Die letzten Tage waren eigentlich eine tagebuchwürdige Zeit. Aber Würde ist zweischneidig und sie brachte mich dann doch dazu, Diskretion walten zu lassen.
Ich habe einige Erfahrungen und Lehren mitgenommen.
Zum einen, daß ein von zwei Ärzten empfohlenes, weil nicht suchterregendes Mittel gegen die Mischung aus schwerer Erschöpfung und total aufgedreht sein nicht unbedingt indivduell verträglich sein muß. Ich fühlte mich 30 Stunden lang wie auf einem sehr üblen Drogentrip. Mit komplettem Verlust des Zeitgefühls. Hinlegen und bei voller Beleuchtung pennen. Zwischendurch etwas tun, ohne mehr als bruchstückhafte Erinnerung daran zu behalten (ich kochte, mit meinen äußerst scharfen Küchenmessern). Mischungen aus Halluzinationen und Alpträumen, in denen ich mir mit dem Küchenbeil die Finger abhackte. Koordinationsproblemen beim Laufen und Sehstörungen, als hätte mich einer in Aspik oder Götterspeise eingelegt.
Danke, das brauche ich nicht noch einmal. Darüber hinaus faßte ich den Entschluß, auch das Mittel, das ich seit einem Jahr stabil nehme, im Frühjahr nächsten Jahres behutsam abzusetzen. Das muß alles nicht sein. Ich bin ich. Mit allen Ängsten, Höhenflügen und anderen Macken. Ich bin schließlich schon einen guten Teil meines Leben mit mir ausgekommen.
Zum anderen, daß es besser war, die Kampfzone nun endgültig, in gemeinsamer Übereinstimmung zu verlassen. Ich war kaum noch in C-Burg und wenn ich da war, hatte ich einfach nicht mehr den Handlungsspielraum, den ich einst glaubte, besesssen zu haben oder – anders formuliert – ich hatte den Schlüssel zum angepaßten Verhalten nicht mehr.
Nicht daß man mich falsch versteht. Alles hat bekanntlich zwei Seiten. Ich habe viel Unterstützung, Zuverlässigkeit und Fürsorge in den letzten anderthalb Jahren erfahren. Aber ich war in den 4 1/2 Jahren nie die Frau, die mein Gegenüber sich wünschte und umgekehrt, vermißte ich vieles, das ich als Selbverständlichkeit betrachte
Hm, nun bin ich also Bestandteil dieser Singlekultur. Schon komisch, denn ich habe nur Erfahrungen aus äußerer Anschauung.
Ich war immer langfristig verbandelt. Mal glücklich, mal weniger glücklich, mal anstrengend, mal leicht und produktiv. Mein Leben bestand aus serieller Monogamie mit halbjährigen Pausen dazwischen.
Was werde ich jetzt tun? Mich auf Ü30-Parties schleppen und mir Baggersprüche anhören? Eine griesgrämige Frau „um die“ werden? Vielleicht kann ich nun auch meinen Traum verwirklichen, an einer Barbara-Cartland-Alterskarriere zu bauen.
Auf jeden Fall habe ich nun jede Menge Zeit und Energie und keiner redet mir dazwischen.
