Apfelbaum.
Ein „böser“ Geburtstag. Viele wunderbare Menschen. Ein endloser Nachthimmel über der Dachterrasse. Wie kann jemand so viel Liebe generieren?
Immer noch Skrupel, Gegenstände aus Kristall einfach wegzuwerfen.
Wennse noch een Stück altet Westberlin sehn wolln, jehn se auffe Wiese am Halensee. Nackte alte Säcke zu Haufen.
Sie sehen Sachen, die sie eigentlich nie gesehen haben wollten. Man möchte ihnen immer Geld in die Hand drücken mit den Worten: Guter Mann kaufense sich ne Turnhose, n Hawaiihemd und Thrombosestrümpfe, so nackich is doch ungesund.
Allein auf der Dachterasse sitzen und in den Himmel schauen, während der Kerl nebenan schon ins Koma gefallen ist, ist auch nicht verkehrt.
Strickbloggerinnen
AAAAHHHHHH!!!!! Jetzt häkeln sie schon wieder Klorollenbezüge!
Das Leben der anderen
Kaffee mit einem Klienten, der wiederum befreundet ist mit anderen, ehemaligen Klienten.
Ichso: Wie gehts denn X.? Und vor allem seiner Frau?
Erso: Der Frau gehts gut, die hat den Krebs endgültig überstanden.
Ichso: Ach, das freut mich.
Erso: Und der X. hat jetzt dafür wieder mit zocken angefangen…
Nachtrag:
Der letzte, leicht dahingesagte Satz überraschte mich nicht. Ich überspielte, daß der Fakt neu für mich war. Aber nun wußte ich, daß mein Gefühl nicht mich getrogen hatte all die Jahre. Der X. war von Anfang an ein Typ, von dem man sagt: „Der ist nicht echt.“ Er konnte schmeicheln und Komplimente verteilen. Hatte eine nette, welpenhafte Art und konnte einem doch nie in die Augen sehen. Nach ein paar Monaten war ich verstrickt in ein Netzwerk von Freunden, Erwartungen und Dankbarkeitsverpflichtungen.
Bei den ersten Projekten fiel mir auf, daß X. log, daß sich die Balken bogen. Danach gewöhnte ich mir an, jede Auskunft von ihm zu überprüfen und meine Kunden diskret darauf hinzuweisen, daß Sonderkonditionen jeder Art vorher mit mir abzusprechen waren.
Dann wurde er Vater und heiratete kurz darauf. Ich lernte seine Frau kennen, tough, und kompetent, mir war völlig unverständlich warum sie sich so ein krummes Jungchen ans Bein band. Das Kind war von Anfang an ein Problemfall. Es schrie Tag und Nacht, schlief kaum und hatte später schwere Neurodermitis.
Ich verlor die beiden bald aus den Augen, weil er die geschäftliche Verbindung trennte, er fühlte sich von mir nicht genügend gefördert. Ab und zu wurde mir etwas zugetragen. Zweites Kind. Erstes Kind wieder halbwegs gesund. Immer wieder Karriereanfänge. Immer wieder Geldnot. Frau kurz vorm Karrieredurchbruch, dann brachen die Projekte doch weg. Wieder Geldnot. Die Frau bekam Krebs. Operation und mehrere Chemotherapien. Die Kollegen sammelten Geld zur Unterstützung.
Ich wußte nicht, daß sie sich die letzten zehn Jahre damit beschäftigt hat, seine Schulden zurückzuzahlen, die er immer wieder machte. Bei seinem letzten Rückfall hat er eine Bank eingewickelt und sich einen hohen Kredit auszahlen lassen. Das Geld ist komplett weg. Sie hat ihn rausgeschmissen und er ist in Therapie. Mit wenig Aussicht auf Erfolg, aber mit dem unbedingten Willen, zu seiner Familie zurückzukehren.
Codependenz. Und nicht nur seine Frau hat ihn gedeckt, sondern sein ganzer Freundeskreis, der Bescheid wußte. Heftig.