O.M.G.

Ich könnte jetzt viel dazu sagen, denn schließlich bin ich Fachfrau auf diesem Gebiet. Aber so hat noch nie jemand die Folgen seiner Berufswahl auf den Punkt gebracht. Ich danke der jungen Dame für ihre Ehrlichkeit, wünsche ihr viel Glück und hoffe, daß sie mir meine Indiskretion verzeiht.
(gleiches gilt für Studenten der Philosophie, Soziolinguistik, Malerei und viele andere brotlose Künste)

Hallo,

Ich habe gerade meine Schauspielausbildung in … erfolgreich abgeschlossen. Und jetzt muss ich mir etwas einfallen lassen, weil ich nahezu stündlich von Freunden, Bekannten, Verwandten, Kommolitonen, Passanten… gefragt werde, was ich denn jetzt tue, welche Angebote ich habe und wie viel ich verdiene. Bitte helfen Sie mir- nehmen Sie mich in Ihrer Kartei auf und geben Sie mir einen Job- irgendeinen, nur, damit ich was zu erzählen habe! Und damit ich es vor meiner Familie endlich rechtfertigen kann, dass ich unbedingt Schauspielerin werden musste. Damit sichern Sie Ihr gutes Karma für die nächsten vier Wochen! Davon abgesehen schadet es auch nicht, ich bin nämlich talentiert.
Vielen, lieben Dank!

Ich wünsche einen erfolgreichen und spaßigen Resttag!

X.Y.

Die Hintertreppen der Geschichte

Als die Mauer fiel und wir alle rätselten, wie Schabowski zu dem Zettel und der Äußerung „Das gilt … ab sofort.“ kam, meinte ein Kommilitone, dessen Vater in die Politik stark integriert war, daß der Grund ein ganz banaler gewesen sei: Streß, Hektik oder Genervtsein. Er wischte unsere wuchenden Verschwörungstherien mit einem Lächeln weg.
Die Rolle von Banalitäten und Zufällen als Auslöser von Geschichte ist groß und Legenden werden später geschrieben. Der Dreißigjährige Krieg begann mit einer saftigen Abgeordnetenprügelei, bei der einer aus dem Fenster flog.
Deshalb konnte ich mir ein Feixen nicht verkneifen, als hinter den Vermutungen der CIA-Verschwörung und Lockvögelei gegen Assange eine ganz einfache Geschichte auftauchte. Ich liebe solche Geschichten.

Ein Freiheitsheld auf Durchreise vögelt mit einer für seine Sache recht engagierten Frau. Die bietet ihm gleich an, bei ihr zu wohnen, während sie für ein paar Tage verreisen muß.
Inzwischen läuft den Freiheitshelden eine weitere engagierte Frau vor die Flinte. Er geht mit ihr, vögelt mit ihr, übernachtet bei ihr und macht sich nach einem gemeinsamen Frühstück vom Acker, um in die Wohnung der anderen Frau zurückzukehren. Aber siehe da, die ist nicht verreist. Ein paar Tage später kommen die Frauen in Kontakt.
Ein Schelm der Schlechtes dabei denkt. Frau2, die Partielle kontaktiert Frau1 die – für dieses Land – Offizielle mit dem Problem, der Freiheitsheld habe Sex ohne Kondom mit ihr gehabt, was sie denn nun machen solle.
Eine sehr subtile Art, jemandem mitzuteilen, sie sei nicht die Einzige und man sitze nun gemeinsam in einem Boot. Frau1 ist älter, erfahrener und mächtiger, sie überredet Frau2 den Freiheitshelden anzuzeigen. Rache ist süß.
(Männer hätten an der Stelle allen Beteiligten aufs Maul angeboten und dies wahrscheinlich auch in die Tat umgesetzt. Frauen wollen sich als staatlich sanktionierte Opfer sehen.)
Die Sache verschleppt sich zunächste wochenlang. Der Freiheitsheld will sich dem Verfahren stellen, aber es scheint keiner so recht an dem Vorgang interessiert zu sein.
Und nun, da es international knallt, wird die Sache instrumentiert…

edit: Andrea Sturm hat sich die Mühe gemacht, eingehender zu recherchieren und Quellen zu bewerten, das ist sehr lesenswert:
http://www.sturmwarnung.at/index.php/sturmblog/assange_die_schweden

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Über Meckel meckern

Vor ein paar Tagen bekam ich dieses Buch geschenkt.
Das Geschenk kam von Herzen und landete tief im Herzen. Natürlich kamen die letzten zwei Jahre wieder hoch. Verbunden mit einer ganzen Menge zerquetschten Tränchen und Hyperventilation.

Aber nachdem meine Emotionen etwas abebbten und sich der Verstand wieder einschaltete, finde ich es doch ziemlich schluri und doch symptomatisch, so einen Notizbuchausriss in die Welt zu geben. Der zwar Identifikationsmomente ermöglicht, aber ein sehr schales Gefühl zurückläßt.
Das Buch ist, wie das ganze Verhalten, das zum Burnout führte: hastig, einem Publikum verpflichtet und roh in die Welt gepfeffert. Die Autorin scheint längst wieder irgendwo anders zu sein.

Interessant, daß Meckel scheinbar zu selben Zeit in der Klinik war, in die ich auch gehen wollte – was die Krankenkasse dann verhinderte, um letztlich eine teurere Klinik zu bezahlen. Wir hätten uns begegnen können.

Und ich weiß, daß diese Schriften sich davor nicht verstecken brauchen:

http://batesmotel.twoday.net/

http://ziemssen.twoday.net/

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Nachts

Die Tage sind mit Arbeit und anderen sinnvollen Tätigkeiten angefüllt. Die Nächte entziehen sich meiner Kontrolle und werden zum Tanz auf der Klinge.
Irgendwann, wenn die Twitter-Timeline längst in der zweiten REM-Phase ist, kommt der Schlaf auch zu mir. Vorher mußte ich aber feststellen, daß das Angebot an eBooks, die mich interessieren, schmal und teuer ist. Vielleicht sollte ich mir demnächst anspruchsvollere Aufgaben stellen. Goethe lesen, dank Projekt Gutenberg oder die Shakespeare-Folios.
Vor einiger Zeit habe ich beschlossen – entgegen ärztlichem Rat – auf regelmäßige Chemiezufuhr zu verzichten. Gedunsen, aber ruhig, das ist nicht mein Lebensziel. Bin schließlich kein Manatee. Obwohl der Gedanke Charme hat. In der Karibik herumschwimmen, die Sonne genießen, Salat mümmeln, kräftig pupsen und immer mal ein Schläfchen einlegen, wenn einem danach ist, ist nicht das schlechteste. Aber die Berliner Lichtverhältnisse und Wassertemperaturen würden Karibik durch Muffelsofa vorm Fernseher und Salat durch Junkfood ersetzen, damit verbietet sich das.
So stelle ich mich denn den Dämonen der Nacht. Hellwach, mit rasendem Herzen zu Anfang, dann irgendwann doch in den Schlaf abtauchend, bis sie wieder siegen.
Heute nacht kurz vor vier Uhr wäre ich um ein Haar ermordet worden. Als ich schweißgebadet aufstand und mich vergewisserte, daß ich mich nicht an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln verlaufen hatte, auf der Erde lag und mich totstellte, damit die Typen das Messer nicht noch mal richtig ansetzen, sondern mich im Schöneberger Nestchen im Schneegestöber befand, war es vier Uhr nulleins.
Zu meiner großen Erleichterung blieb es heute Nacht bei diesem einen Mordversuch.

Veröffentlicht unter Leben