Hachja

Und nun habe ich einen Love Chair und einen Single Chair. Je nach Bedürfnis. Design zitiertes Art Deco, in Altweiß und Naturleder.
Ich liebe schnelle Entschlüsse und Matteo Tedesco überholt mich da gern regelmäßig. Reschpeckt! Das schafft so schnell keiner. Das, was es in Berliner Möbelläden nicht gab, stand in einem Frankfurter. Was liegt näher, als die Sachen bei 10 Grad minus mit dem Auto nach Randfrankfurt zu transportieren und einzulagern morgen früh zurück auf die Insel zu fliegen (20 Grad!!!) und demnächst Weihnachtsmannlike zu mir zu bringen.
Es sei denn…
Gibt es jemanden aus Frankfurt, der/die nach dem 18.12. mit enem leeren Kombi nach Berlin fährt (um vielleicht mit einem vollen Kombi zurück nach Frankfurt zu fahren…). Ich hätte dann eine Zuladung für die Strecke Frankfurt-Berlin.
Ich würde mich sehr freuen M.T. wenigstens in dieser Hinsicht unterstützen zu können und nicht komplett das Mädchen zu geben.

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2. Advent

Das Kind und ich hatten eine Plätzchenfertigungsstrecke gebaut.
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Die Endergebnisse habe ich noch nicht fotografiert (da muß ich mich beeilen, sonst sind die aufgefuttert!). Meine Vanillekipferl sind aus unerfindlichen Gründen komplett zerlaufen. Die einzige Änderung an dem Rezept war unraffinierter Rohrzucker. Dann dienen sie als nächstes als Boden für New York Cheesecake.
Aber das Schwarzweiß-Gebäck vom Kind, ihre Vanillekipferl und meine Linzer Plätzchen sind seeehr knusperknusperknusper….

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ÖPNV oder wir werden niemals Freunde

150m von meiner Haustür hält der M46, ein Metrobus, der in den Hauptverkehrszeiten mindestens alle 10 Minuten fährt.
Da er aber vorwiegend von Rentnern benutzt wird, die vom KaDeWe in die Steglitzer Schloßstraße fahren, fällt des öfteren einer aus.
Dann stehe ich mir an der reifensprühluftgesättigten Martin-Luther-Straße die Beine in den Bauch.
Kommt er, dann fahren die Rentner die Krücken aus, um als erste einsteigen zu können. Das gönne ich ihnen von Herzen, würden sie nicht sofort drei Schritte nach dem Eingang stehen bleiben und sich irgendwo festklammern. Sitzplätze gibt es ohnehin nicht mehr, denn es rückt niemand ans Fenster auf, alle bleiben am Gang sitzen und durchdrängeln auf den zweiten Sitzplatz mag sich keiner.
Außerdem – man korrigiere mich – habe ich den Eindruck, daß der Anteil stark adipöser Menschen in den letzten 15 Jahren zugenommen hat. Kein öffentliches Verkehrsmittel, in dem in Sichtweite nicht zwei bs drei Leute sitzen, die anderthalb Plätze brauchen oder im Stehen den engen Gang unpassierbar machen.
U-Bahnfahren ist für mich schon immer so eine Sache für sich gewesen. Mir wird übel davon und diese Mischung von Eingeschlossensein, sichtbar schneller Bewegung und Menschenmengen erzeigt in mir nachhaltige Panik. Ich werde so konfus davon, daß ich in den nächsten kommenden Zug einsteige und oft zurückfahren muß.
Die S-Bahn ist ok., brilliert aber mit unvorhergesehenen technischen Störungen und Genickschußstrecken bis zum Erreichen des Bahnstiegs, bei deren Bewältigung man von Straßenzeitungsverkäufern und aggro Rollstuhlbettlern aufgehalten wird.
Meine letzte Busfahrt, heute um 18 Uhr war die Krönung. Es stank nachhaltig nach Scheiße, obwohl kein windeltragendes Baby in der Nähe war (btw. der Bus in Richtung Schloßpark-Klinik riecht immer nach Urin) und neben mir unterhielten sich zwei junge Frauen, wer als nächstes die im Büro grassierende Magen-Darm-Grippe aufgeschnappt hat.
Bevor das Fahrradwetter zurückkehrt werde ich Reisen in weit entfernte Stadtteile auf das notwendigste beschränken, denke ich.

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Wiedersehen mit warmer Schokolade

Gestern machte ich mich noch auf die weite, gefährlich kalte Reise in den Prenzlauer Berg. Eine meiner ältesten Freundinnen hatte zum Geburtstag eingeladen. Wir hatten uns über ein Jahr nicht gesehen, meine Kommunikationsfähigkeit läßt doch immer wieder zu wünschen übrig.
Ich kenne sie, seit sie Anfang 20 ist. Da war sie selbstständig mit einer wahnsinnigen Verantwortung und Arbeit rund um die Uhr. Diese ganze Rumhäng-, Ausprobier-, Orientierungsphase hat sie dann mit Anfang 30 begonnen. Gepaart mit einer handfesten Krise, denn je älter man wird, desto schwieriger werden solche Sachen.
Sie war als kleine Business-Soldatin unglaublich verkleidet, mit Plateauschuhen, schwarzrotem Lippenstift und Anzügen, Privatleben gab es so gut wie keines, bis auf etwas Zeit mit den Eltern und meistens den falschen Männern. Als sie dann einer aus der alten Bahn trug, sich natürlich auch bald verpißte und sie merkte, daß es noch andere Sachen als Arbeiten gibt, war sie jahrelang ängstlich und orientierungslos, fast kindlich, mit Babyspeck, Jeans, Holzfällerhemden und strähnigen Haaren. Dann studierte sie, schwamm sich im Job frei und nun stand eine zierliche, schöne Frau im schwarzen Kleid vor mir, die ein Sparschweinchen auf den Tisch gestellt hatte, um Kollekte für neue Laufschuhe zu machen. Schließlich trainiert sie für den Berlin-Marathon.
Uff. Die Kleene. Die mich allen Freundinnen aus dem neuen Leben als ihre langjährige Mentorin vorstellte. Nochmal uff.
Alles im Möbiusschen Band gedreht, gespiegelt. Der größte Teil der Frauen, die dort saßen, studieren an der Hochschule, an der auch meiner Tochter im zweiten Semester ist. Und ich? Coach, berate unter anderem Studenten. Bin aber in einer ähnlichen Wandlung, wie sie die Freundin in den letzten 7 Jahren gemacht hat. Da hat sie Vorsprung und wesentlich mehr Erfahrung als ich.
Ich trank Martinis, futterte Bananenscheiben, die ich in den Schokobrunnen auf dem Tisch tauchte, kleckerte wie ein Wetmeister, versuchte in Kontakt zu kommen und fühlte mich ein bißchen wie die extravagante Tante.
Dann erdete ich mich im Gespräch mit ihrer schwangeren Nachbarin. Interessanter Job, grade geheiratet, es steht noch ein feierlicher Umtrunk mit Freuden aus und ich versuchte mit ein paar Witzchen meine Schangerschaftserfahrungen weiterzugeben.
Ickeso: Champagner geht schon, vor allem, wenn es langsam Zeit für das Kind ist und es nicht rauskommen will.
Sieso: Muß es denn Champagner sein?
Ickeso: Sag deinem Mann, es muß auf jeden Fall guter Champagner sein. (zwinkere ihr zu) Und dann gibt es noch ein anderes Mittel, aber das erfährt du früh genug.
(ich hatte zwei Martini intus)
Sieso: Na da bin ich gespannt. Das muß ja ein großes Geheimnis sein.
Ickeso: Kann ich dir auch gleich sagen. Sex. Dein Mann wird sich sicher freuen.
(dabei hatte ich die grundsätzliche provinzielle Spießigkeit der Prenzlauer-Berg-Bewohner im Kopf und war, ich gebe es zu, ein bissel ironisch)
Sie holte Luft: Äh, ich hab keinen Mann, auch wenn ich grade geheiratet habe.
In meinem Kopf arbeitete es. Hm. Spezialisiert auf Ausländerrecht und Aufenthaltsgenehmigungen…
Sieso: Wir sind eine WG. Ein schwules Paar, meine Freundin und ich.
Ickso: drechselte einen Satz über die niedrige statistische Wahrscheinlichkeit, daß es sich in diesem Viertel bei einer Heirat um sich bei einer Heirat um eine homosexuelle handelte und rettete mich damit, daß ich ihr versicherte, daß Sex mit ihrer Freundin sicher die selbe Wirkung hätte.
(Glaube ich alledings nicht. Das hatte auch was mit Hormonen zu tun, aber egal.)
Sie nahm ihre Jacke. Ich geh dann mal. Ich lächelte wie der japanische Premierminister. Sex mit ihrer Freundin schien noch ein Fettnäpfchen zu sein. Warum kann man sich mit Lesben nicht unverkrampft über solche Sachen unterhalten? Ich habe immer das Gefühl, gerade freundlich über den Tisch gekotzt zu haben.
Als sie dann weg war, redete ich noch lange mit der Freundin. Ich konnte die große Klappe nicht halten und verpflichtete mich zur Teilnahme am Avon-Frauenlauf im Frühjahr. In pinkfarbenem Tütü sozusagen. Das ist doch mal ein Ziel.
Dann erzählte sie mir, daß ein gemeinsamer Bekannter gestorben war. Da wir sowieso schon minutenlang händchenhaltend saßen und ich bei Körperkontakt immer schrecklich emotional werde, hatte ich furchtbar nah am Wasser gebaut.
Deshalb veranschiedete ich mich recht schnell und mit großer Wärme im Herzen.

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