6.11. 10

Der gemeine Freiberufler liebt es, am Wochenende zu arbeiten.
Pünktlich elf Uhr vormittags stand eine alte Bekannte vor der Tür, die mein Kreativen-Rundum-Sorglos-Paket ordern wollte. Das war ein Gespräch mit positivem Ausgang. Gut zu merken, daß mein Marktvorteil ist, daß ich genau weiß, was dieser Berufszweig für seine Präsentation braucht und auch noch den einen oder anderen Ratschlag von mir dazu bekommt.
Dann hatte ich Zeit für drei Monate Kassenbuchung (so langsam neigt es sich dem Ende zu!) und dann kam der Ranger. Ich sollte ihm nur zeigen, wie das eine oder andere bei Facebook so geht.
Der Ranger hat mir mir mein winterliches Schicksal geteilt. To much Arbeit, to much Auslandsjob to much Alkohol* und irgendwann Ende der Fahnenstange. Dort, wo wir zusammen in Erholung geschickt waren lernte er eine Frau kennen, to much Arbeit, to much Neuköllner Problemkinder, to much Führungsposition und Ende der Fahnenstange. Nun wohnen sie schon drei Monate zusammen und sind glücklich. Nicht euphorisch verknallt sondern umeinander besorgt und dabei doch achtsam auf sich selbst. Schön. Wenn ich vor allem daran denke, wie er mich vor einem halben Jahr fragte, was er denn machen solle, denn scheinbar wäre er der Frau nicht egal, aber seine Freiheit und er wisse ja auch nicht… und ich ihm ein paar Takte dazu sagte, daß er doch mal halblang machen solle mit seiner gepriesenen männlichen Freiheit, die ihm in den letzten Jahren doch nur eine SchnapsRotweinnase drehte. Das sei schließlich eine Frau mit dem Herz auf dem richtigen Fleck, in richtigen Alter und in ihrer eigenen Welt verwurzelt, außerdem aus dem Rheinland wie er. Was wolle er mehr?
Hat gesessen und hat geklappt.

Am Abend kochte ich mir Kürbiscurry. So richtig mit allem drum und dran. Schließlich habe ich nun einen Mörser für das Zerstoßen der gerösteten Gewürze. Dafür kippt man jegliches Kaufgewürz ins Klo. Um zehn Uhr trieb ich mich ins Bett und las. Leider Gottes wollte ich dringend wissen, wer der Mörder der Frau auf der Reitbahn war und wer das 17jährige Pferdemädchen entführt hatte (Martha Grimes, Auferstanden von den Toten). Das Buch war lang, ich schielte irgendwann vor Müdigkeit. Als die Welt gerettet war, war es 4:30 Uhr und ich konnte immer noch nicht einschlafen.
Manchmal bin ich versucht, das auf die FritzBox und die DECT-Telefonstation unter meinem Bett zu schieben. Ich sollte sie probehalber in der nächsten Nacht ausschalten.
Also griff ich zu Chemie. Nicht das erste Mittel meiner Wahl, aber ich hatte keine Lust durch die totenstille Nacht zu tigern.

*aber ich nicht Alkohol oder Drogen, sondern nur der normale Wahnsinn

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5.11. 10

Ah, also gestern konnte ich wieder hochfahren.
Steuer weiterbosseln, Wohnung putzen, Wäsche waschen und abends dann die Gans.
Die lieben Kollege erfanden nach dem Essen das Wort Gänselähmung. Wir konnten nur noch mit stieren Augen den Kopf langsam drehen und Schnaps ordern. Viel Schnaps.
Was mir nächtliche Alpträume bescherte. Einen von einem abstürzenden Flugzeug, vor dessen Explosionswelle ich nicht flüchten konnte, den anderen von der Insel der Deutschen im Eismeer, die sechs Monate in der Dunkelheit eingefroren ist.
Feuer und Eis also.

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4.11. 10

Den Tag kann man knicken.
Lebensstrategiegespräch und dann Komaschlaf (TM).
Das einzige Highlight war das Verzehren noch vorhandener Reste:
Aus 6 komisch aussehenden Tomaten und einer Pamesanrinde wurden Spaghetti Arrabiata. Eine Banane und ein Rest Vanilleeis bekamen ein Bad in selbstgemachter mit Salzkrümeln versehener Karamellsauce.
Danach mit sattem Bauch der Entschluß, b.a.w. nur gewollte Sozialkontakte zu pflegen.

Als ich 19 war und meine erste Wohnung fern der Kontrolle der Eltern hatte, stellte ich mir einmal die kniffelige Aufgabe, einen Pullover zu stricken, der auf der Vorderseite einen vielfarbigen Sonnenuntergang mit Wolkenkratzern zeigte. In dieser Aufgabe ging ich auf, in Wohnung von der Größe der heutigen, ohne Fernseher, ohne Telefon, nur mit einem Plattenspieler (ich hörte Brian Eno) und einem alten Röhrenradio, das keinen RIAS empfangen konnte. Und so blieb ich fast drei Wochen mit meiner Aufgabe beschäftigt und ging nur zum Essen kaufen vor die Tür.
So stelle ich mir das in etwa bis Ende November vor. Dann kommt Matteo Tedesco nach Berlin und wir machen die Stadt unsicher.

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3.11. 10

Es sind komische Tage zur Zeit. Der Herbst rumort in meinem Kopf, die Aufmerksamkeit für den Verwandtenbesuch strengte an und ich mag diese Lebensunentschiedenheiten nicht.
Das macht mich müde, sehr müde. Ich schlafe viel und träume in Technicolor.

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