Wenn dieser dämliche verschobene Tagesablauf dann mal endlich wieder ins Lot käme, wäre ich ein rundum zufriedenes Kerlchen.
Derzeit lese ich mindestens bis zwei Uhr und komme morgens nicht hoch (was heißt morgens, da lauschen andere schon auf das Tellerklappern in der Kantine). Meine innere Konditionierung hält mir eine Moralpredigt nach der anderen. Was mit Anfang 20 noch normal war, nämlich bis in den Tag hinein zu pennen, wenn es sich anbot, ist für mich nun der erste Schritt ins Asileben. Außerdem ist so ein fieses Morgentief schlimmer als Rückenschmerzen.
Das krieg ich schon wieder hin.
Aus Döschen und Schachteln
fielen sie mir entgegen: die Notizzettel von KKM, die nie ohne Adreßbuch, Kalender und Stifte anzutreffen war.

Ich habe auch noch die Gästelisten, die sie für ihren letzten Geburtstag schrieb.
Morgen wäre sie 88 geworden.
Darauf gibts um Mitternacht ein Glas Rotkäppchen halbtrocken, Omi.

Merke:
Beim Alleinleben kann es zu Anfällen von Dekorationswut kommen.


15.11. 10
Neben einem normalen Montag am Schreibtisch stand ein hausfraulicher Rundumschlag in der Wohnung an.
Ich. Putzte. Sorgfältig. Was sonst nicht unbedingt so meine Sache ist. (niedere unproduktive Frauenarbeit). Bis dahin, daß ich die steinbruchwürdigen Kalkablagerungen auf der Mischbatterie im Bad mit einer Zahnbürste abscheuerte. Danach war ich stolz.
In der Kraftwerkssiedlung, in der die andere Oma und die Großtante früher wohnten, hatte eine Frau dieses Pensum jedem Tag zu erledigen. Trockene und feuchte Grundreinigung und eine besondere Sache wie bohnern oder Fenster putzen. Neben Wirtschaftsgeld sinnvoll verwenden, Geschirr spülen, heizen im Winter und Schrebergartenarbeit im Sommer, kochen, Kinder betüddeln, Mann abends verwöhnen, Locken drehen, Kehrwoche, Haustratsch und einkaufen.*
Ein Fulltimejob.
Ich habe noch ein altes Koch- und Haushaltsbuch, in dem, neben akribisch auf den Pfenning mit Kosten versehenen Rezepten, der empfohlene Tagesablauf für eine Hausfrau steht. Wann sie den Herd putzt, daß sie effizient sein und nicht dreimal mit jeweils mit einer Sache einen Gang erledigen und vor allem, daß sie immer ein Staubtuch in der Schürzentasche tragen soll, um alles, woran sie vorbei kommt, abzustauben.
Tauschen möchte ich mit so einer Existenz nicht. Obwohl mir der Waschtaggeruch immer noch sentimentalitätserregend in der Nase hängt.
Am Abend kam das Kind. Wir aßen zusammen und ich testete Frau Coolcats Naanbrot. So richtig zufrieden bin ich noch nicht. Es schmeckt, aber ist recht kompakt und ging nicht richtig auf, was bei der Menge an Hefe und Backpulver verwundert. Allerdings verwendete ich statt Weizen- eine Mischung aus Reis- und Maismehl, das ist meistens fester oder bröseliger und braucht wesentlich mehr Feuchtigkeit.
Ich werde das nächste Mal keine Bio-Trockenhefe nehmen und frisches Backpulver, denn mein Vorrat ist auch schon drei Jahre alt.
Dazu aßen wir mein scheinbar endloses Kürbiscurry und tranken einen Rosa Grande Isola dei Nuraghi. Ein wunderbarer Mädchenwein.
Dann verkrümelten wir uns in die Bettnische, plauderten, tranken den Wein aus, futterten Schokolade, die sie mitgebracht hatte, spielten mit dem iP*d und ich bekam Nachhilfe in Junge-Leute-Fernsehen:
(läßt sich scheinbar nicht einbetten)
Schnuckel 1
Schnuckel 2
Schnuckels 3
Ich find die alle wesentlich schwiegersohntauglicher als die verranzten Parka- oder Sicherheitsnadelnträger, die wir früher anhimmelten.
An alle, die überlegen und zögern: Es ist schön, nicht auf die 60 zuzugehen, wenn ein Kind volljährig ist. Es mag sein, daß es für einen selbst weniger Kindsein im frühen Erwachsenenalter bedeutet. Weniger Party, mehr Verantwortung, Disziplin und Verläßlichkeit. Ein Kind ist nicht teuer. (Es ist allein schon bescheuert, so einen Satz schreiben.) Wenn es wirklich teuer wird, im Teenageralter, habt ihr euch so weit beruflich etabliert, daß es tragbar sein wird. Trennt euch von dem Gedanken, euch aufgeben zu müssen für ein Kind. Ein Kind hat seine Position in der Familie, wie ein Junges in einem Rudel. Die Alten sind der Boss. Sie schaffen das Futter ran, bewachen den Rastplatz und sind liebevoll, nachsichtig, aber führend.
So, das war der Kommantar von Kitty’s Flying Matriarchal Service.
*irgendwas stimmt mir der Groß- und Kleinschreibung in diesem Satz nicht…