Am Samstag treckte ich massenhaft Stoff und Farbe nach Hause und verwandelte Bad und Küche in eine Alchemisten-Werkstatt.
Ich hatte eine gesteppte Tagesdecke geplant, in einer ruhigen, erdigen Farbe, aufgepeppt durch blaue Stickerei. Dann noch zwei Kissen mit Log-Cabin-Muster mit gedeckten vs. Frühlingsfarben.
Die Farben, die herauskamen, waren eine Katastrophe.
Armeedeckengrau und Plüschteddybraun wurden die 4 Meter Batist, die 50 € gekostet hatten. Die Quarters aus Nessel haben die Farben von diesem billigen Zuckerzeug, das man als Kette kaufen kann. Die einzige Farbe, die wunschgemäß aussieht, ist das sparsam einzusetzende Rot.
Ich habe erstmal alles resigniert in die Ecke gepackt.
Nee, nee
Nicht, daß Sie denken, hier kommt nix mehr wg. fortgeschrittenem Lebensdrama.
Das Arbeitsverbot macht mich maulfaul und ich habe meinen Rechner zum letzten Mal vor 4 Tagen hochgefahren.
Ansonsten lümmele ich auf dem Sofa, mit dem iPad in der Hand und krieche durch die Niederungen des Internet, verspeise bei Frau Modeste mit Frau Casino herrlichen Kuchen und nähe mit meiner Tochter an einem Wintermantel, der bestimmt erst im Frühjahr fertig sein wird.
Aus Gründen gab es heute zum Frühstück Krabbensalat, Franzbrötchen und einen wönzigen Schlock Champagner. Der Herr Gläm hatte nämlich heute Nacht angerufen und mich erinnert, was heute für ein Tag ist.
Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach einen Cocktail daraus.
Kür
Neuer Perfektionsgrad im „es ist alles normal“-Spiel.
Schocktherapie
Manchmal bin ich ein Wesen, das nix merkt. Wenn ich mir selbst gegenüber über die Grenze gehe zum Beispiel. Ich kapiere erst im Nachhinein, daß ich mal wieder auf dem Dachfirst getänzelt bin, während ich das Gefühl hatte, nicht einmal einen Fuß vom Boden zu bekommen.
Seit der Rückkher aus dem Urlaub fährt mir ständig der Schreck in die Glieder. Kennen Sie dieses Gefühl? Dieses Kribbeln wie ein elektrischer Schlag? In den Knochen? In der Magengrube? Das passiert mir seit Tagen grundlos. Erst habe ich mich umgesehen: Kein Monster unter dem Bett, vor dem ich mich fürchten könnte, nicht einmal der Gedanke an Gefahr oder Grenzüberschreitung.
Und trotzdem fühle ich mich, als würde ich auf dem Hochseil balancieren.